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Im Gespräch: Investor Jim Rogers : „Kauft weiter Gold!“

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Mit Verlaub: Jeder Privatanleger soll jetzt zum Bauern werden? Das klingt absurd.

Natürlich müssen Sie gerne draußen in der Sonne sein. Für mich wäre das nichts, Feldarbeit ist nicht mein Ding, der Hof wäre wahrscheinlich bald bankrott. Aber es gibt Hunderte von Wegen, auf indirekte Weise an der Landwirtschaft zu verdienen - zum Beispiel können Anleger Aktien von Traktorherstellern und Düngemittelproduzenten kaufen.

Trotzdem: Ihre These von der Knappheit trifft längst nicht für alle Rohstoffe zu. In Amerika ist Energie derzeit äußerst billig.

Sind Sie auch einer von diesen verrückten Fracking-Anhängern, die hoffen, dass sich durch das Fördern von Schiefergas alle unsere Energieprobleme einfach so beseitigen ließen? Ich glaube das nicht. Momentan fällt der Preis für Erdgas zwar noch, aber das kann sich meiner Meinung nach schon im nächsten Jahr ändern. Der vermeintliche Fracking-Boom macht die Leute nämlich blind für die eigentlichen Zahlen. Nehmen Sie zum Beispiel die Nachfrage nach Förderpumpen: Die ist zuletzt um etwa die Hälfte eingebrochen. Ich habe darum meine Zweifel, dass Gas langfristig billig bleibt. Spätestens im Jahr 2014 wird darum auch der Ölpreis wieder steigen.

Wenn man Ihnen zuhört, scheint es, als müssten die Rohstoffpreise zwangsläufig immer weiter zulegen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Seit den neunziger Jahren befinden wir uns bei den meisten Rohstoffen in einer Art Superzyklus, der zu einem lang andauernden Aufschwung der Preise geführt hat. Natürlich wird das einmal zu Ende gehen. Aber der Tag dafür ist einfach noch nicht gekommen. Denn Rohstoffe sind weiterhin knapp, trotz allem technischen Fortschritt bei ihrer Förderung. Und wenn sich die Weltkonjunktur wieder besser entwickelt, werden wir neue Engpässe sehen, dessen bin ich mir sicher. Bleibt die Wirtschaft dagegen in der Rezession und drucken die Zentralbanken weiter Geld, werden viele Anleger in echte Sachwerte investieren. In beiden Fällen profitieren Rohstoffe.

Sie jedenfalls sind damit reich geworden. Was war Ihr Trick?

Entscheidend ist, gerade nicht auf das zu hören, was andere sagen. Alle reden davon, dass man sein Vermögen breit streuen müsse. Vergessen Sie das. Wer reich werden will, darf sein Geld nicht streuen. Er muss frühzeitig auf die eine große Sache, auf die eine große Anlagemöglichkeit setzen und dies dann mit allen Risiken durchziehen. Ich habe mich früh für Rohstoffe interessiert, aber auch für unbekannte Schwellenländer wie Botswana. Nur so werden Sie reich. Und wenn ich Anlegern noch einen Tipp geben darf: Hört in Anlagefragen nie auf eure Mutter. Sobald sich meine Mutter für ein bestimmtes Investment interessiert hat, war mir immer klar: jetzt ist Zeit auszusteigen.

Mit Ihrer Familie sind Sie 2008 nach Singapur gezogen. Warum?

Ich will immer vorneweg sein. Denn in Asien liegt die Zukunft. Im Vergleich zu Singapur gleicht New York einer Stadt eines Entwicklungslandes mit Dritte-Welt-Straßen und einem Dritte-Welt-Flughafen. Auch Hongkong ist Amerikas Städten bereits enteilt. Allen Anlegern sage ich deshalb: Schaut auf Asien. Dort lässt sich in Zukunft ein Vermögen machen.

Sie selbst haben schon lange ausgesorgt, reden aber nie über die Höhe Ihres Vermögens.

Weil sich das aus meiner Sicht nicht gehört. Heute versucht doch jeder, den anderen zu übertrumpfen. Ich finde, das hat keinen Stil, bei uns zu Hause haben wir nie über Geld geredet. In dieser speziellen Frage höre ich noch heute auf meine Mutter.

Der Rohstoff-Guru Lange arbeiten musste Jim Rogers nicht: Schon an seinem 37. Geburtstag hatte der heute 70-Jährige nach eigener Aussage ausgesorgt. Denn er verwaltete gemeinsam mit Starinvestor George Soros den Quantum-Fonds, den wohl erfolgreichsten Hedgefonds aller Zeiten. Innerhalb von zehn Jahren erzielten beide damit 4000 Prozent Gewinn. Ganz ins Privatleben zog sich Rogers aber nie zurück. Früh erkannte er die Bedeutung von Rohstoffen als Anlagethema, vermarktete dies in großem Stil und gelangte zu weltweiter Bekanntheit. Außerdem schrieb er Bücher über seine Weltreisen. Sein jüngstes Werk ist unter dem Titel „Die Wall Street ist auch nur eine Straße“ im Finanzbuchverlag erschienen.

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