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Bank von Japan : Haruhiko Kuroda verfehlt sein Inflationsziel

Japans Notenbankgouverneur Haruhiko Kuroda Bild: AP

Die Bank von Japan erwartet jetzt erst für das Jahr 2019 eine Inflationsrate von 2 Prozent. Nach vier Jahren der geldpolitischen Expansion löst Notenbankgouverneur Kuroda seine Verheißungen nicht ein. Erste Rufe nach einem Wechsel an der Spitze der Zentralbank werden laut.

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          Japans Notenbankgouverneur Haruhiko Kuroda ist für seine Überraschungen bekannt. Kern seiner aggressiv expansiven Geldpolitik ist es, die Märkte durch ungeahnte geldpolitische Wendungen zu beeindrucken. Mit der geldpolitischen Entscheidung am Donnerstag ließ Kuroda mögliche Überraschungen im Sack und widmete sich seiner anderen Eigenschaft, der Wiederholung. Die Geldpolitik bleibt im Tempo der Anleihekäufe und im langfristigen Nullzinssatzziel unverändert und auch in anderer Hinsicht bleibt die Zentralbank ihren Wiederholungen treu: Sie hat die Prognose, wann sie endlich das Inflationsziel von etwa 2 Prozent erreicht haben wird, abermals nach hinten verschoben.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Erst rund um Fiskaljahr 2019, das im März 2020 endet, soll die Inflationsrate nun 2 Prozent erreichen. Ursprünglich hatte Kuroda, der 2013 das Amt antrat, Japan schon bis 2015 von der Null-Inflation weg bis zur Geldentwertung von etwa 2 Prozent geführt haben wollen. Das ging, wie man heute weiß, schief.

          Schrittweise verschärfte die Zentralbank ihren expansiven Kurs und schrittweise verschob den Zeitpunkt für das Inflationsziel nach hinten. Noch im April hatte sie von „rund um das Fiskaljahr 2018“ gesprochen. Jetzt ist es noch ein Jahr weiter – wohlgemerkt dann sechs bis sieben Jahre nach Beginn des Ankaufs von Staatsanleihen und börsengehandelten Indexfonds im großen Stil. Zuletzt lag die Inflationsrate in der von der Zentralbank bevorzugten Abgrenzung bei 0,4 Prozent. Im vergangenen Jahr sank das Preisniveau gar um 0,3 Prozent.

          Die Erklärung der Zentralbank für die abermalige Verzögerung ist nicht neu. Der Preisdruck sei schwach, weil die Unternehmen Löhne und Preise nur vorsichtig setzen und damit die Inflationserwartungen der Japaner schwach blieben. Als Negativum erscheint der Bank damit auch, dass der Wettbewerb am Mobiltelefonmarkt die Preise drückt, während normale Verbraucher sich darüber eigentlich freuen. Auch hier bedient die Zentralbank sich der Wiederholung, ebenso in der Hoffnung, dass mit einer sich stärkenden wirtschaftlichen Erholung der Preisdruck steigen werde.

          Zuletzt kommt Gegenwind

          Die Zentralbank erwartet für das laufende Fiskaljahr ein Wachstum von 1,8 Prozent, stärker als zuvor vermutet, das sich über 1,8 auf 0,7 Prozent im Jahr 2019 abschwächen soll. Dann schlägt die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer von 8 auf 10 Prozent zu. Bemerkenswert aber ist, dass die Wachstumsrate in diesem Jahr weit höher als das berechnete inflationsneutrale Wachstumspotential liegen soll und die Inflation dennoch nicht steigen soll.

          Für Kuroda, dessen Amtszeit am 8. April 2018 endet, ist das mehr als eine Peinlichkeit. Er war von Ministerpräsident Shinzo Abe und dessen Beratern handverlesen ausgesucht worden, um Japan deflationäre Neigungen auszutreiben. Die Bank kauft Staatsanleihen von rund 80 Billionen Yen  im Jahr, sie dominiert mit ihren Ankäufen den Markt für börsengehandelte Indexfonds, sie hat den Negativzins auf Bankeinlagen bei der Zentralbank und den Nullzins für Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit eingeführt. Dennoch wird Kuroda am Ende seiner fünfjährigen Amtszeit „Ziel verfehlt“ melden müssen.

          Gemäß Umfragen erwarten Bankvolkswirte und Finanzmarktanalysten in Tokio, dass Kuroda eine in der Geschichte der Bank von Japan einmalige zweite Amtszeit antreten könnte, wenn der 72 Jahr alte Gouverneur es denn will. Zuletzt aber kommt Gegenwind. Zwei Berater von Abe haben in Interviews erklärt, dass es eines neuen Ansatzes und frischen Denkens an der Spitze der Notenbank bedürfe. Wie seinem Vorgänger Masaaki Shirakawa wird Kuroda nun der politische Vorwurf gemacht, dass er die Geldpolitik nicht hinreichend gelockert habe. Angesichts der drastischen Expansion der Notenbankbilanz unter Kuroda ist das eine überraschende Wendung.

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