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Goldkäufe im Ausland : Böse Urlaubsüberraschungen

Echt oder unecht? Goldverkäufer im indischen Bombay Bild: BLOOMBERG NEWS

Bei Käufen von Goldschmuck im Ausland ist Vorsicht geboten. Oft handelt es sich um wertlose vergoldete Stücke. Beim Kauf ist ein gesunder Menschenverstand gefragt.

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          Einmal sind es die angeblichen Erbstücke der Oma, die dem gutgläubigen Reisenden mitsamt einer herzzerreißenden Geschichte an der Autobahnraststätte verkauft werden. Ein anderes Mal sind es die goldenen Armreifen, die als echtes Schnäppchen bei einem fliegenden Händler im Urlaub erstanden werden. Orte und Geschichten variieren, aber eines haben sie gemeinsam: Das vermeintlich wertvolle Stück entpuppt sich bei genauem Hinsehen als minderwertig: Entweder ist der Goldgehalt geringer als angenommen, oder der Schmuck ist nur vergoldet und damit so gut wie wertlos. „Ein Laie ist mit der Einschätzung der Echtheit von Goldschmuck überfordert“, sagt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer beim Bundesverband der Juweliere.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Viele Enttäuschte verweisen dann auf die Punze, den Stempel, den das Schmuckstück trägt und der den Feingehalt ausweist. So steht zum Beispiel die Zahl 585 für einen Goldanteil an dem Schmuckstück von 58,5 Prozent, 750 weist auf einen Goldanteil von drei Vierteln hin. Der Rest besteht – je nach Legierung – aus günstigeren Metallen wie Kupfer, Palladium oder Silber. Doch Dünkelmann warnt: „Wenn jemand Schmuck fälscht, wird er auch die Punzierung fälschen.“ In Deutschland ist eine Stempelung laut Stempelgesetz von 1884 noch nicht einmal zwingend. Auch Zertifikate und Garantien würden gefälscht, zudem sei es oft meist schwierig, den Verkäufer von Deutschland aus zu belangen, wenn der Betrug entdeckt wird, mahnt Dünkelmann.

          Auf den gesunden Menschenverstand verlassen

          Robert Hartmann vom Handelshaus Pro Aurum rät jedem Goldkäufer, sich im Urlaub auf seinen gesunden Menschenverstand zu verlassen. Ist der Verkäufer ein fliegender Händler oder sitzt er in einem Luxushotel und hat einen guten Ruf zu verlieren? Wie verhalten sich die Angestellten? Weisen Schilder am Eingang den Juwelier als Mitglied in Qualitätsverbänden aus? Grundsätzlich sei immer Vorsicht geboten, wenn der Goldschmuck günstiger angeboten werde als der aktuelle Goldpreis. „Der Goldpreis ist überall auf der Welt praktisch gleich“, sagt Hartmann. „Bei billigeren Angeboten handelt es sich meistens um Betrug, denn keiner hat etwas zu verschenken.“

          Günstigere Preise als in Deutschland könnten nur durch niedrigere Steuern im Urlaubsland sowie geringere Herstellungskosten entstehen. Wer im Urlaub Schmuck kaufen möchte, dem rät Hartmann, folgende Faustregel zu beachten: Ein Gramm Gold kostet etwa 31 Euro. Wenn ein Ring nun 15 Gramm wiegt und einen Feingehalt von 75 Prozent hat, liegt allein der Goldwert bei knapp 350 Euro. Mit Aufschlägen für die Verarbeitung, Händlermarge und Steuern dürfte der Ring somit auf keinen Fall weniger als 500 Euro kosten.

          Sollte der Schmuck mehr als 430 Euro kosten, ist auch mit dem deutschen Zoll zu rechnen: Waren, deren Preis oberhalb dieser Freimenge liegt, müssen bei Einreise versteuert werden.

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