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Profitabler Ölpreis : Ölaktien im Aufwind

Beispielhaft Entwicklung: Seit Mitte Januar ist die Aktie von Shell um mehr als ein Drittel gestiegen. Hier eine Shell-Plattform in Elliot Bay, Seattle Bild: AFP

Die großen Ölkonzerne profitieren von den höheren Ölpreisen. Gleichzeitig zahlen sich die Kostensenkungen für sie aus. Analysten sprechen schon von einem „sweet spot“. Aber wie lange reicht die Erholung?

          Für die großen Ölkonzerne wird es Frühling: Der Absturz der Ölpreise seit Mitte 2014 hat die Energieriesen hart getroffen. Doch wer sich zu Jahresbeginn traute, trotz weiterer Preisrückgänge für das schwarze Gold Ölaktien zu kaufen, der wurde für seinen Mut reich belohnt: Seit Mitte Januar sind die Aktienkurse europäischer Öl- und Gasförderer im Schnitt um rund ein Viertel gestiegen und haben damit deutlich besser abgeschnitten als viele andere Branchen und der Gesamtmarkt.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Beispiel Shell: Der Aktienkurs des größten europäischen Öl- und Gaskonzerns notiert zwar immer noch um gut 12 Prozent niedriger als vor einem Jahr, aber seit Mitte Januar ist er um mehr als ein Drittel nach oben geschnellt. Auch die Notierung des kleineren französischen Rivalen Total legte seit Februar um gut ein Fünftel zu. Ähnlich stark zog der Aktienkurs des italienischen Ölkonzerns Eni an.

          Angetrieben wurde die Rally der Ölaktien von der Erholung der Ölpreise: Von weniger als 29 Dollar je Fass (zu 159 Liter) auf derzeit gut 45 Dollar ist der Preis für Nordsee-Öl der Sorte Brent seit den Tiefständen zu Jahresanfang gestiegen – ein Anstieg um rund die Hälfte also. Noch zu Jahresbeginn trugen vor allem die Rückkehr von Iran auf den Ölmarkt und die wachsenden politischen Spannungen zwischen dem Land und dem Rivalen Saudi-Arabien dazu bei, dass sich die Preisspirale am Ölmarkt weiter nach unten drehte.

          Doch inzwischen zeichnet sich ab, dass der gewaltige Angebotsüberhang, der seit dem Sommer 2014 zu einem Rückgang der Ölpreise um mehr als 60 Dollar je Fass geführt hat, allmählich abgebaut wird. Denn die Preisbaisse am Ölmarkt drückt die Fördermenge. Vor allem in der amerikanischen Schieferöl-Industrie, die mit relativ hohen Förderkosten arbeitet, sinkt die Produktion deutlich. Der Aufschwung des Schieferöls war zuvor der Hauptgrund dafür, dass sich am Ölmarkt ein Überangebot aufgestaut hat. Das Schieferöl, das mit Hilfe der Frackingmethode gefördert wird, hat den Ölmarkt in den vergangenen Jahren revolutioniert.

          Die Nordseesorte Brent fällt unter 45 Dollar je Barrel.

          Noch immer sind die Ölpreise für die meisten Energieunternehmen zu niedrig, um auf Dauer Dividenden und notwendige Investitionen finanzieren zu können. Aber zumindest bewegen sie sich aus Sicht der Ölmanager in die richtige Richtung. Hinzu kommt: Die beginnende Erholung der Ölpreise ist nur ein Teil der Erklärung dafür, warum die Aktienkurse der Ölkonzerne steigen. Daneben spielt ein zweiter Faktor eine wichtige Rolle: In den vergangenen anderthalb Jahren hat die Branche einen harten Sparkurs eingeschlagen, der die Gewinneinbußen durch den Ölpreissturz zumindest teilweise wettmacht.

          Unerwartet gute Entwicklung

          Nach Berechnungen der Analysten von Morgan Stanley haben die großen privaten Energiekonzerne („Majors“) im vergangenen Jahr ihre Investitionen in neue Öl- und Gasquellen um 20 Prozent zusammengestrichen, und dieses Jahr werden sie wohl abermals deutlich sinken. Die Branche habe dadurch einen seltenen „sweet spot“ erreicht, argumentieren die Analysten: Eine Situation, in der die Ölpreise und damit die Einnahmen steigen, zugleich aber die Kosten sinken. Morgan Stanley glaubt, dass sich dieser Trend in den nächsten 12 bis 18 Monaten fortsetzen werde.

          Die Ergebniszahlen der großen europäischen Energiekonzerne im ersten Quartal zeigen, dass die Branche unerwartet große Fortschritte darin macht, sich auf die Niedrigpreise am Ölmarkt einzustellen. Shell beispielsweise hat in den ersten drei Monaten des Jahres rund 30 Prozent mehr Geld verdient als Analysten prognostiziert haben. Auch BP, Total, Statoil und Repsol übertrafen die Gewinnschätzungen der Analysten teilweise deutlich.

          Wie viel Luft bleibt noch für weitere Kurssteigerungen? Nicht alle Branchenexperten teilen den Optimismus von Morgan Stanley. Die Deutsche Bank warnt beispielsweise, dass die Börse dem tatsächlichen Anpassungsprozess am Ölmarkt schon weit vorausgeeilt sei. Schon heute würden Ölaktien von den Anlegern so bewertet, als ob am Ölmarkt bereits ein Nachfrageüberhang bestehe. Das aber sei zumindest auf Sicht des nächsten Jahres unwahrscheinlich.

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