https://www.faz.net/-gv6-12j6u

Im Gespräch: Rohstoff-Investor Jim Rogers : „Der Weltwirtschaft droht eine Währungskrise“

  • Aktualisiert am

Jim Rogers vertraut lieber auf sich als auf Zentralbanken und Vermögensverwalter Bild: Robert Hagmann

Reich wurde Jim Rogers mit dem Hedge-Fonds „Quantum“, den er gemeinsam mit George Soros gründete. Er sieht die Welt vor einer Währungskrise, stellt den Notenbanken und Vermögensverwaltern ein schlechtes Zeugnis aus und nimmt Zuflucht zu Rohstoffen.

          4 Min.

          Reich wurde Jim Rogers mit dem Hedge-Fonds „Quantum“, den er gemeinsam mit dem Spekulanten George Soros 1970 gründete. In zehn Jahren wuchs der Wert des Fonds um das Vierzigfache. Rogers setzte sich zur Ruhe und fuhr zweimal um die Welt. Er entwickelte den Rogers-Index für Rohstoffe. 2007 zog er von New York nach Singapur - mit der Begründung, er halte Asien für den Kontinent des 21. Jahrhunderts. Rogers ist verheiratet und hat zwei Töchter, die 2003 und 2008 geboren wurden.

          Er sieht die Welt vor einer Währungskrise, stellt den Notenbanken ein ebenso schlechtes Zeugnis aus wie Vermögensverwaltern und nimmt Zuflucht in Rohstoffen, vor allem bei Nahrungsmitteln.

          Herr Rogers, die Kurse steigen seit März. Geht das so weiter, oder ist das nur eine Bärenmarktrally?

          Die Zentralbanken und Regierungen haben viel Geld gedruckt. Dieses Geld muss irgendwohin gehen, also auch in die Finanzmärkte auf der ganzen Welt, und dann steigen die Kurse. Ich glaube aber, dass die Weltwirtschaft bald noch mehr Probleme bekommt, vielleicht schon dieses Jahr, vielleicht erst 2011. In den vergangenen zwei Jahren habe ich nur Aktien aus China gekauft. China wird das wichtigste Land des 21. Jahrhunderts.

          Was für Probleme soll die Wirtschaft denn noch bekommen?

          Es droht eine Währungskrise. Denn die Ungleichgewichte zwischen den Weltwirtschaften sind riesig. Es gibt große Gläubigerstaaten in Asien und große Schuldnerstaaten im Westen. Das muss nicht unbedingt in einer Währungskrise enden, aber in der Vergangenheit lief es immer so.

          Was passiert dann?

          Dafür bräuchte man ein Buch oder zumindest ein Kapitel. In Kürze: Manche verdienen, andere verlieren, wie in jeder Finanzkrise. Währungsprobleme breiten sich oft auf andere Märkte aus.

          Kann Amerika nicht mit seinen Schulden leben? Es ist auch nicht höher verschuldet als Italien in den vergangenen Jahrzehnten.

          Aber Italien hatte auch immer wieder Schwierigkeiten mit seiner Währung, die Lira hat abgewertet. Wenn Amerika so etwas macht, haben wir ein Problem, denn der Dollar ist die Welt-Reservewährung, und wenn der schwach wird, werden die Menschen panisch.

          Aber gerade in der größten Panik haben die Leute noch immer Dollar gekauft, zum Beispiel in der Finanzkrise.

          Aber das hielt nur kurze Zeit. In den vergangenen Jahren hat der Dollar trotzdem immer weiter an Wert verloren. Es gibt zwar auch Leute, die glauben, dass sich dieser Trend umkehrt. Aber jeder, der in den vergangenen acht Jahren Dollar hatte, hat Geld verloren. Bisher bekommt Amerika immer mehr Schulden, es druckt mehr Geld, und der Dollar wird schwächer.

          Wie legen Sie Ihr Geld dann an?

          Ich habe Rohstoffe gekauft. Wenn es der Wirtschaft wieder bessergeht, werden die knapp. Und auch wenn es der Wirtschaft nicht wieder bessergeht, sind Rohstoffe eine gute Idee, denn die Regierungen auf der ganzen Welt drucken Geld. Und das hat noch immer zu höheren Preisen geführt.

          Kann es denn Inflation geben, wenn es der Wirtschaft noch schlechtgeht?

          Das passiert oft, denken Sie nur an Italien, an Frankreich in den 50ern oder Großbritannien in den 60ern.

          Aber die Zentralbanken werden das Geld auch wieder zurückholen

          Die Notenbanken sagen zwar, sie hätten eine Strategie dafür, wie sie das Geld zurückholen. Aber sie haben sich in den vergangenen 10, 15 Jahren in fast allen Fragen getäuscht. Sie werden auch jetzt wieder Fehler machen. Wenn sie das Geld zurückholen, wird alles sehr schnell sehr schlimm. Dann kriegen die Regierungen wieder Angst, und die Notenbanken werden wieder Geld verteilen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unterschätzte Angela Merkel: Erst „Kohls Mädchen“ wie auf dem CDU-Parteitag 1991 in Dresden, dann 16 Jahre Kanzlerin.

          Adenauer, Kohl und Merkel : Erst verhöhnt, dann lange Kanzlerschaft

          Die drei Langzeitkanzler mussten viel Spott zu Anfang ertragen. Aber dann erwarben sie sich Respekt und Vertrauen in langen Kanzlerschaften. Wie genau hilft das Armin Laschet weiter?
          Nicht tief verwurzelt im Osten: Digitaler Parteitag der Grünen in Sachsen-Anhalt

          Grüne in Ostdeutschland : Zu weit weg von der Lebensrealität

          Die Grünen tun sich seit Jahrzehnten in Ostdeutschland schwer. Die Gründe, warum sie dort bei Wahlen meist deutlich schlechter abschneiden als im Westen, sind vielfältig. Einer davon ist die Schwäche der Partei auf dem Land.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.