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Im Gespräch: Christoph Eibl, Vermögensverwalter : "Ölpreis bleibt relativ stabil"

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Christoph Eibl Bild: Privat

Der Preis für ein Fass Öl liegt knapp unter 80 Dollar. Viel weiter wird er nicht klettern - und auch nicht unter 70 Dollar fallen, meint Christoph Eibl, Leiter der auf Rohstoffe spezialisierten Gesellschaft Tiberius Asset Management.

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          Herr Eibl, der Ölpreis ist wieder unter 80 Dollar je Barrel gefallen. Geht das weiter?

          Nein. Meiner Einschätzung nach wird der Ölpreis weiter in einer Bandbreite zwischen 70 Dollar und 85 Dollar schwanken, vielleicht mit einigen Ausschlägen nach oben.

          Wieso?

          Weil die in der Opec zusammengeschlossenen Erdöl fördernden Länder über ausreichende Möglichkeiten verfügen, um ihn dort zu halten. Wenn der Preis zu stark steigt, bringen sie einfach mehr Öl auf den Markt, wenn er darunter fällt, weniger.

          Ein steigender Ölpreis ist für die Produzenten aber doch gut.

          Das schon. Die Opec hat allerdings immer versucht, über bestimmte Preisbänder den Markt zu stabilisieren. Dann ist der Ölpreis im Jahr 2008 von 90 Dollar auf 140 Dollar gestiegen und von dort auf 33 Dollar eingebrochen; heute stehen wir wieder bei ungefähr 80 Dollar für ein Fass. Im Endeffekt macht sich die Opec unglaubwürdig, wenn sie das nicht in den Griff kriegt. Die Achterbahnfahrt, die wir in den vergangenen Jahren gesehen haben, kann nicht im Interesse des Anbieters einer so wichtigen Ressource wie Erdöl liegen.

          Ist die Disziplin innerhalb der Opec mittlerweile größer?

          Ich glaube, dass allen Mitgliedern klar ist, dass Preisstabilität in ihrem Interesse liegt. Saudi-Arabien ist das zentrale Land der Organisation, auf das man schauen muss. Von dort kamen mehrfach Äußerungen, nach denen ein Ölpreis von 75 Dollar fair sei.

          Spielen die aktuellen Sorgen an den Finanzmärkten um eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung in Amerika denn keine Rolle bei der Preisfindung?

          Nun, momentan befinden wir uns noch in der Zeit, in der die Amerikaner in Urlaub fahren und üblicherweise viel mit dem Auto unterwegs sind. Entsprechend hoch ist dort saisonbedingt auch der Benzinverbrauch. Darüber hinaus glaube ich, dass sich Euroland ganz gut entwickelt und auch die Vereinigten Staaten nicht so schlecht dastehen. Die Situation ist jedenfalls besser als während der Debatte um die griechischen Staatsschulden. Das sehen übrigens auch die Investoren an den Märkten so.

          Wie viel investieren die Anleger?

          Volumen sind nur schätzbar, weil rund 90 Prozent des Handels nicht über Börsen, sondern direkt zwischen den Parteien abgewickelt werden. Was wir sehen, sind natürlich die Rohstoffpreise, und da laufen wir gerade wieder in Richtung der Jahreshochs.

          Merken Sie das auch?

          Ja, alleine wir haben etliche hundert Millionen Euro Zuflüsse in diesem Jahr bekommen, und zwar sowohl von langfristigen strategischen Anlegern als auch kurzfristig orientierten Spekulanten. Und auch Versicherer und Pensionskassen haben in nicht geringem Maße in Rohstoffe und auch in Öl angelegt, weil sie ihre Garantiezinsen nicht mehr alleine über Staatsanleihen erzielen können, die Aktienquoten häufig aber schon ausgeschöpft haben.

          Wenn wir weit in die Zukunft schauen, wird dann der Ölpreis steigen, weil Öl schlicht knapper wird?

          Es gibt sicherlich Gründe für eine Verknappung, wenn man aktuelle Konsumgewohnheiten fortschreibt und auf immer mehr Menschen überträgt, die sich etwa an westliche Standards angleichen. Dagegen sprechen große Trends wie die alternativen Energien oder die Elektromobilität. Wir sind schon heute nahe an ökonomisch effizienten Autos, die nur noch elektrisch betrieben werden. Wenn das in eine Massenfertigung übergeht, dann könnte der klassische Verbrennungsmotor ausgedient haben.

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