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Krisenzeiten : Goldrausch in Südafrika

Südafrikanische Goldminen sind nun keine Bürde mehr, sondern eine Chance. Bild: dpa

Eine untergehende Industrie bekommt Auftrieb: Der hohe Goldpreis und die schwache Währung sorgen für hohe Gewinne. Stabil ist dieser Kurs jedoch nicht.

          An der Börse in Johannesburg ist das Goldfieber ausgebrochen. Dank des höheren Preises für das Edelmetall und der schwachen Landeswährung Rand zeigen sich seit Jahresbeginn erstaunliche Kurssprünge: Der Gold-Minen-Index an der JSE hat sich mehr als verdoppelt und ist so hoch wie zuletzt im Februar 2012.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Die größten Förderer Anglo Gold und Sibanye steigerten ihren Wert um mehr als 150 Prozent, der kleinere Produzent Harmony sogar um 250 Prozent. Da schneidet Rivale Gold Fields mit 92 Prozent schon beinahe schlecht ab.

          Gold mache seinem Ruf als Versicherung in unsicheren Zeiten alle Ehre, sagt Hanré Rossouw, Manager eines Goldfonds bei Investec Asset Management in Kapstadt. Zusätzlichen Schwung hat der Goldmarkt nach dem Brexit erhalten.

          Südafrika nur noch sechstgrößter Lieferant

          Nicht nur Goldbarren und Goldmünzen waren in Großbritannien kurzzeitig ausverkauft, auch die Kurse der südafrikanischen Schürfer schossen um mehr als ein Fünftel in die Höhe. Seitdem reißt die Aufwärtstendenz nicht ab. „Es gibt Anzeichen für einen mehrere Jahre andauernden Bullenmarkt für Gold“, sagt Rossouw. Dazu tragen auch die extrem niedrigen Zinsen in Europa und die weiterhin lockere Geldpolitik in den Vereinigten Staaten bei.

          Südafrika war einst der wichtigste Goldförderer der Welt. Johannesburg, dessen Name in der Zulu-Sprache „Stadt des Goldes“ bedeutet, verdankt seine Existenz dem Goldrausch. Heute noch zeugt der Untergrund unter der Stadt von den unzähligen Förderaktivitäten: Er ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse.

          Doch viele der einstigen Bergwerke sind heute stillgelegt. Südafrika ist nur noch der sechstgrößte Goldlieferant der Welt. Die Vorkommen in leicht erreichbarer Tiefe gehen zur Neige, die Förderkosten steigen. Auch politische Unwägbarkeiten drücken die Investitionslaune.

          Kursverluste können nicht wettgemacht werden

          Im September 2015 beispielsweise setzte Staatspräsident Jacob Zuma überraschend den von der Wirtschaft geschätzten Bergbauminister ab. Den Posten bekam ein bis dahin unbekannter Politiker und Bergbau-Laie, dem allerdings gute Beziehungen zu einer mit dem Präsidenten befreundeten Unternehmerfamilie nachgesagt werden.

          Die Fülle an Problemen führte dazu, dass Südafrikas Goldindustrie den Ruf einer untergehenden „Sunset-Industrie“ bekam. Selbst die jüngsten Kurssprünge reichen nicht aus, um die Kursverluste über die vergangenen fünf Jahren hinweg wettzumachen.

          Die Aktien von Unternehmen wie Harmony, die fast ausschließlich Minen in Südafrika betreiben, wurden besonders abgestraft. Gold Fields trennte sich von allen heimischen Bergwerken bis auf eines. Das Management von Anglo Gold Ashanti hatte Ähnliches im Sinn, scheiterte aber am Widerstand der Aktionäre.

          Die Gunst der Stunde

          Mit dem steigenden Rand-Goldpreis jedoch kehrt die Zuversicht zurück. Plötzlich gelten Bergwerke in Südafrika nicht mehr als Bürde, sondern als Gewinn. Während der Dollar-Goldpreis um gut ein Fünftel über dem Vorjahreswert liegt, hat der Goldpreis in Rand um fast 40 Prozent zugelegt und Rekordniveau erreicht.

          Anglo Gold schrieb im Halbjahr wieder Gewinn nach einem Verlust im Jahr zuvor. Auch Gold Fields legte deutlich bessere Geschäftszahlen vor. Sibanye gilt ohnehin als Börsenliebling, sein Wert hat sich seit der Gründung 2013 versiebenfacht.

          „Der hohe Goldpreis lässt die Goldschürfer wieder durchatmen“, sagt Rossouw. Viele dürften gestärkt aus dem Aufschwung hervorgehen, weil sie den Geldsegen zum Schuldenabbau und zur Sanierung einsetzen. Harmony nutzte die Gunst der Stunde außerdem, um erstmals seit langem schon jetzt für einen Teil der künftigen Produktion einen festen Preis zu vereinbaren.

          Kein stabiler Kurs

          Einige alte Harmony-Minen, die Investoren schon abgeschrieben hatten, könnten so zumindest zwei Jahre lang profitabel sein. Von der Preisabsicherung hatten viele Goldproduzenten Abstand genommen, nachdem sie Ende der neunziger Jahre an relativ niedrige Preise gebunden waren und der Aufschwung damals weitgehend an ihnen vorbeigegangen war.

          Die südafrikanische Währung hat zwar zuletzt etwas an Wert gewonnen, trotzdem ist man an der Johannesburger Börse zuversichtlich, dass der Goldpreis sowohl in Dollar als auch in Rand weiter steigt. Es gebe keine überzeugenden Argumente, die dagegensprächen, heißt es. Investec Asset Management erwartet einen Goldpreis von 1400 Dollar je Feinunze bis Jahresende, derzeit sind es 1320 Dollar.

          Doch es gibt auch Skeptiker. Edelmetallfachmann Peter Major von Cadiz Corporate Solutions in Johannesburg hält die jüngsten Kurssprünge sowohl am Gold- als auch am Aktienmarkt für ungerechtfertigt.

          Die Stimmung unter den Anlegern könne extrem schnell kippen und zu rasanten Kurskorrekturen führen. An den Hauptproblemen der Goldförderer in Südafrika habe sich nicht viel geändert: „Die Gewerkschaften sind gegen sie, die Regierung ist gegen sie, der Stromversorger ist gegen sie“, sagt er. „Niemand weiß, wann die Wende kommt, aber was wir gerade sehen, hat nichts mit Normalität zu tun.“ Am Montag haben der Goldminen-Index und der Goldpreis leicht nachgegeben.

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