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Goldpreis : Die Tage des Goldfixings sind gezählt

Zwar heißt es bei der Deutschen Bank, man halte die Klage für unbegründet und werde sich mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen. Die anderen beschuldigten Banken wollten kein Kommentar dazu abgeben. Doch es mehren sich die Hinweise von Fachleuten, dass während des Fixings am Preis gedreht wurde.

So hat die Beratungsgesellschaft Fideres im Auftrag von Klägern untersucht, ob sich aus der Entwicklung des Goldpreises um die Zeit des Fixings herum, Auffälligkeiten erkennen lassen. Dafür wurden öffentlich zugängliche Daten aus dem Zeitraum von Januar 2010 bis Dezember 2013 untersucht. „Wir haben deutliche Hinweise auf mögliche Manipulation gefunden“, sagt Steffen Hennig, Partner bei Fideres. Die Telefonkonferenzen finden zweimal täglich statt, um 11.30 und um 16 Uhr deutscher Zeit. Manchmal dauert die Preisfindung zwei Minuten, manchmal auch zwei Stunden, im Durchschnitt jedoch 15 Minuten. Fideres hat nun festgestellt, dass der Goldpreis in dieser Zeit viel stärker schwankt als sonst im Tagesverlauf üblich, durchschnittlich um zwei Dollar, wobei auch Preisausschläge von bis zu vier Dollar beobachtet werden konnten. „Es gibt Preisbewegungen in beide Richtungen, überwiegend aber nach unten“, sagt Hennig. Die zweite Beobachtung ist, dass sich der Preis nach dem Fixing wieder auf das Niveau einpendelt, das er davor hatte. Henning schließt daraus, dass die Banken im Gremium den Preis bewusst in eine Richtung treiben, die ihrem Geschäft dienlich ist.

Die Zeit während des Fixings ist Haupthandelszeit

Während der Telefonkonferenz haben sie gegenüber anderen Marktteilnehmern einen Informationsvorteil, weil sie wissen, welche Volumina Gold zu welchem Preis gehandelt werden. Die Weitergabe dieser Informationen an Händler aus dem eigenen Haus ist zwar illegal, aber – wie die Manipulationen im Devisenhandel und bei der Ermittlung des Londoner Referenzzinsatzes Libor gezeigt haben – durchaus möglich. „Wenn Geld zu verdienen ist, besteht auch der Anreiz, das System zu manipulieren“, sagt Hennig.

Dazu kommt, dass die Zeit während des Fixings die Haupthandelszeit für Terminkontrakte auf Gold ist. 4500 Gold-Kontrakte werden in der Zeit im Durchschnitt gehandelt, wobei ein Kontrakt aus 100 Unzen je 31,1 Gramm Gold besteht. Bei einem aktuellen Goldpreis von rund 1300 Dollar je Unze entspricht das einem Volumen von 585 Millionen Dollar.

Zu einem ähnlichen Ergebnis wie Fideres kommt auch Rosa Abrantes-Metz, Wissenschaftlerin an der New York University, die ebenfalls das Fixing untersucht und auffällige Handelsmuster festgestellt hat. „Das System der Preisfestsetzung befördert Manipulationen und betrügerische Absprachen“, so Abrantes-Metz. Es sei wahrscheinlich, dass es zu Absprachen zwischen den Mitgliedern des Gremiums gekommen sei.

Nach Ansicht von Hennig müsste das System vollkommen reformiert werden, um Betrug künftig vorzubeugen. „Die Regeln müssen einfacher und klarer sein. Außerdem sollten dem Referenzpreis tatsächliche Transaktionen zugrunde liegen.“ Sollte es dazu kommen, würde von dem fast 100 Jahre alten Ritual Goldfixing nicht mehr viel übrig bleiben – und die Finanzwelt wäre um einen Anachronismus ärmer.

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