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Gastkommentar : „US-Strukturprobleme sprechen gegen schwachen Yen"

  • -Aktualisiert am

Morgan Stanley weigert sich, den Yen abzuschreiben Bild: dpa

Der Dollar sinkt 2003 auf 118 Yen pro Dollar, schreibt Stephen Jen von Morgan Stanley und wendet sich damit gegen die verbreitete These eines schwachen Yen.

          Mit Blick auf den Devisenmarkt lautet in Japan derzeit die Frage, ob eine Bankenreform gut oder schlecht für den Yen wären. Meiner Einschätzung zufolge wären agressive Reformen auf Banken- und Unternehmensebene positiv für den Yen, während ausbleibende Reformen negativ zu werten wären. Für das vierte Quartal gibt es zwar noch Chancen auf einen steigenden Dollar im Verhältnis zum Yen.

          Ein Anstieg über die Marke von 130 Yen scheint aber schwierig, weil auch die USA mit Problemen zu kämpfen haben und sie sich einen derart schwachen Yen kaum noch leisten können. Im Jahr 2003 sollten die für den Dollar belastenden Faktoren aber das Geschehen dominieren und die Parität Dollar-Yen auf 118 Yen bis Ende des kommenden Jahres drücken.

          Strukturellen Probleme in den USA nicht vergessen

          Viele Beobachter argumentieren zwar, die expansive Geldpolitik und der Wunsch der Japaner nach einem schwachen Yen könnten den Yen drastisch schwächen. Begründet wird die Haltung mit einer vermitlich weiter steigenden Zahl an Konkursen im Falle einer beherzten Reform. Dies würde dann wiederum die deflationären Tendenzen verstärken und den Yen drücken. Und selbst ohne Reformen gibt es viele Yen-Pessimisten. Diese Einstellung basiert auf der Annahme, dass es dann zum Zusammenbruch des Bankensystems kommen könnte, was den Yen ebenfalls schwächen würde.

          Kurzfristig mögen diese Bedenken zwar zutreffen, langfristig dürfen aber die strukturellen Probleme in den USA nicht vergessen werden. Entscheidend wird es ohnehin sein, inwieweit Reformen sowohl auf Banken- als auch auf Unternehmensebene ergriffen werden. Denn nur beide Schritte zusammen werden zu einer vermehrten Kreditnachfrage und vor allem zu einer steigenden Bereitschaft der Banken zu einer Kreditvergabe führen.

          Geldmengenwachstum nicht überbewerten

          Außerdem teile ich nicht die im Markt weit verbreitete Auffassung, wonach die Geldmenge ein wesentlicher Bestimmungsfaktor für die Kursentwicklung zwischen Dollar und Yen ist. Veränderungen können nur durch reale Schocks ausgelöst werden. Denn die stark steigende Geldmenge würde den Yen nur schwächen, wenn damit Inflationsbefürchtungen verbunden wären. Aber das Problem in Japan ist bisher genau das Gegenteil, dass es nämlich nicht gelingt, Inflationserwartungen zu wecken.

          Aus meiner Sicht wird es in nächster Zeit zwar weitere Reformen in Japan geben. Doch diese werden von hartnäckigen Widerständen der Reformgegner begleitet werden, die zudem noch zusätzlich durch die schwache Weltkonjunktur verstärkt werden, da die Kritiker dann erst Recht verstärkten deflationären Druck befürchten. An meiner Eingangs geschilderten Kursprognose für den Yen ändert dies aber nichts.

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