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Griechische Nationalbank : Mit der Lizenz zum Geld drucken

Für Scheine und Münzen: Druckerei der griechischen Notenbank in Athen Bild: Bloomberg

Was würde eigentlich passieren, wenn Griechenland seine eigenen Euroscheine drucken würde? Technisch wäre das ohne Weiteres möglich - und wird auch heute schon praktiziert. Rechtlich käme es aber einer Straftat gleich.

          Im Streit zwischen Griechenland und der übrigen Eurozone ist schon manches passiert, was eigentlich niemand für möglich gehalten hätte. Angesichts des knapp werdenden Geldes und der nicht immer ganz verlässlichen Regierung in Hellas stellt sich jetzt manchem Beobachter die Frage, ob Athen nicht auch einfach eigenmächtig neue Euroscheine drucken könnte. Die Antwort ist ja, aber auch nein.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine eigene Druckerei, die Euroscheine druckt, haben die Griechen jedenfalls. Sie ist direkt bei der Nationalbank angesiedelt, ähnlich wie in Frankreich und Italien. Nicht jede Notenbank des Eurosystems hat die Pressen im eigenen Haus. Manche Länder haben gar keine. In Deutschland haben die beiden Privatunternehmen Giesecke & Devrient GmbH und Bundesdruckerei GmbH die Lizenz zum Gelddrucken.

          Alleingänge verstoßen gegen Währungsunion

          Technisch hätten die Griechen also die Möglichkeit, einfach Scheine nach Belieben zu drucken. Zumindest für Zehn-Euro-Scheine gibt es auch schon fertige Druckplatten in Athen. Denn die Notenbanken des Eurosystems teilen sich den Druck der Noten untereinander auf, damit nicht eine alles oder jede alles organisieren, herstellen und zahlen muss. Die Zehner für den ganzen Euroraum werden schon seit Jahren in Griechenland und einigen anderen Ländern gedruckt.

          Rechtlich würde jeder Alleingang gegen die Verträge der Währungsunion verstoßen und käme ebenso einer Straftat gleich, wie wenn die Griechen eigenmächtig Dollar- oder Franken-Noten drucken würden. Denn welche nationale Notenbank welche Scheine in welchem Umfang druckt oder drucken lässt, entscheidet das Eurosystem als Ganzes, und es muss vom EZB-Rat abgesegnet werden, also dem Direktorium und den Vorsitzenden aller nationalen Notenbanken.

          Auf der Internetseite der EZB lässt sich genau nachlesen, welche Notenbank wie viele Scheine in welchem Wert hergestellt hat und noch herstellen soll. Griechenland ist traditionell mit den Zehn-Euro-Scheinen befasst. Im Jahr 2014 hat die dortige Notenbank als einzige die Zehner-Produktion verantwortet und 94 Millionen solcher Scheine gedruckt, die dann von dort im gesamten Euroraum verteilt wurden. Die deutsche Bundesbank war im gleichen Jahr für die Herstellung der 100- und 200-Euro-Scheine zuständig und hat 500 Millionen Hunderter sowie 47 Millionen Zweihunderter für das Eurosystem herstellen lassen. Ein Teil davon geht jeweils in Umlauf, ein Teil bleibt als Reserve zurück und wird nach und nach ausgegeben, wenn zum Beispiel beschädigte Scheine ausgetauscht werden. Auch für die Jahre 2015 und 2016 ist schon einsehbar, wer wie viele Scheine produzieren soll. In Athen sollen weiterhin nur Zehner gedruckt werden. Gemeinsam mit den Notenbanken einiger anderer Staaten sollen die Griechen in diesem Jahr 1,2 Milliarden und im nächsten Jahr noch einmal 1 Milliarde Scheine ausstellen.

          Seriennummer gibt Auskunft über Herkunft

          Auch die griechischen Münzen werden in der Druckerei der Notenbank im Athener Vorort Chalandri geprägt. Für die Ausgabe des Hartgeldes sind in der Währungsunion die nationalen Regierungen, meistens das jeweilige Finanzministerium, zuständig. Der Wert der Münzen, die eine Regierung in einem Jahr herausgeben will, muss aber ebenfalls vom EZB-Rat abgesegnet werden. Auch dürfte es angesichts der vergleichsweise hohen Herstellungskosten von Münzen nicht einmal Giannis Varoufakis in den Sinn kommen, die Sanierung seines Landes über den Anwurf der Münzprägemaschinen anzugehen.

          Aus welchem Land ein Schein kommt, teilweise sogar aus welcher Druckerei, lässt sich übrigens an der Seriennummer ablesen. Die Scheine, deren Nummer mit einem Y beginnen, kommen von der griechischen Notenbank. Banknoten aus Deutschland sind mit einem X gekennzeichnet. Bei der neuen Europa-Serie, von denen bislang Fünfer und Zehner im Umlauf sind, besagt das X, dass sie in der Münchner Druckerei von Giesecke & Devrient gedruckt wurden, die Scheine mit einem W kommen aus Leipzig, und wenn die Nummer mit einem R beginnt, wurden sie in der Bundesdruckerei gedruckt. Auf den Wert hat die Herkunft keinen Einfluss.

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