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Kaufzeit : Griechenland-Politik lässt Goldnachfrage wieder steigen

Die Ungewissheit über Griechenland lässt den Goldpreis steigen. Bild: dapd

Der Goldpreis ist wieder in Bewegung. Viele Anleger investieren deshalb und aufgrund der niedrigen Zinsen deutlich mehr Geld in das Edelmetall. Analysten glauben, dass der Preis noch Potential hat.

          Mittagszeit ist Goldkaufzeit. In der Filiale der Degussa im Frankfurter Westend ist zwischen 12 und 15 Uhr besonders viel los, auch wenn sich, anders als vor ein paar Jahren, keine langen Schlangen vor dem Ausgabeschalter des Edelmetallhändlers bilden. Von der Rekordnachfrage nach Gold, die kurz nach dem Beginn der Griechenland-Krise herrschte, sei man derzeit zwar noch weit entfernt, sagt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Geschäftsführer der Degussa. Aber: „Die Nachfrage hat schon deutlich angezogen.“

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Seit gut drei Jahren ist die Degussa, die Edelmetalle aller Art an- und verkauft, wieder am Markt, und im Januar diesen Jahres sei der bislang höchste Umsatz erzielt worden. Schon in diesem einen Monat sei auf dem Markt bis zu einem Viertel des gesamten Umsatzes von 2014 gemacht worden. Ablesen lässt sich das auch am Goldpreis. Die Feinunze kostet derzeit 1099 Euro; vor drei Monaten lag sie noch bei weniger als 950 Euro. Dass der Goldpreis damit schon ausgereizt ist, glaubt Wrzesniok-Roßbach nicht. Auch die erste Griechenland-Krise hatte die Preise einige Monate lang steigen lassen.

          Die politischen Veränderungen in Griechenland sind nun wieder einer der Gründe, warum viele Anleger ihr Geld in physisches Gold investieren. Gold gilt nach wie vor als eine der sichersten Anlageformen und als „Krisenwährung“, auch wenn es keine Zinsen und keine Dividende abwirft. Wenn das Vertrauen in die Geldwährung aber schwindet, wie das bei vielen Anlegern angesichts der enormen Schulden im Euro-Raum derzeit der Fall ist, nehmen das viele Anleger in Kauf. Zumal andere Investitionen im Moment kaum Zinsen bringen. Sachwerte wie Aktien und Immobilien seien bereits „heißgelaufen“, sagt auch Dominik Lochmann, Geschäftsführer des Internethändlers ESG Edelmetall Service. Den Preisverfall des Goldes um gut ein Viertel im Jahr 2013 bezeichnet Lochmann als „Kursrücksetzer“. „Viele sehen in den Metallpreisen noch deutlich Kurspotential nach oben.“

          Kaufinteresse steigt, sobald Goldpreis in Bewegung gerät

          Aber nicht nur die Ungewissheit über Griechenland steigert die Attraktivität des Goldes. Auch die Abkopplung des Schweizer Franken von der Entwicklung des Euro habe großen Anteil daran, sagt Robert Hartmann, Geschäftsführer von Pro Aurum. Außerdem erhöhe sich das Käuferinteresse, sobald der Goldpreis in Bewegung gerate – unabhängig davon, ob er steige oder falle. Hartmann hat zudem beobachtet, dass sich angesichts des „Anlagenotstands“ die Kundengruppe verändert habe. Früher hätten eher ältere Personen in Gold investiert. „Heute kommen alle zu uns, vom Studenten bis zum Rentner.“ Sie investierten außerdem wieder deutlich mehr Geld in Gold als noch vor einigen Monaten. Waren es bei Pro Aurum zwischen Oktober und Dezember vergangenen Jahres durchschnittlich 10000 bis 15000 Euro pro Investment, war es im Januar durchschnittlich doppelt so viel. Am häufigsten wählten die Kunden die Unze Krügerrand als Stückelung, danach den 100-Gramm-Goldbarren und die Unze Maple Leaf.

          Dass das Interesse in diesem Umfang und so kurzfristig gestiegen ist, hat viele Beobachter überrascht, auch Gabor Vogel, Rohstoffanalyst der DZ Bank. Er nennt neben der Griechenland-Krise und der Politik der Schweizer Notenbank noch das umfangreiche Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank als Grund. Die Veränderung auf dem Goldmarkt macht er weniger am reinen Preis fest, sondern am Anstieg von Gold-ETFs. Das sind börsengehandelte Fonds, deren Gegenwert in Gold hinterlegt ist. Die Bestände sanken seit 2009 kontinuierlich – bis zu diesem Januar. Seitdem sind die Depots wieder voller, die Gold-ETF-Bestände stiegen innerhalb kurzer Zeit von knapp 1600 Tonnen auf 1645 Tonnen.

          Die Psychologie der Käufer dürfte daran auch einen gehörigen Anteil haben. Die starke Bewegung des Marktes zeige, wie sehr sich einige Anleger von den Schlagzeilen über Griechenland und die Europäische Zentralbank beeinflussen ließen, sagt Analyst Vogel. Er traut dem Goldpreis noch einiges zu, glaubt aber, dass er bei 1280 bis 1320 Euro je Feinunze ausgereizt sein wird. Denn von Bedeutung sei nicht nur die europäische, sondern auch die amerikanische Politik. „Die Zinswende in den Vereinigten Staaten ist nur verschoben, sie wird aber sicher kommen.“ Spätestens dann werde der Preis seiner Ansicht nach wieder sinken.

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