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Im Gespräch: John Taylor, FX-Concepts : „Die Schuldenkrise Europas ist nicht gelöst“

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Ich weiß, dass das unwahrscheinlich klingen mag. Aber ich bin jetzt 67 Jahre alt - und als ich damals in Europa Politik studierte, waren die Verhältnisse revolutionärer als heute. Während das hohe Durchschnittsalter der Bevölkerung dagegen und für ein gewisses Beharrungsvermögen spricht, maßen sich angesichts der Risiken selbst die Politiker nicht an, zu wissen, wohin der europäische Weg führen wird. Die südeuropäischen Staaten müssten auf deutschen Standard gebracht werden, das jedoch erwarte ich nicht einmal in einer Million Jahren.

Wieso nicht?

Als Student war ich Reiseführer und viel in den südeuropäischen Staaten unterwegs. In Griechenland fragte ich mich jedes Mal, „wie kann dieses Land wirtschaftlich überleben?“ - und dann war es plötzlich Teil der Europäischen Union und des Euro. Diese Leute werden sich nicht von heute auf morgen verändern. Man kann aus Griechenland eben nicht Hamburg oder Essen machen.

Wie reagieren Sie als Anleger auf solche Argumente, verkaufen Sie griechische Anleihen oder kaufen sie Kreditabsicherungen?

Nein, das ist Gott sei Dank nicht mein Geschäft, da wir uns auf den Devisenhandel konzentrieren. Wir beobachten aber ihre Kursentwicklung und lassen die Daten in unsere quantitativen Handelsmodelle einfließen. Fakt ist jedoch, dass die Inhaber griechischer Anleihen ihr Kapital wahrscheinlich nicht voll zurückerhalten werden. Deswegen ist an sich ein Bewertungsabschlag von 20 oder 30 Prozent notwendig. Ein Problem Europas liegt darin, dass die Banken viele dieser Anleihen in ihren Depots haben. Es ist und war ein Fehler der Europäischen Zentralbank, sie zum Kauf ermuntert zu haben und solche Papiere jetzt zu übernehmen.

Wie sähe eine radikale Lösung aus?

Je länger die Lösung der Probleme in der vagen Hoffnung auf ein positives Wunder in der Zukunft auf die lange Bank geschoben werden, desto größer werden sie. Vor einem Jahr erklärte ich, die beste und radikalste Lösung wäre, wenn Griechenland und Deutschland den Euro verlassen würden, da eine gemeinsame Währung für beide nicht mehr sinnvoll war. Darüber haben sich viele aufgeregt. Nun jedoch lässt sich der Wert des Euro schlecht bestimmen. Er ist entweder 1,8 Dollar wert, wenn man ihn auf Deutschland bezieht oder 80 Cents, wenn man ihn auf die Mittelmeerstaaten bezieht.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus ihren Argumenten?

Selbst wir, die wir keine Spekulanten sind, sondern professionell Währungsportfolios für Pensionsfonds und Staatsfonds verwalten, wissen nicht so richtig, was man mit der Währung machen soll. Auf der einen Seite führen die Strategien Europas tendenziell zu einer Aufwertung des Euro, auf der anderen führen die amerikanischen klar zu einer Abwertung des Dollars. Grundsätzlich haben wir deswegen alle Euro in unseren Depots. Möglicherweise aber wäre es wegen der strukturellen Probleme Europas besser, auf Schweizer Franken oder norwegische Kronen zu setzen.

Wieso?

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