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Gold : Das Interesse der Anleger lässt nach

Im September 2011 erreichte der Goldpreis - inmitten der Krise im Euroraum - einen Rekordpreis von gut 1920 Dollar. Aktuell liegt der Preis über 37 Prozent darunter Bild: dpa

Goldfonds verzeichnen im September deutliche Abflüsse. Das drückt den Preis des Edelmetalls. Der starke Dollar tut sein Übriges. Für Sammler gibt es indes gute Nachrichten: Mehr Münzen sind von der Mehrwertsteuer befreit.

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          Gold ist längst nicht mehr so gefragt, wie es als Krisenmetall noch vor einiger Zeit war. Dennoch beeinflussen Krisenmeldungen nach wie vor seinen Preis. In der vergangenen Woche sorgten zum Beispiel erste Meldungen über eine Waffenruhe in der Ukraine für einen deutlichen Rückgang. Als sich diese Meldungen zunächst als falsch herausstellten, erholte sich der Goldpreis wieder. Inzwischen ist der Preis weiter unter Druck geraten. Auch der starke Dollar belastet den Edelmetallmarkt. Am Mittwoch kostete die Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise 1257 Dollar. Tags zuvor war der Goldpreis sogar bis auf 1250 Dollar gefallen – das tiefste Niveau seit Juni.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Seit Jahresbeginn hat sich Gold (in Dollar gerechnet) zwar um 4 Prozent verteuert. Blickt man jedoch ein Jahr zurück, dann ist das Edelmetall inzwischen rund 10 Prozent günstiger. Im September 2011 erreichte der Goldpreis - inmitten der Krise im Euroraum - einen Rekordpreis von gut 1920 Dollar. Aktuell liegt der Preis rund 35 Prozent darunter. Einem kurzfristigen Preisanstieg stünden Abflüsse aus börsengehandelten Goldfonds (ETF) entgegen, sagen Analysten der Commerzbank. Denn es gebe dadurch mehr Angebot am Markt. Die Bestände der vom Informationsanbieter Bloomberg erfassten Gold-ETF wurden allein in den ersten sechs Handelstagen im September um 18,4 Tonnen reduziert - insgesamt liegen gut 1700 Tonnen in diesen ETF. Die Dynamik der Abflüsse hat sich verstärkt.

          Auch der Goldhändler Pro Aurum berichtet von nachlassendem Interesse an Gold. So sei die Zahl der Privatkundenorders im ersten Halbjahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent zurückgegangen. Die Goldumsätze selbst hätten aber nur leicht nachgegeben, sagt Karlheinz Jockel, Geschäftsführer von Pro Aurum unter anderem in Bad Homburg. „Das liegt an der höheren Zahl von Einzelaufträgen in Millionenhöhe und nicht zuletzt am stark steigenden Geschäft mit Banken, die Edelmetalle immer mehr in ihre Beratung integrieren.“ Pro Aurum kooperiert mit 125 Kreditinstituten im Goldhandel und der Lagerung.

          Wenn Anleger Gold kaufen, dann sind Barren und Münzen offenbar ähnlich beliebt. Unter den Münzen besonders gefragt ist und bleibt der südafrikanische Krügerrand. Der erste wurde im Jahr 1967 geprägt. „Inzwischen sind es mehr als 50 Millionen“, sagt Jockel. Beliebt sind auch der australische Nugget, der kanadische Maple Leaf und der Wiener Philharmoniker in ihren verschiedenen Größen. Die Standardgröße für den Krügerrand ist eine Unze. Sie kostet aktuell 1000 Euro. Im Oktober 2012, als der Goldpreis einen Rekord in Euro erreichte, waren es gut 40 Prozent mehr. Jockel rät zum Kauf größerer Münzen. Je kleiner eine Münze sei, desto stärker schlügen die Kosten für ihre Herstellung zu Buche.

          Und noch etwas sollten Anleger beachten: Seit 1993 seien Goldmünzen und Barren, die zur Anlage dienten, von der Mehrwertsteuer befreit, sagt Jockel. Anders sieht das bei vielen historischen Sammlermünzen aus. Seit diesem Jahr gilt für alle Goldmünzen, deren Verkaufspreis brutto mindestens 80 Prozent über dem Materialwert liegt, der einheitliche Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Zuvor gab es zwei Sätze. Zudem ist die Liste der EU mit Goldmünzen, die von dieser Steuer befreit sind, im Jahr 2014 länger geworden. Das Bundesministerium für Finanzen veröffentlicht sie im Internet. Befreit seien erstmals auch Goldmarkstücke aus der deutschen Kaiserzeit, sagt der Bundesverband deutscher Banken. Die Abgrenzung steuerfreier und steuerpflichtiger Münzen könne allerdings im Einzelfall schwierig sein.

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