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Edelmetallmarkt : Goldhändler kämpfen um den einfachen Sparer

  • -Aktualisiert am

Begehrtes Edelmetall: Verkauf von Goldbarren im Degussa-Goldhandel in Frankfurt Bild: Slesiona, Patrick

Lange Zeit ging es mit dem Goldpreis bergab. Das spüren auch die Händler im Geschäft mit Privatkunden. Sie halten mit neuen Produkten dagegen.

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          Noch ist es ruhig in der Degussa-Villa im Frankfurter Westend. Der Weihnachtseinkauf hat noch nicht begonnen, und die Plätze auf den schweren Ledersesseln im Warteraum bleiben leer. Nur vereinzelt klingeln Kunden an der schweren Holztür, steigen die wenigen Stufen in den Vorraum hinauf und sagen zum Portier am Empfang schüchtern, dass sie Gold kaufen wollen. „Ab November ist hier dann richtig viel los“, sagt Filialleiter Marc-Eckehardt Gramm. Zur Weihnachtszeit seien Edelmetalle nicht nur zur Geldanlage, sondern auch als Geschenke interessant.

          Auch wenn das Weihnachtsgeschäft traditionell gut läuft, ist das Privatkundengeschäft lange nicht mehr so erfolgreich wie in den Jahren unmittelbar nach dem Ausbruch der Finanzkrise. Die Degussa vermeldet zwar immer weitere Erfolge, 30 bis 40 Prozent liege man über den Umsätzen des Vorjahres. Doch insgesamt heißt es, dass es zurzeit nach einem eher mäßigen Jahr 2014 allenfalls stabil sei.

          Der Goldpreis je Feinunze liegt aktuell bei 1180 Dollar. Bei der Degussa, die mitten in der Krise im Jahr 2010 gegründet wurde und außer dem Namen nichts mit der alten Degussa und dem dazugehörigen Unternehmen Evonik zu tun hat, merke man vor allem, dass die Verkäufe zugenommen hätten. Edelmetalle aus Erbschaften oder Schmuck, der nicht mehr in Mode ist, werde zu Geld gemacht.

          Bei einem der größten Konkurrenten, dem Goldhändler Pro Aurum aus München, ist man ebenfalls in diesem Jahr zufriedener als mit dem vergangenen. Insgesamt sei man aber weit von den Rekorden der Jahre 2008 bis 2010 entfernt, einer Zeit, in der die neue Degussa noch gar nicht gegründet war. Das hänge vor allem mit dem gefallenen Goldpreis zusammen, erklärt Gründer und Geschäftsführer Robert Hartmann.

          Verschwörungstheoretiker in der Minderheit

          „Selbst bei einer ähnlichen Menge verkaufter Barren sinkt unser Umsatz durch den Preisverfall entsprechend.“ Bei Margen von weniger als einem Prozent etwa bei Goldbarren mache sich das unmittelbar in den Geschäftszahlen bemerkbar. Zudem sei das Interesse an Gold ohnehin nicht mehr so groß, weil die Krise nicht mehr ganz so akut sei.

          Insgesamt gebe es aber immer noch einen Käufermarkt, heißt es übereinstimmend, es werden also mehr Edelmetalle gekauft als verkauft. Auf acht Käufer kommen bei Pro Aurum zum Beispiel zurzeit zwei Verkäufer. Die Bestseller seien bei den Barren immer noch die 100- oder 250-Gramm-Barren und die Ein-Unzen-Barren. Bei den Goldmünzen liegen die Unzenmünzen Krügerrand und Maple Leaf weit vorne.

          Verschwörungstheoretiker, die Gold als einzig sichere Anlageform sehen, seien in den Läden in der Minderheit. „Die Kunden kaufen Edelmetalle, weil sie diversifizieren wollen“, sagt Oliver Heuschuch, der für den Handel der Degussa verantwortlich ist. Es sei für sie wie eine Feuerversicherung für ihr Haus. „In Niedrigzinszeiten und Krisen überall auf der Welt sind Edelmetalle so etwas wie eine letzte Absicherung.“ Die meisten Kunden gingen bei ihrer Vermögenssicherung rational und sehr gut vorbereitet vor. „Je nach Risikoeinschätzung ist ein Investitionsanteil von bis zu 10 Prozent des Vermögens in Edelmetallen durchaus sinnvoll“, rät Heuschuch seinen Kunden.

          Zielgruppe hat sich enorm verbreitert

          Der Kampf um Kunden und Marktanteile zwischen den Goldhändlern ist hart. Mit immer neuen Produkten wie Schmuck und anderen Geschenken aus Edelmetallen hat man schon lange nicht mehr nur die klassischen Goldbarren im Angebot. Bei der Degussa gibt es zum Beispiel eine 30 Zentimeter lange Goldrose für 135 Euro oder eine Geldklammer mit einem 2,5 Gramm Goldbarren in der Mitte für 200 Euro. Das zusätzliche Angebot gibt es auch deshalb, weil sich die Zielgruppe mit den Jahren enorm verbreitert hat. „Es kommt nicht mehr nur der gut situierte 45 Jahre alte Mann“, sagt Hartmann von Pro Aurum.

          Vom Studenten, der nur eine Münze kaufen wollte, bis zum Rentner sei alles dabei. Um diese Kunden in die eigenen Läden zu locken und nicht zur Konkurrenz, wird viel Geld investiert. Bei der Degussa will man bald sogar mit dem Bau eines Goldmuseums beginnen. „Hier wird die Leidenschaft zum Edelmetall fortgeführt, es wird dann in Frankfurt sicherlich ein Magnet sein“, sagt Heuschuch. Auch wenn das Unternehmen mit dem Museum selbst kein Geld verdienen will, sollen damit vermutlich, auch wenn es die Degussa abstreitet, potentielle Kunden angelockt werden, die dann nebenan in der Villa in gediegener Atmosphäre einen Goldbarren oder eine Silbermünze kaufen.

          Überhaupt die Villa. In der Gründerzeit gebaut, wurde sie gezielt als Unternehmenssitz ausgewählt, um den Goldhandel seriöser zu machen. Lange Zeit verband man damit eher zwielichtige Läden in Bahnhofsnähe, die den Schmuck der verstorbenen Großmutter per Hand abwogen. Nun gibt es im ersten Stock sogar einen Saal mit goldener Tapete und goldener Stuckdecke. Bei Pro Aurum hat man direkt ein ganzes Goldbarrenhaus gebaut, um für die passende Atmosphäre zu sorgen. Hartmann ließ sich von einem Architekten ein Goldhaus entwerfen, das die Form eines Goldbarrens hat und das gesamte geförderte Goldvolumen auf der Welt darstellen soll.

          Bei steigenden Kursen mehr Privatkunden

          Insgesamt ist man sich einig, dass die private Goldnachfrage zumindest stabil bleiben wird. „Ich denke, wir leben nach wie vor im größten Notenbankexperiment unserer Zeit. Es wird immer wieder Menschen geben, die das nicht mitmachen wollen“, sagt Hartmann. Kurzfristig seien Schwankungen im Geschäft, nicht nur saisonal bedingt wie durch Weihnachten, aber unvermeidbar.

          Besonders bei schlechten wirtschaftlichen oder weltpolitischen Nachrichten komme es am Markt zu Kursschwankungen im Gold, die dann in der Regel das Geschäft deutlich anziehen ließen, sagt Gramm von der Degussa. Bei steigenden Kursen gäbe es mehr Privatkunden, die sowohl Münzen und Barren als auch Altgold verkaufen wollten. Bei fallenden Kursen sei es andersherum.

          Auch langfristig ist man in der Branche davon überzeugt, dass das Geschäft noch eine Weile gut laufen werde. Hartmann von Pro Aurum hat dafür ein ganz einfaches Argument: „All das Gold, das wir in den vergangenen Jahren verkauft haben, werden wir irgendwann auch wieder von den Kunden zurückkaufen“.

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