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Großbritannien : Aussagen von Notenbankchef drücken Pfund

  • Aktualisiert am

Bild: HSCB

Das Pfund Sterling ist nach Aussagen des Chefs der Bank of England, Mervyn King, unter Druck geraten. Dieser hatte in einem Interview gesagt, ein schwächeres Pfund sei „hilfreich“ für das Land.

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          Aussagen des britischen Notenbankgouverneur Mervyn King sorgen am Donnerstag für einen weiteren Schwächeanfall des Pfunds. Zum Euro ist die britische Landeswährung auf den tiefsten Stand seit fünf Monaten gefallen. Für einen Euro wurden in der Spitze 91,52 Pence gezahlt, 1,7 Prozent mehr als am Vortag und so viel wie seit April nicht mehr. Auch zum Dollar verlor das Pfund Sterling 1,7 Prozent auf 1,6073 Dollar.

          King hatte in einem Zeitungsinterview auf positive Auswirkungen der Pfund-Schwäche hingewiesen. Diese werde die notwendige Gleichgewichtsfindung der britischen Wirtschaft unterstützen, sagte er in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Regionalzeitung „Newcastle Journal“.

          Pfund-Abwertung soll Erholungsprozess stützen

          Die globalen Ungleichgewichte haben seinen Worten zufolge zur Finanzkrise beigetragen. Er betonte, dass China und andere asiatische Länder ihre Überschüsse und Großbritannien seine Defizite verringern müssten. Die Abwertung des Pfund werde diesen Prozess unterstützen, doch müsse Großbritannien das Handelsbilanzdefizit entweder über eine Steigerung der Exporte oder über eine Verdrängung von Importen verringern.

          Bild: HSBC

          King sagte außerdem, dass sich die Produktion stabilisiert habe. Es gebe Anzeichen, dass sich das Wachstum beschleunigen werde. Gleichzeitig warnte er aber vor zu großer Euphorie. Es werde nach dem sehr starken Einbruch sicher nur ein geringes Wachstum geben und es werde noch lange dauern, bis die Bilanzen der Banken wieder vollständig repariert seien.

          Expansive Geldpolitik und Verschuldung belasten

          Das Pfund hat in den vergangenen beiden Jahren zu mehreren international bedeutenden Währungen bereits gut ein Viertel an Wert verloren. Nach Erholungsansätzen im ersten Halbjahr 2009 hat sich zuletzt wieder ein charttechnischer Abwärtstrend herausgebildet. Als nächste Kursziele haben die Charttechniker der Commerzbank zum Euro die Marken von 0,9268 Pfund und dann von 0,9490/0,9520 Pfund ausgemacht.

          Als belastender Faktor wird auch das tiefe britische Zinsniveau gewertet, das wegen der schwachen volkswirtschaftlichen Ausgangslage noch länger niedriger sein dürfte als in anderen Wirtschaftsräumen. Die britische Zentralbank hatte als Reaktion auf die Verschlechterung der Konjunkturdaten nicht nur die Leitzinsen um 5 Prozentpunkte auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt, sondern über Ankäufe primär von Staatsanleihen massiv Liquidität in den Markt gepumpt. Insgesamt steht hierfür ein Volumen in Höhe von
          175 Milliarden Pfund zur Verfügung, was immerhin rund 12 Prozent des britischen Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Alles in allem dürfte das Pfund damit eine der beliebtesten Währung zur Umsetzung von Carry-Trades bleiben.

          Außerdem erweisen sich ein Haushaltsdefizit von fast 13 Prozent und eine Verschuldungsquote von 75 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts als Bürde. Die Devisenexperten der Rabobank halten dennoch bis Anfang 2010 eine Befestigung des Kurses zum Euro auf 0,85 Pfund für möglich, weil sie auf positiven Rückenwind durch bessere Konjunkturdaten hoffen.

          Auch nach Einschätzung von M.M. Warburg könnte sich die britische Landeswährung bis zum Jahresende 2010 bis auf einen Kurs von 0,80 Pfund erholen. Dabei basiert diese Prognose auch auf der Annahme, dass die Bank of England schon im nächsten Jahr als eine der ersten Zentralbanken Liquidität aus dem Markt nehmen oder sogar schon wieder die Zinsen erhöhen könnte. Doch wie die jüngsten Kursverluste zeigen, befindet man sich mit dieser Meinung derzeit noch in der Minderheit. Aktuell spricht der intakte charttechnische Abwärtstrend vielmehr eher für weitere Kursverluste des Pfundes.

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