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Goldreserven : Wie Zentralbanken ihre Goldpreisverluste wegstecken

  • Aktualisiert am

Drei Angestellte der New York Federal Reserve Bank im riesigen unterirdischen Tresorraum Bild: dpa

Die meisten Notenbanken behandeln ihre Edelmetallbestände als toten Bilanzposten. Andere bewerten sie zu Marktpreisen. Das ist derzeit eher unangenehm.

          Etwa ein Fünftel der globalen Goldbestände gehört Zentralbanken und dem Internationalen Währungsfonds. Das sind gut 35.000 Tonnen. Bis 2011 ist der Wert dieser Goldschätze um Hunderte Milliarden Dollar gewachsen, 2013 aber brachte herbe Einbußen. Die meisten Zentralbanken weisen diese nicht in ihrer Gewinn-und-Verlust-Rechnung aus.

          So hält es die Deutsche Bundesbank, die Gold und Goldforderungen von rund 3.390 Tonnen hat. Zum Stichtag 31. Dezember 2012 stand dieser Posten noch mit 137,5 Milliarden in der Bundesbank-Bilanz. Nach dem drastischen Preisverfall des Jahres 2013 war das Gold zu Silvester am Markt theoretisch noch 95 Milliarden Euro wert. Doch wenn die Bundesbank im März ihren Geschäftsbericht für 2013 vorstellt, wird sie darin mitnichten einen Milliarden-Verlust ausweisen. Der Absturz des Goldpreises „hat keine Auswirkungen auf den Gewinn, sofern sich der Marktpreis über dem historischen Anschaffungspreis von zirka 73 Euro bewegt“, erklärt eine Sprecherin.

          Steigt oder fällt der Goldpreis, verändert die Bundesbank lediglich den bilanziellen Ausgleichsposten „Neubewertungen“. In den Jahren des steigenden Goldpreises wurde dieser Posten um Zigmilliarden höher angesetzt, nun wird er wohl um etwa 40 Milliarden Euro geschrumpft. Der Gewinn, den die Bundesbank dem Bundesfinanzminister überweist, wird aber dadurch nicht beeinflusst. 1998 versuchte der damalige Bundesfinanzminister Theo Waigel die Bundesbank zu einer marktnäheren Bewertung ihres Goldes zu drängen, was einen höheren Gewinn und auch mehr Ausschüttungen für den Bund zur Folge gehabt hätte, doch scheiterte er am Widerstand der Währungshüter.

          Verantwortungsloser Umgang mit französischen Goldreserven

          Die größten Goldreserven der Welt – ein Viertel allen Goldes in öffentlicher Hand – haben die Vereinigten Staaten mit gut 8.130 Tonnen. Dieser riesige Goldschatz wird mit einem Buchwert von nur 11 Milliarden Dollar bewertet (bei einem hypothetischen Marktwert von aktuell 320 Milliarden Dollar). Eine Neubewertung ist in den Vereinigten Staaten aber kein Thema. Seit 1973 wird das Gold in den Büchern des amerikanischen Finanzministeriums per Gesetz mit 42 2/9 Dollar je Feinunze bewertet. Die drastischen Schwankungen des Goldpreises in den vergangenen Jahren haben damit direkt keinen Einfluss auf die staatliche Finanzlage. Der Notenbank Federal Reserve gehört kein Gold, seit sie dieses in den dreißiger Jahren auf Präsident Roosevelts Geheiß gegen Goldzertifikate des Finanzministeriums abgeben musste. Diese Zertifikate stehen in der Bilanz der Fed zum damaligen Ausgabepreis. Sorgenvolle Blicke richten sich in Amerika indes darauf, dass die von der Notenbank angehäuften Staatsanleihen mit steigenden Zinsen gewaltig an Wert verlieren werden. Die Normalisierung der Geldpolitik wird der Fed damit künftig für einige Jahre wohl Verluste bescheren.

          Die Vereinigten Staaten verfügen mit 8,134 Tonnen über die größten Goldreserven

          Anders als die Bundesbank und die Amerikaner orientiert sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Marktwertprinzip. Dadurch schlägt der Goldpreis in ihrer Gewinn-und-Verlust-Rechnung durch. Für 2013 fällt die SNB-Dividende nun erstmals seit langem aus.

          Die zweit- und drittgrößten Goldvermögen in der Eurozone gehören der Banca d’Italia und der Banque de France. Sie haben beide mehr als 2.400 Tonnen des Edelmetalls. Italiens Notenbank hat ihren Goldschatz Ende 2012 mit fast 100 Milliarden Euro bewertet. Alle Marktwert-Schwankungen erzeugen aber nicht direkt Gewinne oder Verluste, sondern werden erst einmal – wie bei der Bundesbank – in eine Bewertungsreserve einberechnet, die Ende 2012 bei 86,9 Milliarden Euro stand, davon 80 Milliarden Euro wegen des Goldpreisanstiegs. Dort werden etwaige Bewertungsverluste für 2013 auch wieder abgezogen.

          Die Banque de France (BdF) bilanziert ihre Goldbestände ähnlich wie die deutsche oder die italienische Notenbank und schüttet Bewertungsgewinne nicht aus. Das Gold hat in der Vergangenheit immer wieder die Begierde der Politiker geweckt. 2004 drängte der damalige Finanzminister Nicolas Sarkozy die Banque de France, einen Teil ihres Goldes zu verkaufen. Wertpapiere seien besser, denn sie brächten Zinseinnahmen, fand der Minister. Die BdF verkaufte also über einen Zeitraum von fünf Jahren 589 Tonnen Gold und erhielt dafür 4,6 Milliarden Euro, wovon rund 800 Millionen an den französischen Staat gingen. Der Rechnungshof rügte später den Verkauf: Hätte die BdF ihre Goldreserven in gesamter Höhe behalten, hätte sich die Wertsteigerung der BdF-Reserven auf 19,4 Milliarden Euro belaufen. Das wäre ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Goldreserven gewesen, fanden die Rechnungsprüfer.

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