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Im Gespräch: Dhaval Joshi, RAB Capital : „Wir setzen auf asiatische Währungen“

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Dhaval Joshi, Chefstratege von RAB Capital Bild: Privat

Anleger interpretieren Konjunkturdaten optimistisch, dabei werde die Weltkojunktur bald abkühlen, erklärt Dhaval Joshi, Chefstratege von RAB Capital. Er setzt auf Staatsanleihen, Aktien von Pharmaunternehmen und auf asiatische Währungen.

          Anleger interpretieren Konjunkturdaten gerne optimistisch, dabei wird die Weltkojunktur voraussichtlich bald abkühlen. Interessant seien aufgrund tief bleibender Zinsen und delationärer Tendenzen die Anleihen solider Staaten, wegen günnstiger Bewertung und strukturellen Vorteilen Aktien einkommensstarker Pharmaunternehmen und langfristig auf asiatische Währungen.

          Speziell der Hongkong-Dollar biete gewisse Reize, da Hongkong zu China gehöre. Es sei wenig logisch, in einem Land zwei unterschiedliche Währungsregimes zu haben. Wieso sollte der Yuan gegen den amerikanischen Dollar aufwerten, während der Hongkong-Dollar an ihn gebunden sei, fragt Dhaval Joshi, Chefstratege von Rab Capital in London?

          Wir haben in den vergangenen Tagen einige Konjunkturdaten aus Amerika und Großbritannien gesehen, die von den Märkten im Grunde positiv aufgenommen wurden. Was ist ihre Meinung dazu?

          Die Anleger tendieren schon zu einem gewissen Optimismus. Entscheidend aber ist, ob es zu einer wirtschaftlichen Abkühlung kommen wird oder nicht. In Großbritannien wird es eher früher als später zu einer fiskalpolitischen Straffung kommen. So fragen sich alle, was das für den Konsum bedeuten würde. Das lässt sich aber nicht anhand einzelner Datenpunkte beurteilen, weil es viel zu viele statistische Ausreißer gibt.

          Wie wird sich die Weltwirtschaft in Ihren Augen entwickeln?

          Das Wachstum des vergangenen Jahres ging von massiven stimulativen Ausgabenprogrammen in den Vereinigten Staaten, China und Europa aus. Sobald ihre Wirkung nachlässt und der private Konsum nicht anspringt, lässt sich ein Abflauen der konjunkturellen Dynamik kaum vermeiden. Diese Frage beschäftigte die Anleger in den vergangenen beiden Monaten.

          Rechnen Sie selbst mit einer Abkühlung?

          Ja, denn die privaten Verbraucher können ihren Konsum nicht aggressiv ausdehnen, da sie gerade dabei sind, ihre strapazierten Haushaltskassen wieder in Ordnung zu bringen. In den Vereinigten Staaten, Großbritannien und vielen europäischen Randstaaten wie Spanien und Irland sind sie zweifellos überschuldet. Während die Sicherheiten, die sie zum Beispiel in Form von Immobilien hinterlegt haben, nach dem Platz der Preisblasen dramatisch an Wert verloren haben, sind ihre Schulden immer noch sehr hoch. In dieser Konstellation wird die gesamtwirtschaftliche Nachfrage logischerweise verhalten bleiben.

          ... aber die Regierungen haben doch heftig interveniert, um den Konsum hoch zu halten ...

          Sicher, aber die Wirkung lässt bald nach. Zudem agieren die Regierungsstellen entgegen naiver Annahmen nicht in einem freien Raum, sondern sie werde die Gelder, sie so freigiebig verteilt haben, wieder zurückholen. Zum Beispiel in Form steigender Steuern oder Ausgabenkürzungen. Ausgabenprogramme sind zumindest analog zu Ricardos Äquivalenztheorem nicht umsonst zu haben, da das Geld nicht vom Himmel fällt. Wenn Verbraucher wie in Spanien, Irland und Griechenland mit Stellenabbau und Gehaltseinbußen beschäftigen müssen, werden sie wohl kaum fröhlich konsumieren.

          Was bedeutet das für die Banken?

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