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Wahl in England : Welches Ergebnis das Pfund am stärksten schwächen könnte

Britische Geldscheine Bild: dpa

Am Devisenmarkt wird eine Überraschung im Wahlkampf nicht mehr ausgeschlossen. Doch welches Szenario könnte der Währung der Briten am meisten zusetzen?

          2 Min.

          Wenn am Donnerstagabend um 23 Uhr deutscher Zeit in Großbritannien die Wahllokale schließen, wird es spannend. Auch auf den Pfundkurs könnte der Ausgang der Parlamentswahl im Königreich erheblichen Einfluss haben. Die seit Monaten wild schwankende britische Währung ist zum Barometer für die labile politische Stimmung im Land geworden.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Unmittelbar vor der Wahlentscheidung sehen die Demoskopen die konservative Premierministerin Theresa May als Favoritin. Aber die Umfragen zeigen auch, dass ihr noch vor wenigen Wochen komfortabler Vorsprung auf den Herausforderer Jeremy Corbyn von der Labour Party stark zusammengeschmolzen ist.

          Innenpolitische Stärkung für starke Währung

          Dean Turner, Volkswirt der Schweizer Bank UBS in London, rechnet weiter mit einem Wahlsieg Mays. „Aber die Möglichkeit, dass er nicht so hoch ausfällt wie zuvor erwartet, ist nun deutlich größer.“ Der Brexit ist eindeutig die wichtigste Determinante für die Wertentwicklung des Pfunds, denn er ist die größte Unwägbarkeit für die britische Volkswirtschaft. Der Austritt aus der Europäischen Union hängt allerdings mit dem Wahlergebnis am Donnerstag eng zusammen: Ein knapper Wahlsieg für May oder gar ein Wahlergebnis ohne eindeutigen Sieger würde wohl das Pfund zumindest kurzfristig stark unter Druck setzen.

          Viele Anleger würden dadurch auf dem falschen Fuß erwischt: Sie setzen bisher darauf, dass die Premierministerin May durch einen klaren Wahlsieg innenpolitisch gestärkt wird und deshalb bei den bevorstehenden schwierigen Austrittsverhandlungen mit Brüssel eher wirtschaftsfreundliche Kompromisse schließen kann.

          Um bis zu 7 Prozent bis auf 1,20 Dollar abgewertet

          Vor der Wahl verfügte May über eine faktische Parlamentsmehrheit („working majority“) von 17 Sitzen. Am Donnerstag sehen viele Beobachter eine Parlamentsmehrheit von 50 Sitzen als kritische Grenze an. Schneiden die Tories unter ihrer Führung deutlich schlechter ab, schwächt das Mays politische Autorität. Die Gefahr, dass Brexit-Hardliner in ihrer Fraktion pragmatische Kompromisse mit Brüssel blockieren, wächst.

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          Ein sehr knappes Wahlergebnis könnte sogar das Aus für May bedeuten. Für den Fall, dass ihre Mehrheit kleiner ausfallen sollte als die bisherigen 17 Sitze, rechnet Mark Wall, Volkswirt der Deutschen Bank in London, mit ihrem Rücktritt oder einem Putsch der Partei gegen die geschwächte Premierministerin.

          Am stärksten würde vermutlich eine Pattsituation, bei der keine Partei eine absolute Sitzmehrheit erreicht, dem Pfund schaden. Denn die dadurch entstehende Ungewissheit würde viele Marktteilnehmer alarmieren. Einer Analysten-Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge könnte das Pfund dann am Freitag um bis zu 7 Prozent bis auf 1,20 Dollar abwerten. Auch in Relation zum Euro drohten vermutlich starke Verluste.

          Andererseits gilt aber auch: Falls am Ende eine proeuropäisch gesinnte Koalition unter Labour-Führung das Ruder übernimmt, wird ein wirtschaftsfreundlicher „weicher“ Brexit wahrscheinlicher. Auf längere Sicht wäre diese Konstellation das beste Vorzeichen für ein starkes Pfund, glauben die Analysten der Bank of America.

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