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Folge des niedrigen Preises : Saudi-Arabien will kein Ölstaat mehr sein

Ölförderung in der Wüste von Saudi Arabien Bild: dpa

Saudi-Arabien ist in den vergangenen Jahren eines der reichsten Länder der Welt geworden. Der niedrige Ölpreis könnte nun dazu führen, dass es sich komplett umorientiert.

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          Saudi-Arabien will seinen staatlichen Ölkonzern Saudi Aramco bis spätestens 2018 an die Börse bringen und leitet damit eine radikale Wende in seiner Wirtschaftspolitik ein. „Binnen 20 Jahren werden wir eine Volkswirtschaft oder ein Staat sein, der nicht mehr vor allem vom Öl abhängig ist“, kündigte Muhammad Bin Salman Al Saud, der zweite Kronzprinz des autokratisch geführten Königreichs, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg an.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Saudi Aramco ist die mit Abstand mächtigste Ölgesellschaft und zugleich das womöglich wertvollste Unternehmen der Welt. Der Staatsmonopolist deckt mit seiner Förderung rund 10 Prozent des globalen Ölverbrauchs.

          „Der größte Fonds der Welt“

          Bin Salman sagte, Saudi Aramco werde kommendes Jahr, spätestens aber im Jahr 2018 an die Börse gebracht. Geplant sei die Privatisierung „von weniger als 5 Prozent“. Es würden sowohl Aktien der Muttergesellschaft als auch Anteile an einer Reihe von Tochtergesellschaften privaten Investoren zum Kauf angeboten.

          Saudi-Arabien werde das Eigentum an Saudi Aramco an seinen Staatsfonds übertragen. „Es steht außer Zweifel, dass er dadurch zum größten Fonds der Welt werden wird. Er wird mehr als 2 Billionen Dollar schwer sein“, sagte Bin Salman. Der zweite Kronprinz ist zwar erst 30 Jahre alt, gilt aber als eines der einflussreichsten Mitglieder des Königshauses Saud und möglicher Nachfolger an der Staatsspitze - der saudische König Salman ist 80 Jahre alt und immer wieder gibt es Spekulationen darüber, wie lange er noch im Amt sein wird.

          Der zweite Kronprinz Mohammed bin Salman ist einer der wahrscheinlichsten Kandidaten für die Thronnachfolge.
          Der zweite Kronprinz Mohammed bin Salman ist einer der wahrscheinlichsten Kandidaten für die Thronnachfolge. : Bild: Reuters

          Vize-Kronprinz Bin Salman hat schon im Januar einen möglichen Börsengang von Saudi Aramco ins Spiel gebracht. Doch nun ist seine Ankündigung sehr viel konkreter. Die Schätzungen über den Wert von Saudi-Aramco reichen von rund 1 bis zu 10 Billionen Dollar. Damit wäre der Ölriese das mit Abstand wertvollste Unternehmen der Welt.

          Allerdings werden staatliche Ölgesellschaften, die an der Börse notiert sind, häufig mit hohen Bewertungsabschlägen versehen, weil private Investoren in der Regel nur sehr beschränkten Einfluss auf diese Unternehmen haben. Saudi Aramco kontrolliert rund 15 Prozent der nachgewiesenen globalen Ölreserven. Sie sind damit etwa zehnmal so groß wie die des amerikanischen Konzerns Exxon-Mobil („Esso“), der größten privaten Ölgesellschaft der Welt. Die Förderkosten der Saudis zählen zudem zu den niedrigsten, weil ihre Quellen einfach erschließbar sind.

          Die Einnahmen aus dem Ölgeschäft haben Saudi-Arabien in den vergangenen vier Jahrzehnten zu einem der reichsten Länder der Welt gemacht. Doch die Ankündigung einer ersten Teilprivatisierung von Saudi Aramco zeigt, dass im Königshaus Saud die Zweifel an der Zukunft des Landes als Ölstaat wachsen. Der Preis für Erdöl der Nordseesorte Brent ist seit dem Sommer 2014 um rund zwei Drittel auf derzeit weniger als 39 Dollar je Fass (zu 159 Liter) gefallen. Ein wesentlicher Grund dafür ist der Aufschwung der amerikanischen Schieferölindustrie, die mit Hilfe der Fracking-Methode ihre Förderung stark gesteigert hat. Befürchtungen, dass das schwächere Wachstum der Weltwirtschaft die Ölnachfrage dämpfen werde, lasten ebenfalls auf dem Preis.

          König Salman wird dieses Jahr 81 Jahre alt - immer wieder gibt es Spekulationen darüber, wie lange der saudische Monarch noch im Amt bleibt.
          König Salman wird dieses Jahr 81 Jahre alt - immer wieder gibt es Spekulationen darüber, wie lange der saudische Monarch noch im Amt bleibt. : Bild: AFP

          Der Ölpreisrutsch hat auch die Staatsfinanzen und die großteils vom Öl abhängige Wirtschaft des reichen Saudi-Arabien hart getroffen. Im vergangenen Jahr wies das Land ein staatliches Haushaltsdefizit von umgerechnet 98 Milliarden Dollar aus, was rund 16 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht.

          Auch die Privatisierung eines kleinen Anteils an Saudi Aramco könnte der Regierung viele Milliarden in die Kassen spülen. Die Saudis könnten das Geld gut gebrauchen: Die Fachleute des norwegischen Analysehauses Rystad Energy schätzen, dass die Einnahmen der Regierung aus dem Ölgeschäft dieses Jahr um 250 Milliarden Dollar niedriger liegen werden als noch im Jahr 2014. Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass das Wirtschaftswachstum des Ölstaats mit rund 29 Millionen Einwohnern dieses Jahr auf 1,2 Prozent sinken wird - im vergangenen Jahr war es beinahe dreimal so hoch.

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