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Goldpreis : Spekulanten kämpfen gegen das Todeskreuz

Komplizierte Preisentwicklungen: Die Goldreserven im Tresor der Deutschen Bundesbank Bild: Deutsche Bundesbank

Der Goldpreis stagniert seit einigen Monaten. Nun ringt er wieder mit den Kreuzen: dem goldenen und dem Todeskreuz. Das Ergebnis stellt die Weichen für die Zukunft.

          Vor einem Jahr war die Welt für Goldanleger noch in Ordnung: Zwar lief das Jahr bis dato nicht gut, aber eine Feinunze notierte noch immer bei 1.585 Dollar. Doch danach kam der rapide Absturz: Bis zum Sommer stürzte der Goldpreis auf knapp 1.200 Dollar ab, ein Minus von fast 30 Prozent. Seitdem pendelt der Preis des Edelmetalls grob zwischen 1.200 und 1.300 Dollar, mit kleinen Ausreißern nach oben oder unten.  Lange Zeit gab es auch keine Anzeichen dafür, dass sich die Stagnation ändern könnte.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch seit knapp zehn Tagen kämpft Gold mit zwei wichtigen Marken, welche für die weitere Preisentwicklung von Gold extrem wichtig sein dürften: dem sogenannten goldenen Kreuz und dem Todeskreuz. Das Todeskreuz entsteht, vereinfacht gesagt, wenn der kurzfristige Trend stärker negativ ist als der langfristige. Charttechniker bilden das gern mit der 50-Tage-Linie für den kurzfristigen Durchschnittspreis ab und mit der 200-Tage-Linie für den langfristigen Durchschnittspreis. Tritt ein Todeskreuz auf, gehen sie davon aus, dass die Kurse bald weiter fallen.

          Auch Computerprogramme, die mit dem Edelmetall handeln, reagieren normalerweise auf dieses Signal und verkaufen. Andersherum verhält es sich mit dem goldenen Kreuz. Tritt dieses ein, rechnen Charttechniker damit, dass die Kurse steigen. In diesem Fall schneidet der kurzfristige, positive Trend den langfristigen Trend, wieder abgebildet durch die 50- und die 200-Tage-Linie. Soweit die Theorie. Beim Goldpreis ist das goldene Kreuz bereits erreicht worden.

          Allerdings lässt sich seit Tagen eine interessante Entwicklung verfolgen: Betrachtet man den gleitenden Durchschnitt der letzten Tage, dann wechseln sich Todeskreuz und goldenes Kreuz beständig ab. Allein in den vergangenen sieben Tagen gab es sieben Wechsel. Kurzfristig spricht also einiges für einen Kampf zwischen Bullen- und Bärenmarkt. Doch wer wird gewinnen?

          Die Indikatoren für die weitere Entwicklung sind eher negativ und sprechen für ein Todeskreuz. Auch fundamental spricht sehr viel für weiter fallende Preise. So fließen aus Gold-ETFs – börsennotierten Indexprodukten, die mit dem Edelmetall hinterlegt sind – weiter Bestände ab. Allein in der vergangenen Woche kamen so 15,3 Tonnen auf den Markt, was den Preis belastete. Das waren gleichzeitig die stärksten Abflüsse seit Jahresanfang.

          Das ist zwar kein Vergleich zum Vorjahr, als insgesamt 881 Tonnen abflossen. Aber es ist auch weit von den alten Werten entfernt, als die ETFs knapp 25 Prozent der weltweiten Nachfrage abbildeten und damit wesentlich zu einem Anstieg des Goldpreises beitrugen. Es setzen auch neben den Fonds immer weniger Investoren auf steigende Goldpreise. Dies kann man an den sogenannten Netto-Long-Positionen ablesen. Diese sind in den vergangenen zwei Wochen um ein knappes Drittel auf 114.000 Kontrakte gesunken. Diese Daten werden allerdings nur einmal je Woche veröffentlicht, so dass es diese Woche wieder ganz anders aussehen kann.

          Aber nicht nur spekulativ hat die Goldnachfrage nachgelassen, sondern auch ganz physisch. Zum Beispiel sind die Münzverkäufe in den Vereinigten Staaten deutlich gesunken. Auch die Türkei hat mit lediglich 2 Tonnen im März deutlich weniger Gold importiert als zuvor. Im gesamten ersten Quartal waren es lediglich 10 Tonnen, während es allein im Dezember 31 Tonnen waren. Dies dürfte mit der massiven Abwertung der türkischen Lira zusammenhängen, versuchen sich die Fachleute der Commerzbank an einer Erklärung. Denn in lokaler Währung gerechnet war Gold in der Türkei damit so teuer wie seit 15 Monaten nicht mehr.

          Auch die Nachfrage aus China hat deutlich nachgelassen – just aus dem Land, welches im Jahr 2013 das meiste Gold nachfragte. Das kann man – ähnlich wie in der Türkei – auf die Abwertung der chinesischen Währung Yuan zurückführen, welche die stärksten Monatsverluste seit der Flexibilisierung im Jahr 2005 verzeichnete. Aber auch die chinesischen Banken verringerten laut Commerzbank ihre Nachfrage.

          Zu guter Letzt werden sich auch die Inflationsraten merklich bremsend auf den Goldpreis auswirken. Denn das Edelmetall gilt als klassischer Wertschutz. Der Gedanke dahinter: Wenn Währungen durch Inflation an Wert verlieren, behält Gold ihn trotzdem. Denn es ist physisch, und der Preis wird lediglich durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Das einzige, was momentan für einen steigenden Goldpreis spricht, ist die unsichere geopolitische Lage in der Ukraine. Als Pessimistenwährung steigt Gold, wenn es Unsicherheit auf der Welt gibt.

          Es gibt also wenige Gründe – um nicht zu sagen: keine –, dass es auf der Nachfrageseite irgendeine Erklärung für den Goldpreisanstieg gibt. Offensichtlich scheinen nur Spekulanten auf eine Erholung des Goldpreises zu setzen. Den Kampf zwischen Todeskreuz und goldenem Kreuz, zwischen Bären- und Bullenmarkt, kann man daher auch auf die Formel bringen, dass es ein Kampf der Spekulanten ist. Denn nach dem einfachen Gesetz von Angebot und Nachfrage müsste der Goldpreis weiter sinken, da die Nachfrage bei konstantem Angebot sinkt.

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