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Edelmetalle : In Euro ist der Goldpreis nur noch dreistellig

Wer in Gold investiert, sollte derzeit lieber nicht nach dem Wert schauen. Bild: Reuters

Die EZB-Entscheidung vom Donnerstag hat den seit langem fallenden Goldpreis sogar unter 1000 Euro gedrückt. Ob die Talfahrt weitergeht, hängt nun maßgeblich von einer weiteren Entscheidung ab.

          Der Goldpreis hat am Donnerstag etwas zugelegt – allerdings nur in Dollar gerechnet. Weil zugleich der Wechselkurs des Dollars zum Euro stärker gefallen als der Goldpreis gestiegen ist, wurde das Edelmetall für Anleger in Europa rund 1,4 Prozent billiger. Damit liegt der Goldpreis leicht unter 1000 Euro. Der Hintergrund: Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Geldpolitik nur mäßig zu lockern, hatte dem Euro Auftrieb gegeben und den Dollar geschwächt.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Goldpreis hatte sich dann, wie oft, gegensätzlich zum Dollar entwickelt und ist bis zum Nachmittag um 0,2 Prozent auf 1056 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) gestiegen. Weil sich zugleich aber das Wechselkursverhältnis verändert hat, ist unter dem Strich Gold für Anleger hierzulande, die in Euro rechnen und nicht in Dollar, um 1,4 Prozent oder 14,30 Euro je Feinunze billiger geworden. Zuvor hatte Gold am Mittwoch ein Mehrjahrestief erreicht. Noch im Januar hatte Gold mehr als 1300 Dollar gekostet.

          Jetzt geht der Blick als Nächstes nach Amerika. Die Frage dabei ist: Geht der Preisverfall des Goldes tendenziell weiter, bis Janet Yellen, die Chefin der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, auf der Sitzung am 15. und 16. Dezember tatsächlich die Leitzinsen anhebt? Giovanni Staunovo, Rohstofffachmann der Schweizer Großbank UBS, hält das jedenfalls für gut möglich: „Vor der ersten Zinserhöhung der Fed könnte der Goldpreis neue Mehrjahrestiefs testen.“

          Fällt die nächste Untergrenze?

          Dabei gibt es zwei Argumente, warum wegen der Erwartung steigender Zinsen der Goldpreis fällt. Das erste Argument, das eher von Ökonomen angeführt wird, sind die sogenannten Opportunitätskosten: Wenn Anleger für festverzinsliche Wertpapiere höhere Zinsen bekommen, wird es weniger attraktiv, Gold zu halten, das bekanntlich keine Zinsen abwirft. Allerdings hätte nach dieser Argumentation in der langen Nullzinsphase, in der wir leben, Gold sehr attraktiv sein müssen, weil es für andere Geldanlagen ja nichts gibt oder zum Teil sogar Negativzinsen gezahlt werden müssen.

          Das Gegenteil war aber der Fall, der Goldpreis ist immer weiter gefallen. Investoren an den Märkten heben deshalb eher den Zusammenhang zwischen Dollarkurs und Goldpreis hervor: Wenn die Zinsen in Amerika demnächst steigen, werden Dollaranlagen in Amerika attraktiver, internationale Investoren schichten um und kaufen Dollar. Das lässt den Wechselkurs des Dollars zu anderen Währungen steigen. Dadurch werden Anlagen in Gold für Anleger außerhalb des Dollarraums unattraktiver, sie fragen weniger Gold nach, und der Goldpreis sinkt.

          Die Grenze von 1000 Dollar je Feinunze ist dabei die nächste Wegmarke nach unten; und nicht gerade wenige Rohstofffachleute rechnen damit, dass sie unterschritten wird. „Der Preis könnte durchaus unter die Marke von 1000 Dollar je Feinunze fallen“, sagt UBS-Goldexperte Staunovo. „Ein solider Arbeitsmarktbericht in Amerika am Freitag könnte zu einem weiteren Abbau der spekulativen Positionen in Gold-Futures und Gold-ETF-Beständen anregen und die Preise weiter schwächen.“ Auch die Investmentbank Goldman Sachs erwartet in ihrem Basisszenario höhere Zinsen in Amerika (plus 25 Basispunkte im Dezember und weitere 100 Basispunkte im Jahr 2016) und damit verbunden einen niedrigeren Goldpreis. Zumindest für das kommende Jahr rechnen die Goldman-Analysten mit einem Goldpreis von 1000 Dollar je Feinunze.

          Umstritten ist unter Analysten und Bankökonomen, was mit dem Dollar passiert, wenn die Fed die Zinsen erst einmal angehoben hat. Das dürfte wohl erheblich davon abhängen, welchen Ausblick sie auf ihr weiteres Vorgehen gibt. Immerhin denkbar wäre, dass der Wechselkurs des Dollars gegenüber dem Euro bis zur Entscheidung steigt, dann aber nicht mehr. Börsianer sprechen von dem Effekt, dass man bei Gerüchten kauft, bei Fakten verkauft („buy the rumor, sell the fact“). Das könnte auch für den Goldpreis bedeuten, dass die Talfahrt zwar bis zur Zinsentscheidung mit vielen Schwankungen andauert, sich dann aber zumindest nicht in gleichem Maße fortsetzt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass sich der Goldpreis, auch in Dollar gerechnet, nach der Fed-Entscheidung stabilisiert“, sagt Eugen Weinberg, der Goldfachmann der Commerzbank: „Denn damit wäre dieses Risiko schon einmal weg.“

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