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Im Abwärtstrend : Gold hat die Hälfte der Gewinne seit 1999 eingebüßt

  • -Aktualisiert am

Die Feinunze Gold hat bis heute die Hälfte ihrer Gewinne seit 1999 wieder aufgegeben Bild: dpa

Die Krisenwährung Gold scheint „out“ zu sein, aber der deutsche Leitindex Dax könnte indes bald spürbar steigen.

          Gold ist „out“, und man ist versucht nachzusetzen: Und das ist gut so! Denn wenn sich die Krisenwährung dieser Welt dauerhaft im Rückwärtsgang befindet, dann sollten im Umkehrschluss die Krisen dieser Welt nicht allzu schlimm sein. Allerdings kann man bei dieser Schlussfolgerung wohl schon etwas nachdenklich werden. Ist die Griechenland-Krise denn etwa gar keine Krise?

          Finanzmärkte pflegen ihre ganz eigene Sicht auf die Entwicklungen in dieser Welt einzunehmen. Das, was ist, interessiert sie rein überhaupt nicht mehr. Was sie sehr interessiert, ist das, was vielleicht sein wird oder das, was wahrscheinlich kommen könnte. Was sie darüber hinaus in besonderem Maße interessiert, ist die Frage nach dem Trend einer Krise. Tendiert sie dazu, selbst von einem hohen Niveau aus, kleiner zu werden, dann schrumpfen allerorts die Krisenprämien. Droht eine Krise hingegen, sich selbst von äußerst bescheidenem Niveau aus auszubreiten, dann werden die Zuschläge größer.

          Schaut man vor diesem Hintergrund auf den abgebildeten Goldchart, dann macht der Abwärtstrend des gelben Metalls schon weit mehr Sinn. Als sich vor ein paar Jahren das Weltfinanzsystem in seine Bestandteile zu zerlegen drohte, musste man in der Spitze rund 1900 Dollar für die Feinunze zahlen. Seit die Wahrscheinlichkeit dafür durch die diversen globalen Vorkehrungsmaßnahmen Tag für Tag ein wenig kleiner wurde, zog sich der Goldpreis mehr und mehr zurück. Auch das ist konsequent: Wenn das wahrscheinliche maximale Niveau einer möglichen Krise stetig kleiner wird, dann wird eine Krisenwährung dies im Regelfall mit nachgebenden Kursen kommentieren. Geht man von dieser Abhängigkeit aus, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer globalen Krise des Weltfinanzsystems heute etwa gerade noch halb so groß wie noch 2011: Die Feinunze Gold hat bis zur Stunde die Hälfte ihrer Gewinne seit 1999 wieder aufgegeben.

          Übrigens könnte man der Meinung sein, dass die Finanzmärkte auch so eine Art Witterung für das haben, was geschehen könnte. Denn der Goldpreisanstieg begann nicht etwa erst in den Krisenjahren ab 2008. Er hatte, weitestgehend unbeachtet, schon um die Jahrtausendwende bei Kursen noch unter 300 Dollar begonnen. Auch wenn diese Beobachtung vielleicht ein wenig eindimensional ist: Der Gold-Höhenflug begann nicht erst nach Lehman oder den diversen Euro-Krisen, sondern schon zu der Zeit, als Griechenland Teil der Eurozone wurde.

          Wird Gold doch noch eine Renaissance feiern?

          Aber das alles ist der Schnee von vorgestern. Weit spannender ist die anstehende Zukunft. Wird Gold doch noch eine Renaissance feiern? Die Wahrscheinlichkeit dafür ist gegenwärtig nicht allzu hoch. Unverändert notiert die Feinunze in einem langfristigen Abwärtstrend, und wie es sich mit solchen Trends nun einmal verhält, ist deren Fortsetzung zu allen Zeiten weit wahrscheinlicher als deren abrupte und unmittelbare Umkehr. Nach einer langen Zeit der größtmöglichen Unentschlossenheit und geringster Kursveränderungen könnten die Bären jetzt sogar kurzfristig wieder Schwung in den Preis bringen. Auf jeden Fall wäre es analytisch derzeit nicht zu begründen, von meinem strategischen Ziel von 1000 Dollar Abstand zu nehmen. Wenn ein möglicher oder gar wahrscheinlicher „Grexit“ mit all seinen Risiken und Unwägbarkeiten den Investoren nicht genügend Angst einjagt, um auf Gold zu setzen, dann dürfte der Feinunze auch in den nächsten Monaten nicht zu helfen sein.

          Wenigstens vorerst. Denn mit dem nächsten Abschwung in die Zielzone von 1000 Dollar oder auch darunter könnte das Krisenmetall einen komplette Baissezyklus nach unten abschließen und sich danach deutlich erholen. Der allgemeinen Krisenlogik folgend, könnte dies mit einer neuen Krise oder einer „Krise reloaded“ einhergehen. Gold bleibt also weiterhin erst einmal „out“. Aber die Frage, ob das noch weitere dreieinhalb Jahre der Fall sein wird, die müsste man heute wohl mit einem vorsichtigen „Nein“ beantworten. Gold könnte irgendwann in der nächsten Zeit wieder en vogue werden.

          Der Dax hat sich in den letzten Wochen gemessen an den Dingen, mit denen er konfrontiert wurde, sehr tapfer gehalten. Allerdings hat die Griechenland-Krise auch in seinem Chart Spuren hinterlassen. Immer mehr stellt sich die Grundsatzfrage, ob er sich noch in einem mittelfristigen Aufwärtstrend befindet oder ob bei 12 390 Punkten eine Erfolgsgeschichte zu Ende ging und die nächsten 6-18 Monate vom Darben der Haussiers geprägt sein werden. Die technischen Hinweise auf das eine wie auch das andere Szenario sind derzeit zwar diffus. Auch haben in den letzten Wochen die Baissiers analytisch an Boden gewonnen. Aber bislang sind sie den Beweis schuldig geblieben, dass sie in der Lage sein werden, das Zepter dauerhaft zu übernehmen. Wenn diese Einschätzung stimmt, dann sollte eine spürbare Erholung des Dax nicht mehr lange auf sich warten lassen.

          Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

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