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Griechenland-Risiken : Dollar und Yen gestärkt

Yen und Dollar: Ungewöhnlich kräftige Bewegung Bild: REUTERS

Anleger schichten ihr Geld in Dollar, Yen und Franken um. In der Schweiz verhindern nur die Notenbank und Gerüchte über Strafzinsen eine Aufwertung des Franken zum Euro.

          Der Euro bekommt die durch einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum befürchteten Spannungen zu spüren. Internationale Anleger schichten ihr Geld in Dollar, Yen und Franken um. Dies ist an den Dollar- und Yen-Kursen deutlich sichtbar. Beide Währungen haben seit Ende April zum Euro um mehr als 5 Prozent aufgewertet, eine für den Devisenmarkt ungewöhnlich kräftige Bewegung. In dieser Woche fiel der Euro-Kurs mit weniger als 1,26 Dollar auf den tiefsten Wert seit 22 Monaten. Zum Yen rutschte der Euro auf weniger als 100 Yen. Dies ist der tiefste Kurs seit Januar, obwohl die Ratingagentur Fitch die Bonitätsnote für Japan herabstufte.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass der Euro zum Schweizer Franken weitgehend stabil ist, liegt offenbar fast allein daran, dass die Schweizer Notenbank (SNB) wie angekündigt unbegrenzt Euro kauft, um einen Fall unter die Marke von 1,20 Franken je Euro zu verhindern. „Am Markt ist es ein offenes Geheimnis, dass die SNB gerade massiv Euro kauft, damit das Währungsband von 1,20 hält“, sagt Lauren Rosborough, Devisenanalyst der Société Générale. Am Donnerstag gegen 15 Uhr sprang allerdings der Euro zum Franken plötzlich wie eine Kerze von weniger als 1,2010 auf mehr als 1,2070 Franken je Euro. Das Gerücht machte die Runde, in der Schweiz würden Negativzinsen eingeführt, als Strafe für eine Anlage bei Banken in Franken. Davon profitierte kurz der Euro. Nach wenigen Minuten beruhigte sich der Handel aber wieder, der Euro-Kurs in Franken ging auf 1,2025 Franken je Euro zurück.

          Ansteckungsgefahren

          Seit den griechischen Parlamentswahlen am 13. Mai hat sich der Wertverlust des Euro zu Dollar und Yen beschleunigt. Der Ausgang der Wahlen mache einen Verbleib Griechenlands in der Währungsunion zunehmend unwahrscheinlich, sagt Bankenverbandspräsident Andreas Schmitz. Der unmittelbare Effekt eines Austritts Griechenlands auf die Bilanzen deutscher Banken hält er für überschaubar, er sei an den Finanzmärkten schon weitgehend „eingepreist“. „Ob daraus noch eine Welle wird, halte ich für fraglich“, sagte Schmitz im Club internationaler Wirtschaftsjournalisten. Schwierig aber sei abzuschätzen, inwiefern von Griechenland Ansteckungsgefahren auf andere Länder ausgingen.

          Der Euro unter Druck Bilderstrecke

          Diese möglichen Ansteckungsgefahren treiben Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank in London, um. Er hat für Europa ein Pflichtenheft entworfen, um ein Übergreifen des Griechenland-Schocks auf größere Euroländer wie Italien und Spanien zu verhindern. Wichtigste Aufgabe darin: einen Ansturm auf Banken in Italien, Spanien und Portugal zu verhindern. Schmieding schlägt auch vor, dass die Europäische Zentralbank den Leitzins für die Banken im Euroraum auf 0,5 Prozent halbiert. Die Förderbank für Osteuropa (EBRD) in London befürchtet, dass westliches Geld aus Osteuropa abgezogen wird, um den Kapitalabfluss aus Westeuropa auszugleichen. Tatsächlich verlieren die osteuropäischen Währungen derzeit noch stärker an Wert als der Euro. Polens Zloty und Ungarns Forint haben seit Monatsanfang zum Euro mehr als 3 Prozent an Wert abgegeben.

          Ansturm auf Banken verhindern

          Für vorrangig halten Fachleute, den Ansturm auf Banken in Südeuropa zu verhindern. Damit Privatkunden ihr Geld nicht von den Bankkonten abheben, könnten eine europaweite Einlagenversicherung und eine stärkere Bankenaufsicht eine Option sein, meint Schmieding. Schmitz hält es dagegen für unrealistisch, dass es schnell einen gemeinsamen Haftungsfonds für europäische Bankspareinlagen geben wird.

          Schmieding schlägt daher vor, den ursprünglich nur für Staatenhilfe gedachten Europäischen Stabilitätsmechanismus als Einlagengarantie einzusetzen. Falls europäische Spitzenpolitiker dies mit Stellungnahmen befürworten würden, bestehe aber die Gefahr, dass sie gerade mit ihren Worten den befürchteten Ansturm auf die Banken erst auslösten. „Deshalb sollte Spanien unbedingt die Prüfung der Bankbilanzen beschleunigen. Bei einem Austritt Griechenlands aus dem Euroraum sollte sich Spanien dann sofort um Hilfen beim ESM und möglicherweise dem Internationalen Währungsfonds bewerben, um seine Banken stützen zu können“, sagt Schmieding. In der größten Schieflage in Spanien ist Bankia. Die amerikanische Investmentbank JP Morgan schätzt, dass fast 14 Prozent ihrer Kredite ausfallen werden, und veranschlagt den Kapitalbedarf der aus mehreren Sparkassen hervorgegangenen Bank auf 10,6 Milliarden Euro.

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