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Dollar & Co. : Spekulieren mit Devisen

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Bild: dpa

Die steuerliche Behandlung von Devisengeschäften hat zuletzt eine ungeahnte Prominenz bekommen. Sie waren der Schwerpunkt im Prozess um die Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß.

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          Wer steuerehrlich mit fremden Währungen spekulieren will, muss einiges beachten. Einfach ist es, wenn ein Anleger aus seinem deutschen Depot heraus Fonds kauft und verkauft, die zum Beispiel in Dollar notieren. Oder skandinavische Staatsanleihen in Kronen oder Schweizer Papiere in Franken. Hier gehört der Währungsgewinn zum Veräußerungsgewinn aus dem Papier, und die Hausbank zieht automatisch 25 Prozent Abgeltungssteuer von den Gewinnen ab, egal, wie lange das Papier gehalten wurde.

          Anders ist das bei Gewinnen mit „Fremdwährungsguthaben“. Das sind Kontoguthaben in einer anderen Währung als Euro, egal, ob das Konto im In- oder Ausland gehalten wurde. Eine Steuerpflicht entsteht, wenn ein Kontoguthaben in Fremdwährung innerhalb eines Jahres angeschafft und wieder veräußert wurde und steigende Währungskurse einen Gewinn (in Euro) bescherten.

          Die Sache mit der Umwandlung

          Ein Fremdwährungsguthaben wird „angeschafft“, wenn ein Euro- in ein Dollar-Guthaben umgewandelt wird, dies geschieht durch eine normale Überweisung von einem Euro- auf ein Dollar-Konto. Oder wenn Wertpapiere veräußert werden und die Gutschrift auf dem Dollar-Wertpapierabwicklungskonto erfolgt (BFH-Urteil vom 21.1.2014, Az. IX R 11/13). Ein Fremdwährungsguthaben wird „veräußert“, wenn dieses in Euro umgewandelt wird oder zur Anschaffung von Wertpapieren verwendet wird. Zur Ermittlung des Gewinns wird der Fremdwährungsbetrag zum Veräußerungs- und Anschaffungszeitpunkt in Euro umgerechnet und die Differenz ermittelt. Verluste können mit entsprechenden Gewinnen verrechnet werden. Um zu berechnen, ob der Gewinn innerhalb eines Jahres angefallen und damit steuerpflichtig ist, gilt:

          Wird ein bestehendes Dollar-Konto durch Umwandlung weiterer Euro-Beträge aufgestockt, gelten die zuerst erworbenen Dollar als zuerst veräußert. Besonderheiten treten bei Devisentermingeschäften auf. Hier fallen der Handelstag der Transaktion und die tatsächliche Einbuchung der Dollar auseinander. Für die Frage, welche Dollar zuerst verkauft wurden, ist die Ein- oder Ausbuchung auf dem Konto entscheidend. Die Frage, ob der Gewinn innerhalb eines Jahres entstanden ist, beantwortet hingegen die Frist zwischen den jeweiligen Handelstagen. Stammen Fremdwährungsgewinne aus Zinsen und Dividenden, sind sie zu jeder Zeit steuerfrei.

          Keine Abgeltungssteuer auf Fremdwährungsgewinne

          Auf Fremdwährungsgewinne behalten deutsche Banken anders als üblich keine Abgeltungssteuer ein. Steuerpflichtige Gewinne und Verluste sind auch nicht in der Steuerbescheinigung und nur bei ausgewählten Banken in der freiwilligen Erträgnisaufstellung enthalten. Die Gewinne müssen dann durch die Steuerpflichtigen selbst ermittelt und in der Anlage SO der Einkommensteuererklärung deklariert werden. Auf Gewinne ist nicht der Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent, sondern der persönliche Einkommensteuersatz anzuwenden. Die konkrete Ermittlung der Gewinne ist schwierig. Dies gilt insbesondere dann, wenn viele Transaktionen über ein Fremdwährungskonto laufen. Dies ist oftmals bei Wertpapierabwicklungskonten in Fremdwährung der Fall. Aus rein steuerlicher Sicht könnte erwogen werden, Wertpapiertransaktionen stets über ein Euro-Konto abzuwickeln.

          Umstritten ist zudem, ob die dargestellte Behandlung neben unverzinsten Fremdwährungskonten auch für verzinste Tages- und Festgeldkonten in Fremdwährung gilt. Die Finanzverwaltung meint, dass solche Währungsgewinne unabhängig von der Haltefrist mit der Abgeltungssteuer von 25 Prozent versteuert werden sollen.

          Sebastian Meinhardt ist Steuerberater und Partner bei KPMG in Frankfurt.

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