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Goldreserven : Mexikanische Notenbank kauft 93 Tonnen Gold

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Viele Länder verlieren das Vertrauen in den Dollar als Reservewährung. Nun erhöht auch Mexiko die Goldbestände - und zwar erheblich. Derweil findet ein Ausverkauf am Silbermarkt statt.

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          Die mexikanische Notenbank hat im ersten Quartal dieses Jahres ihre Goldreserven erheblich erhöht und damit die Bedeutung des Edelmetalls im internationalen Währungsystem weiter gesteigert. Die Zentralbank kaufte 93,3 Tonnen Gold, bisher verfügte das Land lediglich über 6,8 Tonnen des Edelmetalls. Der Kauf entspricht einem Wert von 4,5 Milliarden Dollar.

          Das Vorgehen Mexikos belegt, dass Notenbanken, allen voran aus Schwellenländern, in großem Stil in Gold investieren. In Zeiten ständig steigender Goldpreise sind die Zentralbanken im vergangenen Jahr nach langer Zeit wieder zu Nettokäufern des Edelmetalls geworden. Zuvor waren sie zwei Jahrzehnte lang Verkäufer. Mit ihren Goldkäufen diversifizieren die Notenbanken ihre Devisenanlagen. Sie machen sich damit unabhängiger von dem amerikanischen Dollar, der wichtigsten Reservewährung auf der Welt. Denn der Dollar steht unter Druck – besonders wegen der hohen Verschuldungslage in den Vereinigten Staaten, der größten Volkswirtschaft der Welt. Gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung hat der Dollar innerhalb eines Jahres um 12 Prozent an Wert verloren.

          Nicht nur Mexiko setzt verstärkt auf Gold, im vergangenen Jahr hatten schon Russland, China, Bolivien und Indien Goldkäufe getätigt, allerdings handelte es sich nicht um eine so große Menge wie in Mexiko. Auch Sri Lanka, Mauritius und Bangladesch kauften Gold. Nach Angaben des World Gold Council, der Interessenvertretung der Goldproduzenten, halten die Notenbanken mittlerweile rund 18 Prozent der Goldvorräte auf der Welt.

          Die Mexikanische Notenbank teilte mit, dass ihr Goldkauf rund 4 Prozent der gesamten Devisenreserven des Landes in Höhe von 126 Milliarden Dollar entspreche.

          Sorge um Geldentwertung

          Das Interesse der Notenbanken, die Schuldenkrise in den Vereinigten Staaten und Europa sowie die Unruhen in der arabischen Welt hatte den Goldpreis in den vergangenen Monaten stetig steigen lassen. Der Preis klettert bereits das elfte Jahr in Folge und kostete Anfang Mai mit 1577 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) so viel wie noch nie. Innerhalb eines Jahres hat sich Gold um 30 Prozent verteuert. Am Donnerstag kostete Gold etwa 1500 Dollar.

          Aus Sorge um Geldentwertung setzen auch viele Privatanleger auf Edelmetalle wie Gold und Silber, weil sie sich davon einen Werterhalt in Krisenzeiten versprechen. In den vergangenen Tagen war der Goldpreis gesunken, nachdem es Berichte gegeben hatte, dass der Hedgefonds-Manager George Soros nicht nur Gold, sondern auch Silber verkauft habe.

          Sicherheitsanforderung für Silberkontrakte angehoben

          Während der Goldpreis relativ stabil bleibt, haben sich Anleger am Silbermarkt in großem Stil von dem Rohstoff getrennt und damit den rasanten Preisrückgang der vergangenen Tage fortgesetzt. Am Donnerstag fiel der Silberpreis unter die Marke von 37 Dollar je Unze. Am 25. April hatte Silber noch knapp 50 Dollar gekostet – so viel wie seit 1980 nicht mehr. Hintergrund für den stärksten Silberpreisrückgang seit dem Jahr 1983 ist, dass die Betreiber von Rohstoffbörsen die Sicherheitsleistungen erhöht haben, die Investoren zahlen müssen, um im Silbermarkt aktiv werden zu können.

          So hat die amerikanische CME Group, die die New Yorker Warenterminbörse Comex betreibt, abermals die Sicherheitsanforderung für Silberkontrakte angehoben. Das hat zur Folge, dass die zu hinterlegende Leistung innerhalb von zwei Wochen um 84 Prozent gesteigert wurde. Auch der Schanghai Gold Exchange hob die Anforderung für Silberkontrakte an. Die CME begründete ihren Schritt mit den erheblichen Schwankungen des Silberpreises.

          „Starker Preisanstieg nicht mehr zu rechtfertigen“

          Die Anhebung der Sicherheitsleistungen führt dazu, dass sich viele Anleger aus dem Silbermarkt zurückziehen. Dies lässt sich auch an den Rückgängen in den Silberfonds (Exchange Traded Funds, ETF) belegen: Der größte Silber-ETF auf der Welt, der iShares Silver Trust, vermeldete für Mittwoch „mit 522 Tonnen den zweithöchsten Tagesabfluss überhaupt seit Bestehen des Fonds“, berichten die Rohstoffanalysten der Commerzbank in einem Marktbericht. Sie prognostizieren: „Die Preiskorrektur dürfte sich weiter fortsetzen.“

          Anders als Gold ist Silber auch ein wichtiger Industrierohstoff. 52 Prozent des Silberverbrauchs kommt aus der Industrie, etwa für die Elektrotechnik. Das Metall war bis zuletzt bei den Investoren sehr beliebt. Der Preis war schon im vergangenen Jahr um 80 Prozent gestiegen. Allerdings hatten sich in den vergangenen Wochen die Warnungen der Rohstofffachleute gehäuft. Sie sprachen davon, dass der Silberpreis zu schnell viel zu hoch gestiegen sei. „Der starke Preisanstieg im Silbermarkt ist aus fundamentaler Sicht nicht mehr zu rechtfertigen gewesen“, sagt auch Kevin Norrish, Rohstoffanalyst der britischen Investmentbank Barclays Capital. „Dabei waren es primär die Investoren, die den Preis in die Höhe getrieben haben.“

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