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Hoch spekuliert und alles verloren : Dubiose Vorgänge um Schweizer Devisenportal

In der Bahnhofstraße in Zürich sitzt die Devisenplattform „FX Trading 24“ offiziell. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Mehr als 200 Kunden der Internet-Plattform „FX Trading 24“ haben bei der Anlage in Devisen teilweise sechsstellige Beträge verloren. Ob die Firma haftet, ist noch offen.

          Spätestens seit den Machenschaften von Händlern internationaler Banken weiß man: Der Devisenhandel ist schnell, riesengroß und kaum reguliert. Weniger bekannt ist, dass kleine Akteure auf den Zug aufgesprungen sind, darunter Händler und Spekulanten auf Internet-Plattformen. Lieber Fremdwährungen als kaum verzinste Anleihen, sagen sich manche Anleger auf der Jagd nach dem schnellen Geld. Handeln lassen sich auf solchen Plattformen viele Finanzprodukte, darunter auch Fremdwährungen. Ein großer Teil des Devisenhandels beruht nicht auf Gütergeschäften.

          Jürgen Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Wo große Gewinne winken, grasen oft auch schwarze Schafe. Ein solches meint der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer in Gestalt des Unternehmens „FX Trading 24“ entdeckt zu haben. Sitz der Anfang 2011 gegründeten Firma ist die Bahnhofstraße in Zürich, wo sie aber nur als Teil einer Bürogemeinschaft existiert. Als einziger Inhaber zeichnet der Deutsche Tobias Kruck.

          Die Kundenwerbung erfolgt über eine professionelle Seite im Internet. Mehr als 200 Anleger haben sich nach Fischers Worten bei ihm schon gemeldet, zum überwiegenden Teil Landsleute von Kruck. In einem Internet-Forum tauschen sich Geldanleger über das weitere Vorgehen aus. Sie machen Verluste von zum Teil sechsstelligen Beträgen geltend, wie jener Deutsche, der nach Monatsrenditen auf dem Papier von bis zu 9,5 Prozent nunmehr einen Totalausfall von nahezu 150.000 Euro beklagt.

          Von Zürich nach Panama und in die Karibik

          Zwei Gesprächspartner aus dem Raum Berlin und aus Südbayern nennen ähnliche Summen. Schon mit 300 Euro ist man bei FX Trading 24 dabei. Das Geschäftsmodell sieht so aus: Die von Kruck geführte GmbH, wirbt die Kunden an. Entgegengenommen werden die angeworbenen Gelder aber von der FX Investment Institute mit Sitz in Panama und verwaltet von einer Bank auf der Karibikinsel St. Vincent. Daneben verweist FX Trading 24 auf die große Handelsplattform FXCM in Amerika. Am Anfang schien alles gut zu laufen.

          Der Schock kam am 29. Oktober: FX Investment Institute berichtet von einer „folgenschweren Hacker-Attacke“. Zwei Tage später schrieb wie zuvor ein Mitglied des „Team Trading“ den Anlegern: „Leider ist es nahezu aussichtslos, die verantwortlichen Hacker zur Rechenschaft zu ziehen. Der Vorfall hat das gesamte Kapital über den Devisenhandel unwiderruflich absorbiert.“ Von weiteren Anfragen bitte man abzusehen.

          „Hetzjagd ohne Beweise“

          Fischer, der den Gesamtschaden auf bis zu 15 Millionen Euro schätzt, will sich damit nicht abfinden. „Auch ein nicht vorhersehbarer Hacker-Angriff, so er denn wirklich stattgefunden hat, befreit die betroffenen Firmen nicht von jeglicher Haftung“, sagt er. Kruck vertritt gegenüber dieser Zeitung den Standpunkt, FX Trading 24 sei ein reiner Vermittler von Geldanlagen. Man spreche nur Empfehlungen aus, allerdings allein für das FX Investment Institute und die FXCM, wie er auf Nachfrage einräumt.

          Kruck spricht von einer „Hetzjagd ohne Beweise“. „Wahrscheinlich bin ich der einzige, der gemartert werden kann“, ergänzt er. Die Firma erklärt auf Anfrage, reine Finanzvermittler zwischen zwei Vertragsparteien benötigten keine Bewilligung der Aufsichtsbehörde.

          Der „Team Trader“ kündigt unterdessen am 14. November neue Sicherheitsmaßnahmen an. Zugleich warnt er die Kunden: „Auch wenn Sie einen Marterpfahl errichten, nützt das niemandem.“ Nur das FX Investment Institute könne das Geld zurückgewinnen, „Trade für Trade“ und mit genügend Zeit, schreibt er weiter. Die Mitteilungen zieren eine Bulle-und-Bär-Abbildung mit dem Slogan: „Helfen Sie mit im Kampf gegen die Banken!“

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