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Historischer Rekord : Silber ist so teuer wie niemals zuvor

Pfunde über Pfunde: Stapel von Silberbarren Bild: Wolfgang Hartmann

Die Feinunze Silber kostet mittlerweile fast 50 Dollar. Viele Analysten sehen den hohen Silberpreis fundamental nicht mehr für gerechtfertigt und prognostizieren das Ende der Rally.

          Am vergangenen Dienstag stieg der Preis für das Edelmetall im Handelsverlauf bis auf 49,79 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und kostete damit 34 Cent mehr als vor 31 Jahren. Am Freitag gab der Preis jedoch wieder etwas nach. 1980 hatten die Brüder Nelson und William Hunt am Silbermarkt spekuliert und den Preis des Edelmetalls innerhalb weniger Jahre bis auf 49,45 Dollar getrieben. Bis vor kurzem galt dieser Rekord unter Fachleuten als uneinholbar. Der Silbermarkt habe sich noch immer nicht von dem damaligen Schock erholt.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diese These ist nun widerlegt. Alleine im laufenden Jahr hat sich eine Feinunze um fast zwanzig Dollar beziehungsweise 65 Prozent verteuert. Seit Oktober 2010 hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Diesmal ist jedoch nicht Spekulation der Grund, sondern vor allem die Schwäche der amerikanischen Währung. Der Dollar ist gegenüber dem Euro im Moment so schwach wie zuletzt vor zweieinhalb Jahren. Im Vergleich zu anderen Währungen wie dem Schweizer Franken hat er noch viel mehr an Wert eingebüßt. Da Silber in Dollar gehandelt wird, sehen Anleger zum Beispiel aus dem Euroraum eine Investition trotz des Rekordpreises als lohnend an.

          Analysten gehen davon aus, dass die Pressekonferenz des amerikanischen Notenbankpräsidenten Ben Bernanke am Dienstag der Preisrally auf dem Edelmetallmarkt neuen Schwung verliehen hat. Der Goldpreis kletterte auf ein neues Rekordhoch bei mehr als 1540 Dollar. Während andere Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen langsam wieder erhöhen, zeigt die amerikanische Fed keine Anzeichen zu Eindämmung ihrer lockeren Geldpolitik. Die hohe Liquidität im Markt schürt Inflationssorgen – und schafft die Basis für Rekordpreise auf den Rohstoffmärkten, nicht zuletzt bei den Edelmetallen. Gerade der Silbermarkt ist mit einem Angebotsvolumen von weniger als 30 Milliarden Dollar im Jahr recht überschaubar, so dass der Preis schnell steigt, wenn viele Anleger investieren.

          „Zwitter“ zwischen Edel- und Industriemetall

          Auch die hohe Staatsverschuldung in den Vereinigten Staaten, vielen Ländern der Europäischen Union und Japans treibt die Anleger in vermeintlich wertstabile Anlagen wie Gold und Silber. Unlängst hatte die Ratinggesellschaft Standard&Poor’s (S&P) der amerikanischen Regierung mit dem Verlust der besten Bonitätsnote gedroht, sollte sie den Staatshaushalt nicht in Ordnung bringen.

          Trotzdem halten viele Analysten den hohen Silberpreis fundamental nicht mehr für gerechtfertigt. So sehen die Rohstoffanalysten der Commerzbank deutliche Zeichen dafür, dass es nicht mehr lange so weitergeht. „Es deutet vieles darauf hin, dass sich die Preisrally beim Silber dem Ende nähert“, heißt es in einem Marktkommentar. Dafür spricht, dass Anleger in den vergangenen drei Tagen knapp 340 Tonnen Silber aus dem iShares Silber Trust abgezogen haben.

          Dabei ist Silber im Gegenteil zu Gold nicht in erster Linie ein Anlage- und Schmuckmetall. Nur etwa ein Viertel der Silbernachfrage stammt von Anlegern, und nur 16 Prozent des Silberangebots wird zu Schmuck verarbeitet. Wegen seiner hervorragenden Leitfähigkeit ist es in der Industrie begehrt. Knapp die Hälfte der Jahresproduktion wird dort verbraucht. Es kommt in Elektrotechnik, im Autobau, in der Medizintechnik und der Fotoindustrie zum Einsatz. Deswegen profitiert Silber nicht nur, wenn die Risikoaversion zunimmt und Anleger in Sicherheit flüchten, sondern auch, wenn die Wirtschaft boomt. Aus dem Grund wird Silber häufig als „unechtes“ Edelmetall bezeichnet oder „Zwitter“ zwischen Edel- und Industriemetall. Nach Ansicht von Thorsten Proettel, Rohstoffanalyst der LBBW, rechtfertigt jedoch auch die gute Konjunkturlage den rekordhohen Silberpreis nicht. Es sei mit einer baldigen Korrektur zu rechnen.

          Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass sie dieses Mal so stark ausfällt wie 1980. Damals versuchte die New Yorker Rohstoffbörse, die Spekulation der Hunt-Brüder zu vereiteln und verbot über Nacht Silberkäufe in größeren Mengen. Nur noch Verkäufe waren erlaubt. Rasch sackte der Kurs auf 20 Dollar ab. Den Kursrutsch verstärkte, dass immer mehr Anleger nervös wurden und aus dem Markt ausstiegen. Die Hunt-Brüder hatten sich verspekuliert und verloren ihr Vermögen.

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