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Indikator Gold-Öl-Verhältnis : Droht die große Krise?

Auch dem Gold-Öl-Verhältnis sollte man als Index nicht bedingungslos vertrauen. Bild: dpa

Das Gold-Öl-Verhältnis ist auf über 20 gestiegen - oft folgten danach Wirtschafts- und Finanzkrisen. Wird sich die Geschichte wiederholen?

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          In der Finanzwelt gibt es viele Charts, die auf vermeintliche oder tatsächliche Krisen hinweisen oder gar die Zukunft voraussehen sollen. Vieles davon ist reine Kaffeesatzleserei, doch es gibt auch einige Linien, bei denen ein genauerer Blick nicht schaden kann. Zu dieser Sorte gehört auch das Gold-Öl-Verhältnis.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Relation gibt an, wie viele Fass Öl mit rund 159 Litern gebraucht werden, um eine Feinunze Gold mit etwa 31,1 Gramm zu kaufen. Generell wird diesem Chart eine hohe Vorhersagekraft nachgesagt. Steigt das Verhältnis auf über 20 - also müssen mehr als 20 Fass Öl für eine Feinunze Gold bezahlt werden - droht demnach eine Krise. Und ebendieses Niveau wurde Ende vergangenen Jahres erreicht, es ist sogar so hoch wie seit dem Ende der Sowjetunion nicht mehr.

          Bisher hat das Gold-Öl-Verhältnis beeindruckend oft eine Krise vorhergesagt. In den 70er Jahren die Lateinamerika-Krise, in den 80er Jahren den Zusammenbruch der Sowjetunion und später sowohl die Asien-Krise als auch die Finanz- und Eurokrise.

          Doch warum sollen gerade Gold und Öl solch eine Vorhersagekraft besitzen? Auch wenn die Weltwirtschaft seit Jahrzehnten versucht, von Öl unabhängig zu werden - ohne das „schwarze Gold“ läuft es einfach nicht. Sinkt der Ölpreis, wie es auch im Moment der Fall ist, deutet das auf eine schwache Nachfrage hin und damit auf eine schlechte weltwirtschaftliche Lage. Und Gold wird in diesem Zusammenhang zur Krisenwährung. Es soll als Schutz vor Inflation dienen, und eigentlich sollte der Preis immer steigen, wenn Geldentwertung droht oder andere Krisen die wirtschaftliche Stabilität in Frage stellen. Manche Notenbanken wie die niederländische kaufen bereits wieder Gold auf.

          Droht nun konkret eine Krise? Jedenfalls gibt es viele Vorzeichen, die dafür sprechen: Die Notenbanken pumpen noch immer viel Geld in die Märkte, so dass die Gefahr einer Blase am Aktienmarkt wächst. Zahlreiche geopolitische Krisen schüren Unsicherheit. Und der niedrige Ölpreis stützt zwar alle Netto-Ölimporteure. Doch für die Förderländer gibt es große Probleme: Manche rutschen in eine Rezession, wie Russland, andere stehen vor der Staatspleite, wie Venezuela, einige haben kaum noch Geld für den Kampf gegen den Terror, wie Nigeria. Sollte der Ölpreis nicht schnell wieder deutlich anziehen, drohen in diesen Ländern Umwälzungen.

          Doch man sollte diesem Index nicht bedingungslos vertrauen. Als er zwischen den Jahren 1993 und 1996 über 20 notierte, fand lediglich die weltwirtschaftlich relativ unbedeutende Tequila-Krise statt, die sich im Wesentlichen auf Mexiko beschränkte.

          Sinkender Preis : Welche Folgen hat der Öl-Dumpingpreis?

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