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G20 & Zentralbanken : Politik fördert den Risikoappetit

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Bild: FAZ.NET

Die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industriestaaten überraschten nicht. Die Stimulierungsprogramme bleiben in Kraft. Das belebt den Risikoappetit: Der Rand sowie der neuseeländische und der australische Dollar legen zu.

          Die Aussagen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industriestaaten nach den jüngsten Treffen am Wochenende überraschen nicht. Die wirtschaftlichen Stimulierungsprogramme bleiben in Kraft bis die Konjunkturerholung gefestigt sei.

          Das lässt an den Finanzmärkten am Montag den Risikoappetit der Anleger frisch aufleben. In der Konsequenz steigen die Börsenkurse, die Energiepreise und werten die meisten Rohstoffwährungen auf.

          Rand, neuseeländischer und australischer Dollar legen zu

          Allen voran gehen der Neuseeland-Dollar, der südafrikanische Rand und der australische Dollar, während der Yen zumindest kurzfristig leicht in die Defensive gerät. Die drei erstgenannten Währungen setzten damit ihre Erholungstrends fort, die sie nach den Rückschlägen des vergangenen Jahres im März des laufenden Jahres etablierten oder verstärkten.

          Der neuseeländische Dollar hat seit Anfang März des Jahres gegen den Euro etwas mehr als 22 Prozent aufgewertet, der südafrikanische Rand 21 Prozent, der australische Dollar 17 Prozent, der polnische Zloty 16 Prozent und der brasilianische Real um knapp 16 Prozent. Selbst die schwedische Krone hat sich um knapp 14 erholt, nachdem sie wegen massiver Zinssenkungen der Zentralbank des Landes deutlich an Wert verloren hatte. Schwach bleiben dagegen die Währungen Islands, Argentiniens, Nigerias, Costa Ricas, Pakistans, Irans, Vietnams, Jamaikas, Sri Lankas und nicht zuletzt auch der Philippinen.

          Der Neuseeland-Dollar wird von denselben Faktoren beflügelt, der auch vielen anderen Märkten in den vergangenen Monaten zu einer fulminanten Entwicklung verholfen hat. Dazu zählt in erster Linie der ausgeprägte Optimismus, der sich unter anderem am NBNZ.Unternehmensvertrauens-Index zeigt. Dieser ist das Ergebnis der Befragung von 1500 mittleren und kleineren Unternehmen und zeigt an, wie das Verhältnis zwischen optimistischen und pessimistischen Einschätzungen der Befragten im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten ist. Er erreichte im August mit einem Stand von 34,2 den höchsten Stand seit etwas mehr als zehn Jahren.

          Auch in Neuseeland redet man von der Bodenbildung

          Gleichzeitig wird auch in Neuseeland die Tatsache positiv bewertet, dass die Hauspreise im August im Vergleich mit dem Vorjahr mit einem Minus von 2,8 Prozent weniger stark zurückgingen, als in den vergangenen zwölf Monaten. Noch im März konnte ein Preisrückgang um 9,3 Prozent beobachtet werden. Auf der anderen Seite nahm die Anzahl der verkauften Häuser im Juli mit einem Plus von 34 Prozent im Jahresvergleich weniger stark zu als im April, Mai und Juni. Ausgehend von Hypothekenzinsen, die sich nach massiven Leitzinssenkungen auf dem tiefsten Stand seit 41 Jahren befinden, redet alles von einer wirtschaftlichen Bodenbildung auf tiefem Niveau und einer Erholung in den kommenden Monaten.

          Die Rezession sei vorbei, erklärte Premierminister John Key am Montag in einem Interview. Im laufenden Quartal wachse die Wirtschaft. Die Wachstumsdynamik werde zunehmen, da sich auf die Weltwirtschaft erhole, erklärte er weiterhin optimistisch. Auf Basis solcher Erwartungen mögen sich die etablierten Trends noch eine Weile fortsetzen, solange sich an den äußerst lockeren Geld- und Finanzpolitiken weltweit nichts ändert.

          Allerdings besteht das Risiko, dass laxe Wirtschaftspolitiken dieser Art zu lange beibehalten werden, während die globalen makroökonomischen Ungleichgewichte - zu starke Abhängigkeit von überschuldeten angelsächsischen Konsumenten - und die mögliche Entstehung neuer Kurs- und Preisblasen zu zögerlich adressiert werden. Aus diesem Grund dürften risikobewusste Anleger dazu neigen, Absicherungsstrategien zu pflegen.

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