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Indien erhöht Leitzins : Schwellenländer stemmen sich gegen Währungskrise

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Bild: dpa

Die Währungen der Schwellenländer stehen unter Druck. Jetzt hat Indien überraschend den Leitzins angehoben. Die türkische Zentralbank könnte auf einer Krisensitzung an diesem Dienstagabend nachziehen.

          Die Welt blickt weiter auf die Währungen von Schwellenländern. Schon in der vergangenen Woche hatten Anleger deren Devisen in großem Stil abgestoßen. Besonders der argentinische Peso und die türkische Lira mussten starke Kursverluste hinnehmen. Die Währungen werteten auf Wochensicht zum Euro 13 respektive 5 Prozent ab, der südafrikanische Rand fiel auf den tiefsten Kurs seit Oktober 2008.

          Nun stemmt sich auch die indische Zentralbank gegen eine weitere Abwertung der Rupie und hat überraschend ihren Leitzins angehoben. Er steige von 7,75 auf 8,0 Prozent, teilte sie am Dienstag in Mumbai mit. Auch die Rupie gehört zu den Sorgenkindern. Im vergangenen Jahr verlor die indische Währung gegenüber dem Dollar mehr als 26 Prozent ihrer Wertes.

          Grund für den unerwarteten Schritt sind kräftig steigende Preise in Indien. Von seinem Inflationsziel sei Indien derzeit „sehr weit entfernt“, sagte Notenbankpräsident Raghuram Rajan. „Die Entscheidung fiel knapp aus, aber wir haben uns letztlich zum Handeln entschlossen.“ Sobald die Teuerung nachlasse, eröffne sich Spielraum für Zinssenkungen.

          Zuletzt lag die Teuerungsrate bei 9,87 Prozent und damit weit über dem Leitzins. Die Zentralbank will die Inflation bis Januar 2015 auf 8 Prozent und ein Jahr später auf 6 Prozent drücken. Höhere Zinsen machen Kredite teurer, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen kann. Doch Indien hat derzeit immer noch negative Realzinsen.

          Mit der Türkei dürfte am Abend ein weiteres Schwellenland seinen Leitzins anheben. Die Zentralbank hat eine Krisensitzung einberufen. Grund ist der Kursverfall der heimischen Währung Lira. Experten rechnen mit einem „aggressiven“ Zinsschritt. Die Notenbank werde alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente effektiv einsetzen, sagte Zentralbankgouverneur Erdem Basci am Dienstag in Ankara. Falls erforderlich, werde der Zentralbankrat nicht zögern, die Geldpolitik zu straffen. Derzeit liegt der Zinssatz bei 4,5 Prozent.

          Aus Furcht vor einer raschen Straffung der amerikanischen Geldpolitik und einer erlahmenden Weltwirtschaft ziehen sich Anleger momentan aus der Türkei und anderen Schwellenländern zurück. Höhere Zinsen könnten Investitionen in diese Länder wieder attraktiver machen und damit etwa der Lira Auftrieb geben.

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