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Im Gespräch: Hans Redeker : „Der Dollar wird auf 80 Yen fallen“

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Hans Redeker, Währungsstratege der BNP Paribas Bild: Hans Redeker

Die baltischen Staaten werden ihre Währungen in naher Zukunft deutlich abwerten, erklärt Hans Redeker, Währungsstratege von BNP Paribas. Er geht ferner davon aus, dass der Euro und vor allem der Yen gegen den Dollar weiter zulegen werden.

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          Die baltischen Staaten werden ihre Währungen in naher Zukunft deutlich abwerten, erklärt Hans Redeker, Chef-Währungsstratege von BNP Paribas. Er geht ferner davon aus, dass der Euro und vor allem der Yen gegen den Dollar weiter zulegen werden.

          Denn die asiatischen Staaten versuchen die Unterbewertungen ihrer Währungen manipulativ zu zementieren. Wir sähen Interventionen in Korea, Taiwan, Thailand - und wo man hinschaue, wüchsen die Währungsreserven. Ihre Reallokation führe neben dem Aufwertungsdruck auf den Euro zu sinkenden Renditen an den westlichen Rentenmärkten.

          In Lettland deutet sich eine Abwertung der Währung an. Wie würden Sie die Situation beschreiben?

          Die Regierung bereitet sich darauf vor, die Bindung des Lats an den Euro zu brechen um ihn 20 bis 30 Prozent tiefer als bisher wieder „anzudocken“. Die Wahrscheinlichkeit dafür hat deutlich zugenommen, wenn man das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen betrachtet. Der Beitritt zum Euroraum würde erstens zwar in die Ferne rücken, aufgrund der Diskussionen in Westeuropa war er jedoch sowieso nicht mehr unbedingt zu erwarten. Zweitens hat die lettische Regierung beschlossen, dass Gläubiger Kredite maximal nur in Höhe des zugrunde liegenden Vermögenswertes zurückgefordert werden können. Das steht nicht in Einklang mit europäischen Gesetzen und richtet sich vor allem gegen schwedische Banken, die mit ihrem Kreditgeschäft stark in Lettland engagiert sind. Da die Häuserpreise in Lettland stark gesunken sind, dürften sie zu hohen Abschreibungen gezwungen werden.

          Auf der anderen Seite lähmt die aktuelle Unsicherheit die Kapitalströme nach Lettland. Das Land wird zunehmend abhängig vom Internationalen Währungsfonds. Man läuft also auf eine Entscheidung zu, nach welcher die privaten Kapitalströme hoffentlich wieder in das Land fließen würden.

          Was bedeutet das für die schwedischen Banken?

          Sie können Verluste dieser Art zwar auf der „Zeitschiene“ variieren, Verlust bleibt aber Verlust. Die schwedischen Banken sind vergleichsweise gut kapitalisiert und können einen Schlag dieser Art verdauen. Allerdings wird ihre Eigenkapitalquote strapaziert werden. Das heißt, sie müssen am Kapitalmarkt entweder frische Mittel aufnehmen oder bilanztechnisch darauf reagieren. Das könnte die Kreditvergabe in Schweden selbst beeinträchtigen. Sehr wahrscheinlich wird es eine Mischung aus den beiden Szenarien geben. Insgesamt führt die Entwicklung in den baltischen Staaten so auch zu einer gewissen Belastung für die schwedische Krone.

          Was bedeutet das für die Stimmung an den Kapitalmärkten und speziell in Osteuropa?

          Noch vor sechs Monaten wären erhebliche Turbulenzen möglich gewesen. Allerdings hat sich die Lage an den Finanzmärkten inzwischen verbessert und wir sehen generell erhebliche grenzüberschreitende Kapitalströme in die Schwellenländer, unter anderem auch nach Zentral- und Osteuropa. In diesem Umfeld ist es wesentlich leichter, den Einfluss zu begrenzen. Sowohl der Internationale Währungsfonds als auch Europa haben erhebliches Interesse daran, dass Staaten wie Polen und andere davon nicht betroffen werden, auch wenn die beiden anderen baltischen Staaten sehr wahrscheinlich zusammen mit Lettland kollektiv abwerten werden.

          Ist das nicht einfach eine weitere kompetitive Abwertung?

          Die Währung der baltischen Staaten sind auf real-effektiver Basis nach einer schleichenden Aufwertung wegen der Inflationsdifferentiale deutlich überbewertet …

          … was jedoch die Folge einer falschen makroökonomischen Politik war!

          Ja, es war die Folge einer falschen Wirtschaftspolitik. Wenn man die Wechselkurse nun jedoch an die makroökonomischen Gegebenheiten anpasst, so ist das in meinen Augen keine kompetitive Abwertung.

          Was bedeutet die Übertragung auf den Euro und die Europäische Zentralbank?

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