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Im Gespräch: Ölexperte Rafael Sandrea : „Das Öl geht nicht schon morgen aus“

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Rafael Sandrea, IPC Petroleum Consultants Bild: Privat

Öl ist knapp - diese These führte dazu, dass der Ölpreis nach oben lief. Kurzrfristig gibt es eine gewisse Knappheit. Die Reserven sind jedoch noch lange nicht erschöpft. Ein großer Teil lässt sich mittels innovativer Technologien noch fördern.

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          Öl ist knapp - diese These wurde in den vergangenen Jahren zum Allgemeinplatz und führte dazu, dass der Ölpreis nach oben lief und in den vergangenen Wochen Rekordwerte von bis zu 145 Dollar je Barrel der Sorte WTI erreichte.

          Inzwischen ist er zwar wieder leicht zurückgekommen. Allerdings scheint unterschwellig weiterhin ein gewisser Preisauftrieb da zu sein. Tatsächlich hat die Nachfrage in den vergangenen Jahren rascher zugenommen als die Produktion, erklärt Dr. Rafael Sandrea von den IPC Petroleum Consultants im folgenden Gespräch. Das führt kurzfristig zu einer gewissen Knappheit.

          Langfristig sind die Reserven jedoch noch lange nicht erschöpft, da bisher gerade einmal zehn Prozent der in der Vergangenheit entdeckten Reserven gefördert wurden. Sie lassen sich mit modernen Technologien heben. Allerdings setzen diese stärkere Investitionen voraus, die durch zu hohe Steuern behindert werden.

          Der Ölpreis lief in den vergangenen Jahren nach oben, als ob es morgen kein Angebot mehr gäbe? Was denken Sie über die Entwicklung?

          Bei der Ölproduktion insgesamt, den etwa 84 Millionen Barrel pro Tag, müssen wir unterscheiden zwischen der Rohölproduktion in Höhe von etwas 71 Millionen Barrel pro Tag und den so genannten Gas Liquids, die den Rest ausmachen.

          Die wichtige Zahl ist die Rohölproduktion. Sie nahm von 1990 bis 2000 um 1,22 Prozent jährlich zu, blieb in den vergangenen vier Jahren jedoch mit einem Zuwachs von gerade einmal 0,14 Prozent pro Jahr auf 71,3 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2007 stagnant.

          Die Produktionszuwächse, die wir zuletzt gesehen haben, sind auf die Gasverflüssigung zurückzuführen. Sie sind zu gering im Vergleich mit der zunehmenden Nachfrage. Daran dürfte sich in den kommenden Jahren kaum etwas ändern.

          Das heißt, die Nachfrage wächst schneller als das Angebot; Anleger haben also recht, wenn sie auf steigende Preise setzen?

          Daran gibt es keinen Zweifel. So funktioniert der Markt: Ist die Nachfrage größer als das Angebot, so steigt der Preis. Es mag eine gewisse Spekulation geben. In jedem Rohstoffmarkt hat sie einen Anteil von zehn Prozent. Das ist jedoch nicht so wichtig.

          Selbst nach der jüngsten Korrektur ist Rohöl mit einem Preis von 117 Dollar je Barrel der Sorte teuer. Können wir nichts gegen die hohen Preise unternehmen?

          Um weglaufende Preise zu vermeiden können wir - abgesehen von einer Rezession, was keine gute Sache wäre - verschiedene Maßnahmen ergreifen, um das Nachfragewachstum zu bremsen.

          Es gab in den vergangenen Monaten einzelne Stimmen, die einen Ölpreis von bis zu 200 Dollar prognostizierten. Ist das realistisch?

          Ich halte es nicht für völlig unrealistisch.

          Ein hoher Ölpreis wird unweigerlich das Wirtschaftswachstum bremsen oder möglicherweise gar zu einer Rezession führen. Wird er darauf nicht reagieren?

          Wenn wir das Nachfragewachstum bremsen können, wird der Ölpreis nicht mehr so stark steigen wie in diesem Jahr von 100 auf 150 Dollar in sechs Monaten. Die hohen Preise sind eine starke Belastung für alle, die sie bezahlen müssen. In den Vereinigten Staaten ist die Nachfrage in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres um drei Prozent gefallen. Selbst Länder wie China und Indien müssen aufgrund der hohen Kosten ihre Subventionen anpassen. Das setzt der Nachfrage gewisse Grenzen. Kurzfristig sehen wir starke Nachfrageanpassungen. Wir können so einen Ölpreis von 100 Dollar sehen plus-minus zehn Prozent. Das ändert jedoch wenig daran, dass das Öl teuer geworden ist. Grundsätzlich brauchen wir jedoch einen Preis im Bereich von 80 bis 100 Dollar, damit die Anreize groß genug sind, Alternativen zu entwickeln.

          Gibt es keine Möglichkeit, die Produktion zu steigern?

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