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Im Gespräch: Investor Jim Rogers : „Kauft weiter Gold!“

  • Aktualisiert am

Jim Rogers Bild: Roeder, Jan

Starinvestor Jim Rogers über guten Krisenschutz, Chancen bei Ackerland und Tipps seiner Mutter.

          4 Min.

          Herr Rogers, halten Sie es für möglich, dass die Banken den Goldpreis manipulieren, wie jetzt vermutet wird?

          Das wäre etwas, oder? Seit Jahrzehnten investiere ich nun in Gold - und das alles auf Grundlage falscher Preise? Das kann ich beim besten Willen nicht glauben. Sicher, theoretisch betrachtet ist es möglich, den Goldpreis zu manipulieren. Aber trotzdem halte ich das für völlig unwahrscheinlich. Denn anders als beim verfälschten Bankenzins Libor handelt es sich bei Gold um einen richtigen Markt - und auf dem tummeln sich einfach zu viele Akteure aus der ganzen Welt: Es gibt die Schmuckhändler, die Zentralbanken, die Minenfirmen, und, und, und. Die müsste man entweder alle täuschen, oder sie müssten alle mitmachen. Aber glauben Sie mir: Diese Leute haben ein feines Gespür dafür, wo der Preis stehen sollte. Denn Gold ist kein Zinssatz, sondern ein knappes Gut, für das eine wirkliche Nachfrage existiert.

          Trotzdem ist der Goldpreis zuletzt gefallen. Auch Ihr früherer Partner, Starinvestor George Soros, hat Gold in großem Stil verkauft. Tun Sie es ihm gleich?

          Ach ja, George. Wissen Sie, da hätten Sie mich ebenso gut nach meiner ersten Frau fragen können: Mit der habe ich auch schon seit Jahren keinen Kontakt mehr. Ich werde mein Gold jedenfalls behalten, räume aber ein: Ein größerer Kursrückgang ist möglich. Schließlich hat der Goldpreis mit einer einzigen Ausnahme in den vergangenen zwölf Jahren immer nur zugelegt - das ist ein außergewöhnliches Phänomen. Ich kenne keine andere Anlageform, bei der das der Fall war. Darum scheint fast zwangsläufig eine Korrektur bevorzustehen. Zumal es derzeit schlechte Nachrichten aus dem Land gibt, das so viel Goldschmuck kauft wie keine andere Nation der Welt: Indiens Regierung will den Import von Gold einschränken.

          Dann wäre es doch besser, Sie würden Gold jetzt verkaufen.

          Wo denken Sie hin? Gold ist eine Versicherung für schlechte Zeiten, die gibt man nicht einfach so auf. Und wenn der Preis bis auf 1200 Dollar je Feinunze sinkt, wäre das wunderbar. Dann würde ich günstig zukaufen.

          Derzeit scheint sich aber kaum jemand vor schlechten Zeiten zu fürchten. Die Börsen in Amerika sind auf Rekordkurs.

          In der Tat gibt es gerade eine Rallye an den Aktienmärkten. Der sollten Anleger aber auf keinen Fall trauen. Denn sie wurde künstlich erzeugt - vom wohl gefährlichsten Mann, den es derzeit in den Vereinigten Staaten gibt: Notenbankchef Ben Bernanke. Alle wichtigen Zentralbanken der Welt fluten die Märkte mit billigem Geld, aber keiner treibt es so schlimm wie Bernanke. Der Mann versteht nichts von Finanzen, sondern nur etwas vom Gelddrucken.

          Ein hartes Urteil. Gilt das auch für Mario Draghi, den Chef der Europäischen Zentralbank?

          Sagen wir es so: Er ist nicht so gefährlich wie Bernanke, aber dennoch bedrohlich. Zentralbankern können Sie einfach nicht mehr trauen: Es sind reine Bürokraten, die sich um die Wirklichkeit nur wenig scheren. Stets beschwichtigen sie und sagen, es drohe keine Inflation. Und wenn man die öffentlichen Statistiken zur Hand nimmt, sind die Teuerungsraten auch wirklich niedrig. Aber diese Zahlen sind eine einzige große Lüge. Gehen Sie in den Vereinigten Staaten einfach mal einkaufen, oder gehen Sie essen in einem Restaurant. An den Preisen merken Sie schnell, dass die Inflation Amerika fest im Griff hat. Da fragt man sich doch: Wo bitte schön gehen eigentlich Regierungen und Zentralbanker shoppen?

          Angenommen, Sie haben mit Ihren düsteren Einschätzungen recht: Was können Anleger tun?

          Schon seit Jahren gebe ich Investoren vor allem einen Ratschlag: Kauft Ackerland, werdet Bauern! Denn in Zukunft werden es nicht mehr die Broker an der Wall Street sein, die in dicken Limousinen durch die Gegend fahren. Nein, stattdessen werden alle Bauern einen Lamborghini besitzen. Und zwar aus einem einfachen Grund: Keiner möchte mehr als Landwirt arbeiten, in Amerika beträgt ihr Durchschnittsalter 58 Jahre - aber Bauern werden gebraucht wie selten zuvor. Denn nie haben die Menschen so viel verzehrt wie derzeit, unsere Vorräte schrumpfen. Beide Phänomene zusammen ergeben eine perfekte Kombination für zukünftige Landwirte: Sie haben kaum Konkurrenz und können gleichzeitig mit steigenden Preisen rechnen.

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