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Hedge-Fonds formieren sich : Spekulationen gegen Euro und Pfund

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Die Spekulationen sind ein Totentanz - so wie das gleichnamige Gemälde des österreichischen Malers Egger-Lienz Bild: Auktionskaus Dorotheum Wien

Große Hedge-Fonds haben eine Kampagne gegen europäische Währungen eingeläutet. In der Hoffnung, dass andere Investoren folgen, bewerben manche ihre Anlagestrategie sogar plump und makaber im Netz. Die Aufsichtsbehörde könnte hellhörig werden.

          Einige der weltgrößten Hedge-Fonds haben eine Kampagne gegen Euro und britisches Pfund begonnen. Auf verschwiegenen Treffen hinter den Kulissen, aber auch mit öffentlichen Aufrufen trommeln die Fonds zugunsten ihrer Spekulationen gegen die beiden Währungen.

          In London hat der ehemalige Partner von George Soros, Jim Rogers, gemeinsam mit den Spekulanten Marc Faber und Vince Stanzione Investoren zu einem Seminar am 19. März eingeladen, denn „aus der jetzigen Situation könnte viel Kapital geschlagen werden“. Investoren könnten die Geheimnisse der Insider kennenlernen, die mit ihren Strategien schon oft recht gehabt hätten, lautet ihre Werbung. In dem Aufruf schüren Rogers und seine Mitstreiter Panik: „Ende des Jahres wird die wirklich schwere Rezession beginnen mit Zusammenbrüchen wie Lehman Brothers und Chaos, bis sich das Gewitter bereinigt hat.“ Rogers hatte 1973 mit George Soros den Quantum Fonds gegründet. Soros wurde im Jahr 1992 berühmt, als er gegen die britische Währung spekulierte, das Pfund schließlich das Europäische Wechselkurssystem (EWS) verlassen und abwerten musste. Soros und sein Fonds kassierten damals dem Vernehmen nach mehr als 1 Milliarde Dollar Gewinn.

          Plump und makaber die Anlagestrategie im Netz beworben

          Rogers, der heute in Singapur wohnt, sagt nun wieder einen „Währungscrash“ voraus. „Wenn Milliardäre auf einen zweiten großen Abschwung setzen, sollte der Rest der Anleger mehr tun, als nur zugucken“, wirbt sein Mitstreiter Stanzione, der in Spanien und Monaco lebt und Anleger für „Spread Betting“ begeistern will. Auf der Internetseite des von Marc Faber herausgegebenen Magazins „Gloom Boom & Doom Report“ prangt indessen eine Abbildung des im Mittelalter von Kaspar Meglinger unter der Luzerner Brücke gemalten Totentanzes. Der Reigen der Sensenmänner sei ein Symbol der Vergänglichkeit des Lebens auf der Erde, heißt es auf der Internetseite, mit der für ungewöhnliche Anlagestrategien von Faber geworben wird.

          Nicht ganz so plump und makaber, dafür aber genauso wirksam, setzen mächtige Hedge-Fonds hinter den Kulissen darauf, dass der Eurokurs auf die Parität zum Dollar fallen könnte. Das „Wall Street Journal“ berichtet, dass sich Vertreter mehrerer kapitalstarker Hedge-Fonds Anfang des Monates in Manhattan in einem Privathaus zu einem „Ideenaustausch“ getroffen hätten, um über die Lage des Euro zu sprechen. Dazu gehörten das Soros Fund Management LLC, SAC Capital Advisors LP, Brigade Capital, Greenlight Capital und andere Spekulanten. An dem Abend wurde darüber gesprochen, ob und wann der Euro auf Parität zum Dollar fallen könnte. Soros hat vergangene Woche öffentlich betont, sollte die Währungsunion ihre Finanzprobleme nicht in den Griff bekommen, könnte sie zerbrechen. Angesichts massiver Spekulationen an den Devisenmärkten und der Sorge um die griechische Schuldenkrise hat der Euro schon von 1,51 Dollar im Dezember auf derzeit 1,35 Dollar abgewertet.

          An der Grenze zu verbotenen Marktmanipulationen

          Ein Treffen von Hedge-Fonds ist brisant, da die Aufsichtsbehörden hellhörig werden, sollten sich Hedge-Fonds mit ihren Strategien abstimmen. Dies könnte an verbotene Marktmanipulation grenzen. In den letzten Wochen haben Spekulanten an den Devisenterminmärkten immer höhere Positionen gegen den Euro und das Pfund eingenommen. Gegenüber dem Euro erreichten die Verkaufspositionen in der ersten Woche des Februar ein Rekordhoch.

          Gleichzeitig sind die Risikoprämien auf dem Markt für Kreditausfallsicherungen (CDS) für Griechenland auf einen Rekordwert gestiegen. Das verunsichert die Investoren auf dem griechischen Anleihemarkt. Donald Morgan, Chef des Hedge-Fonds Brigade Capital, sagte seinen Kollegen bei dem Abendessen in Manhattan, dass Griechenland der erste Dominostein sein werde, der falle. Später würde es den gesamten Kapitalmarkt treffen, auch Anleihen von amerikanischen Unternehmen, Bundesstaaten und des Staates.

          Schon bei Leerverkäufen der Finanzkrise aktiv

          Unabhängig davon sollen Goldman Sachs, Bank of America, Merrill Lynch und Barclays Capital vergangene Woche Investoren geholfen haben, in extrem gehebelte Derivate zu investieren, die sich dann auszahlen, wenn der Euro Ende des Jahres auf die Parität zum Dollar fiele.

          Ende Januar hatte Goldman Sachs nach Berichten aus Finanzkreisen Vertreter großer Hedge-Fonds, darunter von Citadel, Eton Park Capital und Paulson, nach Athen genommen, wo Vertreter des griechischen Finanzministeriums „gelöchert“ wurden. Goldman Sachs hat enge Verbindungen zum griechischen Finanzministerium, da die Investmentbank Athen schon in den Jahren 2001 und 2002 mit derivativen Kontrakten half, die Schuldenquote des Staates zu beschönigen.

          Bei den Spekulationen gegen Pfund und Euro tauchen wieder Namen von Hedge-Fonds auf, die sich schon in der Finanzkrise mit ihren Spekulationen gegen Banken hervorgetan und dreistellige Millionengewinne einkassiert hatten. Damals wurden Spekulationen mit Hilfe von CDS und Leerverkäufen zum Beispiel von Greenlight Capital und Paulson gegen Banken wie Lehman Brothers und Royal Bank of Scotland verwendet.

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