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Edelmetalle : Goldnachfrage sinkt trotz steigender Anleger-Käufe

Inder mögen Goldschmuck derzeit nicht mehr so gerne wie sonst. Bild: dpa

Vielen Anlegern gilt Gold immer noch als gutes Investment. Doch Schmuck und Münzen sind weniger gefragt. Den Goldpreis bewegt zudem die bevorstehende Wahl des amerikanischen Präsidenten stark.

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          Es gibt vielerlei Gründe, Gold zu kaufen oder dies nicht zu tun. Für so manchen ist es vor allem ein schönes, warm schimmerndes Material für Schmuckstücke jeglicher Art. Für andere zählt gerade die Werthaltigkeit von Gold als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Solch unterschiedliche Präferenzen haben sich am Goldmarkt zuletzt deutlich niedergeschlagen. Denn nach Angaben des World Gold Council haben nachlassende Käufe von Schmuck und Münzen in den zwei wichtigsten Nachfrageländern China und Indien das Kaufinteresse an Gold zur Jahresmitte deutlich gedrückt. Ein Grund hierfür sei der hohe Preis.

          Anleger kaufen, andere reduzieren

          Nach Daten des Branchenverbandes ist die Nachfrage nach Gold auf der ganzen Welt im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent auf 993 Tonnen gefallen. Schmuck sei um 21 Prozent weniger nachgefragt worden, bei Münzen und Barren betrage der Rückgang 36 Prozent. Zudem hätten die Notenbanken nur noch halb so viel Gold gekauft wie im Jahr zuvor.

          Gefragt war das Edelmetall gleichwohl als Geldanlage. Insgesamt sei die Nachfrage hier um 44 Prozent gestiegen, heißt es vom World Gold Council. Das höhere Interesse der Investoren habe die übrige Kaufzurückhaltung aber nicht ausgleichen können. Neben der gestiegenen Unsicherheit hätten vergleichsweise hoch bewertete Aktien und niedrig verzinste Staatsanleihen für stärkeres Anlegerinteresse gesorgt. Gold-Fonds (ETF) hätten so Zuflüsse von 146 Tonnen verzeichnet, nach Abflüssen im Jahr zuvor.

          Der Goldpreis ist seit den ersten Juli-Tagen bis zu seinem Zwischentief Anfang Oktober um bis zu 10 Prozent gefallen. Seither haben sich die Notierungen wieder etwas erholt. Mit aktuell gut 1280 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) liegt der Goldpreis um rund ein Fünftel höher als noch zu Jahresbeginn. Im Jahreshoch Anfang Juli kostete Gold gleichwohl noch rund 100 Dollar mehr. Angesichts der niedrigeren Preise und des Weihnachtsgeschäfts werde sich die Nachfrage in diesem Quartal wohl wieder erholen, sagt der Branchenverband.

          Gold USD

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          Unterdessen haben die Analysten von Goldman Sachs zuletzt einen zunehmend engen Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Goldpreises und den Umfrageergebnissen zur Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten festgestellt. So sei stets dann eine unterstützende Nachfrage nach sicheren Häfen zu beobachten gewesen, wenn die Nachrichtenlage Donald Trump genutzt habe – und das, obwohl die erste Leitzinserhöhung der amerikanischen Notenbank Fed in diesem Jahr näher rücke.

          Am Montag wiederum sei der Goldpreis deutlich gefallen, als Hillary Clinton in der E-Mail-Affäre durch das FBI entlastet worden sei. Die Analysten von Goldman Sachs hielten einen Wahlsieg Clintons für wahrscheinlicher und rechneten auf Jahressicht mit einem etwas niedrigeren Goldpreis von 1250 Dollar.

          Auch die Rohstoffexperten der Commerzbank haben versucht, die Folgen der amerikanischen Präsidentenwahl vorherzusagen. Bei einem Wahlsieg der demokratischen Kandidatin Clinton dürfte eine Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank im Dezember voll eingepreist werden und der Goldpreis weiter fallen. Unter einem Präsidenten Trump sagten sie in einer ersten Reaktion eine schockartige Bewegung an den Finanzmärkten vorher.

          Hiervon sollte Gold profitieren, da die Unsicherheit unter den Marktteilnehmern, wie es künftig weitergehe, deutlich zunehmen dürfte, hieß es von der Commerzbank. Die Reaktion der Märkte nach der Entscheidung der Briten, aus der EU auszuscheiden (Brexit) – der Goldpreis war um etwa 100 Dollar nach oben gesprungen –, könnte eine gute Blaupause für die zu erwartende Marktreaktion sein.

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