https://www.faz.net/-gv6-6wn03

Gemeinschaftswährung : Eine neue Rolle für den Euro

Bild: AP

Der Euro verliert seit Monaten an Wert, besonders gegenüber dem Yen oder den Kronen aus Norwegen und Schweden, aber auch gegenüber dem Dollar. Bei langfristiger Betrachtung  relativiert sich aber so mancher Kursrückgang der jüngeren Vergangenheit.

          Der Euro ist möglicherweise gerade dabei, in eine weitere Rolle zu schlüpfen. Nach Ansicht von Marktteilnehmern könnte eine Kreditaufnahme in der Gemeinschaftswährung verstärkt verwendet werden, um Käufe von Wertpapieren in Regionen außerhalb des Euroraums zu finanzieren und nicht nur am Zinsunterschied, sondern auch an möglichen Wechselkursänderungen zu verdienen.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          "Der Euro ist aufgrund der Zinssenkungen und der erfolgten Ausweitung der Liquidität durch die Europäische Zentralbank dem Dollar ähnlicher geworden als Währung, die zur Finanzierung von Anlagen verwendet wird", sagt Dirk Aufderheide, der das Währungsmanagement der zur Deutschen Bank gehörenden Fondsgesellschaft DWS verantwortet.

          Bilderstrecke

          Geld ist in Euro-Land leichter zu bekommen

          Im Verlauf des vergangenen Jahres war der Dollar noch die wesentliche Währung gewesen, die für solche Geschäfte ("Carry Trades") infrage gekommen ist. Die amerikanische Zentralbank hält den Leitzins nahe null Prozent und kündigte bereits im Sommer an, dieses Zinsniveau noch lange beibehalten zu wollen. An den Finanzmärkten waren die Folgen dieser Niedrigzinspolitik häufig auch daran zu erkennen, das immer dann, wenn Aktienkurse und Rohstoffpreise stiegen - Marktteilnehmer also optimistischer wurden und die Bereitschaft zeigten, höhere Risiken einzugehen -, auch der Euro zulegte gegenüber dem Dollar.

          Im November und Dezember senkte dann die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen für den Euroraum überraschend auf nunmehr 1 Prozent und weitete außerdem ihre übrigen Hilfen an die Geschäftsbanken deutlich aus. Prominentestes Beispiel dafür war ein Finanzierungsgeschäft, in dem sich Banken in unbegrenzter Höhe für drei Jahre Geld leihen konnten, wodurch beinahe 490 Milliarden Euro ausgereicht wurden. Ein zweites entsprechendes Geschäft ist bereits für den Februar angekündigt.

          Abwerten mit Risikofreude

          Diese beiden Maßnahmen und die Erwartung, die EZB-Direktoren könnten auf einem ihrer nächsten Treffen weitere Zinssenkungen auf ein noch niedrigeres Niveau beschließen, machen den Euro als Finanzierungs-Währung ("Funding Currency") offenbar interessant, ist am Markt zu hören. Denn weitere Kursverluste des Euro gegenüber dem Dollar erscheinen infolge einer expansiver werdenen EZB - und solange die Fed keine weitere geldpolitische Lockerung ("QE3") beschließt - zumindest nicht unwahrscheinlich.

          Kein Beweis, aber ein Hinweis auf die neue Rolle des Euro ist der statistisch feststellbare Zusammenhang zum Beispiel zwischen dem amerikanischen Aktienindex S&P 500 und dem Außenwert des Euro zum Dollar. Im vergangenen Jahr war er die meiste Zeit hoch positiv. Das bedeutet: Wenn der S&P zulegte, gewann der Euro gegenüber dem Dollar an Wert. Am Ende des vergangenen Jahres ist dieser Zusammenhang zusammengebrochen (siehe Bilder).

          Die berechnete Korrelation liegt nun leicht unter null, was bedeutet, dass statistisch kein klarer Zusammenhang vorliegt und wenn, dann der entgegengesetzte. "Der Euro dürfte in nächster Zeit tendenziell abwerten, wenn Risiko-Assets wie Aktien oder Rohstoffe steigende Notierungen verzeichnen", sagt DWS-Währungsexperte Aufderheide.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der britische Öltanker Stena Impero wurde von den iranischen Revolutionsgarden beim Durchfahren der Straße von Hormuz beschlagnahmt.

          Nach Festsetzen von Tanker : Krise am Persischen Golf spitzt sich zu

          In der Straße von Hormus überschlagen sich die Ereignisse: Iran stoppt zwei britische Tanker, einer wird noch immer von Teheran festgehalten. Die Regierung in London droht mit Konsequenzen – und Washington schickt Verstärkung nach Saudi-Arabien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.