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Fracking : Amerika im Sandrausch

  • -Aktualisiert am

So sieht der Frackingvorgang vor Ort aus: hier in Colorado, USA Bild: AP

Nicht nur Sandproduzenten profitieren vom Fracking- Boom in Amerika. Ihre Aktienkurse sind durch die Decke geschossen. Anleger können profitieren.

          3 Min.

          Die Fracking-Revolution in Amerika wirbelt nicht nur den globalen Ölmarkt durcheinander und hilft der amerikanischen Wirtschaft wieder zu mehr Wettbewerbsfähigkeit. Ganz nebenbei hat sie einen weiteren Boom erzeugt. Denn für die neue Methode, Öl und Gas aus dem Boden zu holen, braucht man Sand. Viel Sand. Dieser Aufschwung macht sich auch bei den Aktienkursen der Unternehmen entlang der neuen Wertschöpfungskette bemerkbar, die durch die Decke geschossen sind. Der Kurs der Aktie des Sandförderers U.S. Silica legte innerhalb eines Jahres um 147 Prozent zu, der Wert des Papiers der Eisenbahngesellschaft Canadian Pacific, die Sand transportiert, um 66 Prozent.

          Und die Nachfrage nach Fracksand wird in den nächsten Jahren weiter steigen, schätzen Analysten. Eine Chance für Anleger? Die Internationale Energieagentur rechnet vor, dass die Fracking-Technologie in Amerika noch mindestens bis zum Jahr 2020 genutzt werden kann. Schon in diesem Jahr sollen die Firmen rund 56 Milliarden Pfund Sand verwendet haben. Der Gebrauch von Sand hat seit dem Jahr 2011 um 25 Prozent zugenommen, Fachleute erwarten weitere 20 Prozent über die nächsten beiden Jahre.

          Fracksand ist die Bezeichnung für industriell verwendeten Quarzsand, der beim Fracking eingesetzt wird. Dabei wird in Schiefergestein eingeschlossenes Gas oder Öl freigesetzt, das mit den herkömmlichen Methoden nicht erschlossen werden kann. Mit Sand und Chemikalien vermischtes Wasser wird unter hohem Druck in die Bohrstelle gepresst, um das Gestein aufzubrechen. Fast 75 Prozent des Sands wird in Amerika produziert und dann mit Zügen oder Lastwagen zu den Gas- und Ölfeldern transportiert.

          Die Produktion von Quarzsand hat sich nach Angaben des U.S. Geological Survey (USGS), der wissenschaftlichen Behörde des amerikanischen Innenministeriums, in den vergangenen fünf Jahren von rund 5,4 Millionen Tonnen im Jahr auf zuletzt 12,1 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt. Auch der Anteil des Fracksandes an der gesamten Produktion von Industriesand und Kies in Amerika hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf zuletzt rund 41 Prozent in etwa verdoppelt. Die durchschnittlichen Preise für Fracksand sind in Amerika nach Angaben des USGS in den vergangenen fünf Jahren nur um 5 Prozent auf durchschnittlich 54,83 Dollar pro Tonne gestiegen. Die Gründe: Die Produktion hat mit der steigenden Nachfrage mitgehalten, zahlreiche neue Minen wurden eröffnet. Im Bundesstaat Wisconsin existieren mittlerweile 100 Sandminen. Und immer mehr Minen sollen folgen. Außerdem hängt die Nachfrage nach Fracksand stark von den Preisen von Öl und Gas ab, und die sind zuletzt eher gefallen.

          In Fracking investieren

          Da es für Quarzsand keinen Terminkontrakt an der Börse gibt, müssen Anleger einen Umweg gehen. Am einfachsten geht dies, wenn man in die Aktien der Unternehmen investiert, die von diesem Boom profitieren. Der Sandförderer U.S. Silica etwa war erst Anfang Februar vergangenen Jahres an die New Yorker Börse gegangen. Nach einem enttäuschenden Debüt notiert der Aktienkurs nun mit 126 Prozent innerhalb eines Jahres bei etwa 34 Dollar im Plus. Das Unternehmen ist der Branchenzweite hinter der Unimin Corporation, die wie die meisten Sandproduzenten nicht an einer Börse notiert sind. Fast 67 Prozent der 19 bei Bloomberg gelisteten Analysten raten zum Kauf der Aktie, 33 Prozent sind unentschlossen. Auch eine Option: Der neue Sandförderer Pioneer Natural Resources, der seit April vergangenen Jahres seinen eigenen Quarzsand produziert. Pioneer kaufte für knapp 300 Millionen Dollar das amerikanische Industriesandgeschäft des belgischen Bergwerkkonzerns Carmeuse. Das Unternehmen rechnet mit Kosteneinsparungen von bis zu 70 Millionen Dollar im Jahr, weil es seinen eigenen Sand produziert. Auch bei dieser Aktie ist die Mehrheit der Analysten für einen Kauf, ein Viertel rät zu „Halten“, nur 10 Prozent halten es für eine gute Idee, das Papier zu verkaufen.

          Das Energieunternehmen EOG Resources betreibt seit 2008 eine eigene Quarzsandmine, um den Nachschub des Minerals zu sichern und Kosten zu senken. EOG besitzt eine weitere Mine in der Sandsteinregion Wisconsin. Auch bei EOG empfiehlt die Mehrheit der Analysten den Kauf der Aktie. Auch Zulieferer können sich ein Stück des sandigen Kuchens abschneiden: Bei der Eisenbahngesellschaft Canadian Pacific Railway sind etwa 48 Prozent der Fachleute dafür, die Aktie zu kaufen. Die Schienen des Unternehmens führen nach North Dakota, wo das große Erdgas- und Ölfördergebiet Bakken liegt. Durch die höhere Produktion reichen die Transportkapazitäten der dortigen Unternehmen trotz schon geplanter Pipelines nicht aus, so dass mehr Schienentransport unerlässlich werden sollte.

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