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Fluchtwährungen : Franken, Kronen, Dollar

Bild: F.A.Z.

Der Schweizer Franken ist so stark wie nie. Auch skandinavische Kronen und der neuseeländische Dollar gewinnen an Wert. Deutsche Anleger können davon profitieren.

          Zum Glück ist der Winter vorbei. Sonst wäre jetzt der Skiurlaub in die Schweiz schmerzhaft teuer. Allein der Wochenskipass würde nun zum Beispiel für Davos 285 Euro kosten, im April waren es erst 262 Euro. Und vor vier Jahren nicht einmal 220 Euro. Glück für die einen, Pech für die, die in den kommenden Wochen mal eine Wanderwoche in den Schweizer Bergen einlegen wollen. Urlaub im Nachbarland war noch nie so teuer wie jetzt.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das liegt nicht etwa daran, dass Hoteliers und Skiliftbetreiber ihre Preise unverschämt hochgeschraubt haben. Es liegt an der starken Währung des Landes, dem Schweizer Franken. Er verteuert für die Deutschen und andere Ausländer die Reise ins Nachbarland.

          Weitere Stärkung des Franken in Sicht

          Ganz neu ist das Phänomen nicht, der Franken gewinnt seit der Finanzkrise 2007 an Wert. Das hat nichts mit einer Flut neuer Steuersünder zu tun, die sich in den Bergen verstecken wollen. Der Franken profitiert eher vom Nimbus als sichere Währung für Krisenzeiten. Die gab es seit 2007 genug. Erst die Bankenkrise und die folgende Rezession, dann die hohen Schulden in Amerika und im Euroraum bis hin zur Krise der Länder am Eurorand: Immer ging der Euro geschwächt und der Franken gestärkt daraus hervor. Jetzt notiert die Schweizer Währung mit nur noch 1,21 Franken je Euro auf einem historischen Höchststand. 2007 war sie mit fast 1,70 so günstig wie nie zu haben.

          Gerade die jüngsten Spekulationen über eine Umschuldung Griechenlands haben Franken und Rappen seit April noch stärker gemacht. Weltweit legen die Anleger nun lieber in Franken als in Euro an. Die Griechen selbst sollen Geld von den Konten ihrer heimischen Banken auf Schweizer Institute verlagern, um im Fall der Umschuldung nicht ihr Erspartes zu verlieren. Und viele Ungarn müssen ihre Immobilienkredite zurückzahlen, die sie vor vielen Jahren in Franken aufgenommen haben, weil die Zinsen so niedrig waren. Dazu müssen sie sich jetzt Franken besorgen. Spekulative Anleger verstärken die Entwicklung, weil sie von einer weiteren Stärkung des Franken ausgehen.

          Der Franken ist eine Fluchtwährung

          Manch ein Privatanleger will es den Profis gleichtun und mit von dem Trend zum Nachbarland profitieren. Doch Analysten sind da vorsichtig. „Der Franken ist schon sehr teuer. Und nahe an der Schwelle von 1,20 Franken je Euro. Wird die unterschritten, wird die Schweizer Notenbank mit Interventionen eingreifen müssen“, sagt Klaus Näfgen, Leiter der Kundenwährungsberatung der BHF-Bank. Denn dann würden die Schweizer Exportunternehmen und die Tourismusindustrie zu stark leiden, weil ihre Angebote im Ausland teuer werden. Das bedeutet: Viel Luft nach oben hat der Franken nicht mehr.

          Hinzu kommt: Der Franken ist eine Fluchtwährung. Er profitiert von der Unsicherheit. Wer ein oder zwei Jahre investieren will, muss davon ausgehen, dass sich die Unsicherheit über den Euro in diesem Zeitraum verringert hat. Dann hätte der Franken nicht mehr viel zu bieten. Die Schweizer Wirtschaft ist schwach, und die Zinsen, die Währungsspekulanten bekommen, sind niedrig.

          Schweden profitiert, wenn es Deutschland gutgeht

          Wer also mit fremden Währungen Geld verdienen will und nicht gleich vom schlimmsten Szenario mit einem Zerfall des Euroraums ausgeht, sollte sich andere Länder ansehen. Dabei sind nicht unbedingt die großen Währungen wie Dollar und Pfund erste Wahl. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben weiter wirtschaftliche Schwierigkeiten und sind allenfalls für ein paar Monate interessant, auf Sicht von ein bis zwei Jahren aber weniger, sagen Experten.

          Mehr Chancen bieten da schon eher die skandinavischen Nachbarn. Schweden hat den Haushalt gut im Griff und profitiert immer besonders, wenn es Deutschland so wie jetzt gutgeht. Die Analysten der Deutschen Bank, eines der größten Devisenhändler der Welt, erwarten in den kommenden 12 Monaten einen Anstieg zum Euro um zehn Prozent. Auch Norwegen ist voller Kraft. Es hat kaum Schulden, weil das Öl das Land reich macht. Das heißt dann aber auch, dass nur wenige Anleihen im Umlauf sind, weil der Staat wenig Kreditbedarf hat. Hier erwartet Deutschlands größte Bank einen Kursanstieg um sieben Prozent.

          Asiatische Währungen sind schwierige Investments

          Sollten Rohstoffpreise weiter teurer werden, profitieren Förderländer wie Kanada und Australien. Der australische Dollar ist in der Vergangenheit schon stark gestiegen, der kanadische Dollar hat da die besseren Chancen.

          Mutigere können sich auch die Schwellenländer ansehen. Zum Beispiel Osteuropa. Polen wächst kräftig, und damit klettert auch die Währung. Die Deutsche Bank erwartet einen Anstieg in den kommenden zwölf Monaten von rund sieben Prozent. Asiatische Währungen sind für deutsche Anleger hingegen schwierige Investments. Zwar entwickelt sich Asien dynamisch, aber die Währungskurse schwanken nicht frei, sondern orientieren sich am Dollar. Das gilt zum Beispiel für Chinas Renminbi, den Hongkong-Dollar oder die Währungen aus Korea und Taiwan. So könnte allenfalls der Singapur-Dollar interessant sein.

          Am besten Staatsanleihen

          Auf solche Währungen zu spekulieren geht auf vielen Wegen. Mit Zertifikaten, die die Währungsentwicklung möglichst exakt nachbilden wollen. Mit Aktien, bei denen aber immer die Gefahr besteht, dass Währungsgewinne durch schlechte Unternehmenszahlen aufgefressen werden. Oder mit Geldmarktfonds, die es aber selten nur in einer Währung, sondern meist mit anderen ausländischen Devisen gibt.

          Der beste Weg ist, Staatsanleihen des Landes in der jeweiligen Währung zu kaufen. Das ist sicher, verspricht ungeteilte Teilhabe an Währungsgewinnen und zusätzlich noch eine jährliche Zinsausschüttung, die sogar noch höher als im Euroraum sein kann. Die Laufzeiten sollten ein bis zwei Jahre nicht überschreiten, um von zu erwartenden Zinserhöhungen in diesen Ländern nicht zu stark getroffen zu werden. Dann können die Anleihen auch bis zum Ende gehalten werden, was die Gefahr von Kursverlusten wie bei einem vorzeitigen Verkauf ausschließt.

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