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Devisenmarkt : Geldpolitik spricht gegen den Dollar

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Erwartung, die amerikanische Zentralbank werde ihre Geldpolitik im Gegensatz zu anderen geldpolitischen Instanzen auf Sicht weiterhin extrem expansiv halten, lässt Anleger gegen die amerikanische Währung wetten.

          Die Erwartung, die amerikanische Zentralbank werde ihre Geldpolitik im Gegensatz zu anderen geldpolitischen Instanzen auf Sicht weiterhin extrem expansiv halten, hatte den Dollar in den vergangenen Wochen trotz aller geologischen, meteorologischen, geopolitischen und fiskalischen Probleme in aller Welt abwerten lassen.

          Auf Sicht eines Jahres haben Währungen wie der Schweizer Franken, die schwedische Krone, der australische Dollar, die tschechische Krone, der japanische Yen, der brasilianische Real und der Neuseeland-Dollar im Verhältnis zur amerikanischen Währung um zwischen elf und 25 Prozent aufgewertet.

          Der Dollar wertet vor allem gegen Rohstoffkontrakte ab

          Während der Euro trotz der Schuldenkrise in Europa um knapp zehn Prozent aufwertete, stiegen die Dollarpreise von Silber, Baumwolle, Kaffee, Mais, Weizen und nicht zuletzt auch Rohöl um zwischen 33 und 150 Prozent.

          Am Mittwoch nahm die Dynamik dieser Bewegungen sogar noch einmal kurzzeitig zu, nachdem Ben Bernanke, Chef der amerikanischen Zentralbank, in der ersten Pressekonferenz der Geschichte der Institution keinerle Anzeichen für eine baldige Kurswende in der Geldpolitik gegeben hatte. Zuvor schon hatte der Offenmarktausschuss der Fed entschieden, die Politik der extrem niedrigen Zinsen bis auf weiteres fortzusetzen. Damit bleibt der Leitzins auf einem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent. Zugleich kündigte die Notenbank an, den im November bekannt gegebenen Kauf von amerikanischen Staatsanleihen in einem Umfang von 600 Milliarden Dollar fortzusetzen. Das Programm solle aber wie geplant Ende Juni auslaufen.

          Trotz der hohen Energie- und Rohstoffkosten hält die amerikanische Zentralbank das Inflationsrisiko für gering, obwohl sie die amerikanische Konjunktur mit einer wahren Flut frischen Geldes stützt. Inflationäre Effekte durch gestiegene Öl- und Rohstoffpreise erklärte die Notenbank für „vorübergehend“. Bernanke räumte in der Pressekonferenz allerdings ein, hohe Benzinpreise stelle für viele Menschen in den Vereinigten Staaten „finanzielle Härten“ dar. Daran wird sich jedoch kaum etwas ändern, wenn die Energiepreise hoch bleiben, die inflationären Effekte jedoch aufgrund von Basiseffekten verpuffen.

          Kurzfristig ist die Abwertungsbewegung überhitzt - nicht aber langfristig

          Angesichts dieses Widerspruchs und der rasant steigenden Verschuldung der Vereinigten Staaten würde es kaum verwundern, wenn die Märkte auf eine weitere Abwertung der amerikanischen Währung wetten würden. Immerhin stellt sie nach Ansicht verschiedenster Experten aus Sicht der Vereinigten Staaten die geschickteste und politisch „schmerzloseste“ Lösung dar, um die selbst verursachten Wirtschafts- und Finanzprobleme im eigenen Land auf Kosten anderer zu lösen.

          Kurzfristig seien die Wetten gegen den Dollar zwar etwas ausgeprägt geworden, heißt es aus dem Markt. Aus diesem Grund sei sehr kurzfristig eine Kurserholung der amerikanischen Währung denkbar. Mittel- und längerfristig jedoch sprächen die meisten Argumente dagegen, vor allem die geldpolitischen. Sie werden am Donnerstag bestätigt durch Zahlen von der amerikanischen Volkswirtschaft. Sie zeigen, dass die amerikanische Wirtschaft im ersten Quartal um gerade einmal 1,8 Prozent wuchs - und das annualisiert. Faktisch ist sie also trotz der gewaltigen Stimulierungsmaßnahmen kaum gewachsen, während die Erstanträge auf Arbeitslosigkeit mit 429.000 im April deutlich höher ausfielen als erwartet.

          Solche Zahlen lassen Marktteilnehmer davon ausgehen, dass sich die amerikanische Zentralbank vorerst nicht bewegen wird, selbst wenn die Energie- und Rohstoffpreise hoch bleiben oder gar weiter steigen sollten. Mit einer deutlichen Kurserholung wäre nur im Rahmen einer weiteren Wirtschaftskrise und damit verbundenen Repatriierungsbewegungen zu rechnen. Die kann und wird nicht von steigenden Zinsen, sondern sehr wahrscheinlich von den Folgen hoher Preise, staatlicher Einschnitte auf der Ausgabenseite oder sonstige deflationäre Effekte (zum Beispiel massive Abschreibungen wegen der Schuldenkrisen) ausgelöst werden.

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