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Zentralafrikanische Republik : Blutgold als Kriegstreiber

  • Aktualisiert am

Goldgräber: Die Bevölkerung der Zentralafrikanischen Republik lebt von der Goldförderung. Bild: Reuters

Im Osten der Zentralafrikanischen Republik kontrollieren die Rebellen der Seleka Goldminen. Vom Erlös des Edelmetalls kaufen sie sich Waffen aus Europa und China.

          3 Min.

          In der Zentralafrikanischen Republik heizen die Einnahmen aus dem illegalen Export von Gold, Diamanten und anderen Ressourcen einen schwelenden Konflikt an. Die wertvolle Schmuggelware aus den Bergwerken des Landes finanziert die Waffen für die Milizen beider Seiten. Eine solche Mine ist wohl auch Ndassima, die von der vornehmlich muslimischen Rebellengruppe Seleka kontrolliert wird.

          Hier arbeitet Freddy Bonjour, der nach einem Tag in der Grube erschöpft und von Kopf bis Fuß mit gelbem Staub bedeckt ist. Die ganze Zeit hat er unter den wachsamen Blicken der Seleka-Kämpfer mit bloßen Händen und einer Schaufel nach Gold geschürft.

          Wie auch seine Goldgräber-Kollegen sagt er, dass sein Leben und die Arbeit besser waren, bevor der Krieg ausbrach und Seleka illegale Steuern und Gebühren verlangte. Nach Angaben der regierungsfeindlichen Milizen werden diese Gelder von den Arbeitern für Nahrungsmittel und zu ihrem Schutz entrichtet.

          Rebellengruppe kontrolliert Goldminen

          „Wir haben alles verloren“, sagt der 28-jährige Bonjour in einem Interview in Djoubissi, etwa 316 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bangui. „Seleka kontrolliert das Bergwerk.“ Der Staat ist heute faktisch geteilt – zwischen einem Netzwerk meist christlicher Milizen im Westen und den Seleka-Rebellen, die den Osten kontrollieren. Mindestens 3000 Menschen sind den Vereinten Nationen zufolge bei den Auseinandersetzungen gestorben. Mehr als 2,5 Millionen benötigen dringend humanitäre Hilfe und etwa eine Million Menschen sind aus ihrer Heimat in benachbarte Länder oder in Lager geflohen.

          Die im Januar 2014 eingesetzte Übergangsregierung schaffte es nicht, ihren Einfluss über die Hauptstadt Bangui hinaus auszuweiten. Hier hatte Seleka im März 2013 Präsident François Bozizé gestürzt, bevor die Rebellen die Macht an die Milizen verloren. Seleka kontrolliert mittlerweile ganze Landstriche in den östlichen Regionen, wo Gold und Diamanten gefördert werden.

          Die Zentralafrikanische Republik war einst der zwölftgrößte Diamantenproduzent der Welt und förderte im Jahr 2012 offiziell 55 Kilogramm Gold, zeigen Daten der amerikanischen Behörde Geological Survey. Nun werden nach Angaben der belgischen Forschungsgruppe IPIS 30 Prozent der Diamanten und 95 Prozent des Goldes außer Landes geschmuggelt.

          Gold für Waffen

          Das Bergbauwesen in der Zentralafrikanische Republik läuft seit der Unabhängigkeit des Landes von Frankreich 1960 weitgehend informell. Damals liberalisierte die Regierung die Diamantenbranche und öffnete die Minen für alle Staatsbürger. IPIS zufolge bestreiten in dem Land bis zu 100.000 Menschen ihren Lebensunterhalt durch Bergbau. Die Einkommen von 600.000 Menschen – was etwa 13 Prozent der Bevölkerung entspricht – sind demnach zumindest teilweise von der Branche abhängig.

          Sobald Gold, Diamanten und andere Ressourcen aus der Erde geholt wurden, verkaufen die Bergleute ihre Produktion an Zwischenhändler, die mit den bewaffneten Gruppierungen die Zahlungskonditionen aushandeln. Der Schatz wird dann in andere Länder geschmuggelt, etwa in den Tschad, den Sudan, die Demokratische Republik Kongo oder nach Kamerun.

          „Welche Handelsgeschäfte auch immer über eine bewaffnete Gruppierung laufen, werden besteuert“, sagt Aurelien Llorca, Koordinator der Expertengruppe, in Bangui. Einige der Mittel werden seinen Worten zufolge für Waffenkäufe benutzt.

          Kindersoldaten als Wachposten

          „Bewaffnete Gruppen auf beiden Seiten vereinbaren mit den Diamantenhändlern Schutzabkommen“, erklärt Aurelien Llorca, Koordinator einer Expertengruppe der Vereinten Nationen für die Zentralafrikanische Republik, mit Blick auf Seleka und die gegnerischen Milizen. „In Goldminen werden die einzelnen Grubenmanager auf Basis ihrer Förderung besteuert.“

          Waffen und Munition aus China, Sudan und Europa strömen aus den benachbarten Staaten in die Zentralafrikanische Republik, hieß es in einem Bericht der Beratungsorganisation Conflict Armament Research vom Januar. Dabei zeigte sich, dass es in dem Land „erhebliche Mengen“ Granaten gibt, die in China hergestellt wurden. Eine davon kostet weniger als ein Dollar.

          „Wir wissen, dass mit den Diamanten im östlichen Landesteil Waffen finanziert werden“, sagt der französische Botschafter in der Zentralafrikanischen Republik, Charles Malinas. Die Ndassima-Mine untersteht Seleka. Auf dem Weg dorthin kommt man an mehreren Kontrollstellen vorbei, die von Seleka-Kämpfern bewacht werden – viele von ihnen sind Kinder in Armeeuniformen.

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