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Im Gespräch: Rohstoffexperte David Threlkeld : „Spekulanten dominieren den Kupfermarkt“

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David L. Threlkeld Bild: Privat

Kupfer ist wieder teuer geworden. Der Preis spiegele die sich erholende Weltkonjunktur wider, vor allem in China, heißt es gemeinhin. David Threlked ist anderer Meinung. Der Kupfermarkt werde zu 90 Prozent von Spekulanten bewegt, sagt er.

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          Nach einer massiven Zwischenkorrektur im vergangenen Jahr ist Kupfer in den vergangenen Monaten wieder teuer geworden. Der Preis des Industriemetalls sei ein vorlaufender Konjunkturindikator. Er spiegele die sich erholende Weltkonjunktur wider, vor allem in China heißt es gemeinhin.

          David L. Threlkeld ist anderer Meinung. Der Kupfermarkt werde nicht mehr von der Realwirtschaft bewegt, sondern zu 90 Prozent von Spekulanten. Wann immer auch sie sich zum Verkauf entschließen sollten, werde es zu einem dramatischen Preisverfall kommen, erklärt er. Threlked hat mehr als 40 Jahre Erfahrung im Handel mit Industriemetallen. Er trug schon vor Jahren dazu bei, dass die Manipulation des Kupfermarktes durch Nomura aufgedeckt wurde.

          Sie erklären, der Kupfermarkt sei manipuliert. Ist das richtig?

          Nein der Markt ist nicht unbedingt manipuliert, aber er bildet mit Sicherheit eine Preisblase. Das zeigt sich ganz einfach daran, dass die Herstellung von Kupfer ein Dollar je Pfund kostet. Gehandelt wird es jedoch zu einem Preis von drei Dollar pro Pfund. Und das, obwohl wir gerade den größten Finanzkollaps seit dem Jahr 1929 hinter uns haben und obwohl die Produktion um mindestens zwei Millionen Tonnen größer ist als der Verbrauch.

          Also das Angebot ist größer als die Nachfrage?

          Nutzen Sie nicht den Begriff Nachfrage. Denn wenn ein chinesischer Spekulant 1.000 Tonnen Kupfer kauft, so nennt man das gemeinhin chinesische Nachfrage. Das bedeutet jedoch nicht, dass dieses Kupfer in China tatsächlich benötigt wird. Denn China produziert selbst Kupfer und dort steigt die Kupferproduktion schneller als der Verbrauch.

          Wer kauft denn das ganze Kupfer?

          Spekulanten. Das heißt, Hedge-Fonds, Investmentbanken und Indexfonds. Sie kaufen das Kupfer, nur um es aus statistischen Gründen nach China zu verschiffen. Auf diese Weise wird die Illusion erweckt, die Nachfrage sei groß genug sei, um sämtliche Überschüsse zu absorbieren.

          Worauf schauen Sie, wenn Sie so argumentieren?

          Alle Daten zeigen, dass die Kupfernachfrage mit Ausnahme von Asien in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen ist. Dagegen war die Differenz zwischen Kupferverbrauch und -produktion in China selbst nur sehr gering. Das spricht für sich.

          Viele argumentieren jedoch mit der wirtschaftlichen Erholung und erklären, der Kupferpreis gebe die reale Nachfrage wieder und sei in diesem Sinne ein vorlaufender Konjunkturindikator.

          Diese Argumentationskette wurde vor langer, langer Zeit eingeführt von einem Mann namens Alan Greenspan. Er war damals Mitglied der New Yorker Rohstoffbörse. Damals bestand der Kupfermarkt zu zehn Prozent aus Spekulation. 90 Prozent des Handelsvolumens ging auf Kupferproduzenten und -verbraucher zurück. Heute dagegen besteht der Markt zu 90 Prozent aus Spekulanten und gerade einmal zu zehn Prozent aus Marktteilnehmern mit Bezug zur Realwirtschaft. Der Kupfermarkt ist also kein Wirtschaftsindikator mehr.

          Welche Rolle spielen so genannte OTC-Geschäfte?

          Dieser Markt gleicht einem „Dark Pool“. Die Transparenz ist gleich Null. Die Mehrheit der Geschäfte beruhen auf Gegenseitigkeit und werden über die Handelsdesks von Investmentbanken und Hedge-Fonds et cetera abgewickelt. Es gibt nur sehr wenig Hinweise darauf, was im Markt wirklich vor sicht geht.

          Heißt das, die CFTC-Daten sind nutzlos?

          Diese Daten beziehen sich nur auf den Handel in den Vereinigten Staaten. Diese Marktteilnehmer agieren aber nicht an den amerikanischen Märkten, weil dort nicht gemacht werden kann, was zum Beispiel an den europäischen Märkten möglich ist.

          Wollen Sie damit sagen, der Handel an der London Metal Exchange funktioniere nicht sauber?

          Die London Metal Exchange erfüllt nicht mehr den Zweck für den sie eigentlich eingerichtet wurde. Es ist kein realer Markt mehr, sondern dient nur noch dazu, einen Referenzpreis zu ermitteln. Kupferanbieter und -konsumenten orientieren sich beim Handel zwar daran, aber die eigentlichen Transaktionen werden nicht an der LME getätigt.

          Was kann ich aus dieser Aussage ableiten?

          Lassen sie uns eine Analogie ziehen. Die inzwischen geplatzte Hauspreisblase ist entstanden, weil Leute mit günstigen Krediten Häuser kaufen und kurz danach mit Gewinn weiterverkaufen konnten. Sie waren jedoch nicht in der Lage, viele Immobilien zu erwerben, sondern sie machten eine Transaktion nach der anderen. Der Rohstoffhandel ist anders, denn Rohstoffkontrakte bringen den Handel auf Kredit automatisch mit sich …

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