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Goldpreis : Kurioses Ritual in Londons Hinterzimmern

Das meiste Gold wird in China, Australien, Südafrika und den Vereinigten Staaten gefördert. Der Preis wird in London bestimmt Bild: AP

Wie viel ist Gold eigentlich wert? Diese Frage klären fünf Banker zwei mal täglich per Telefon - und die Antwort akzeptieren Märkte und Unternehmen.

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          Wer denkt, dass der Goldpreis nur durch Angebot und Nachfrage entsteht, irrt. Zwar gibt es den sogenannten Spot-Preis, der den aktuellen Durchschnittspreis angibt. Dieser setzt sich zusammen aus dem letzten Kurs sowie dem günstigsten Preis, zu dem eine Feingold-Unze verfügbar ist und dem höchsten Preis, den der Meistbietende bereit ist zu zahlen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dieser Spot-Preis allein reicht aber nicht aus. Banken, Investoren und Bergbau- sowie Minenunternehmen brauchen einen gemeinsamen Referenzpreis, der sich nicht sekündlich ändert und mit dem man handeln kann. Dieser gilt dann auch als Basis für Derivate-Geschäfte, auch Schmuck- sowie Münzhändler orientieren sich an ihm.

          Zweimal täglich am Telefon

          Als Referenzpreis dient der Kurs des sogenannten London-Gold-Fixing. Fünf Großbanken - die kanadische Scotiabank, die britische Barclays Capital, die Deutsche Bank, die britische HSBC und die französische Société Générale, telefonieren sich an Werktagen zweimal täglich zusammen. Einmal um 10.30 und einmal um 15 Uhr, jeweils Ortszeit. Ein Vertreter der fünf Banken leitet die Sitzung und gibt dann einen Preis vor - dieser orientiert sich am Spot-Preis. Danach wird verhandelt.

          Die Banken leiten den vorgeschlagenen Preis an ihre Kunden weiter, die sie dann wiederum ihren Kunden weitergeben. So sind unter anderem Goldproduzenten, Notenbanken, Geschäftsbanken, Goldverarbeiter und Pensionsfonds am Prozess beteiligt. Diese melden zurück, ob sie zu diesem vorgeschlagenen Preis Gold kaufen würden. Alle Informationen landen dann wieder beim leitenden Goldhändler, der daraus einen ausgeglichenen Marktpreis berechnet. Danach wird noch festgestellt, wie viel Gold gekauft und veräußert werden soll. Erst wenn das abgeschlossen ist, gibt es den Gold-Fixpreis.

          In zehn Minuten erledigt

          Sollte es kein Gleichgewicht geben, muss der leitende Goldhändler einen neuen Preisvorschlag machen. Was wie ein stundenlanger Prozess klingt, wird in der Regel in zehn Minuten erledigt und dauert nur in Ausnahmefällen länger. Dieser gesamte Prozess erinnert noch an völlig andere Zeiten, und aus ihnen stammt er auch: Erstmals wurde der Preis so am 12. September 1912 festgelegt. Keiner der damaligen Teilnehmer ist heute noch in der Runde der fünf Banken dabei: Rothschild zog sich freiwillig zurück, die anderen vier Gründungsbanken wurden im Laufe der Zeit von Großbanken geschluckt.

          Auch sonst wurde der Prozess nur sehr selten und behutsam reformiert: Am Anfang wurde der Preis nur im britischen Pfund festgelegt, seit dem Jahr 1968 noch zusätzlich in Dollar. Und während man bis 2004 noch tatsächlich in einem Raum persönlich zusammenkam, klärt man das Goldpreis-Fixing heute per Telefon. Dieses kuriose Ritual wird aber von Banken, Investoren, Bergbau- und Minenunternehmen als Referenz für alle Geschäfte mit Gold akzeptiert.

          Aber warum eigentlich London? Das meiste Gold wird in China, Australien, Südafrika und den Vereinigten Staaten gefördert. Die größten Verbraucher sind Indien und China. Erklären lässt sich der Standort London lediglich mit der Tradition der britischen Hauptstadt als ehemaliges Zentrum eines riesigen Kolonialreiches. Außerdem herrscht neben der hohen Liquidität am Londoner Markt auch ein hohes Vertrauen, da sehr viel Gold in der Hauptstadt tatsächlich physisch in Lagerhäusern deponiert wird.

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