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Finanzmärkte : Rohstoffe: Der Kostendruck wächst

  • -Aktualisiert am

Der Kaffeepreis ist massiv teurer geworden Bild: AP

Die hohen Preise für Erdöl, Metalle und Getreide erhöhen den Druck auf Unternehmen und Verbraucher. Eine Trendumkehr ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Entweder steigen die Preise für Endprodukte oder die Ertragsmargen fallen.

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          Anleger, denen die taumelnden Aktien-, Kredit- und Häusermärkte sowie der stetige Verfall des amerikanischen Dollars zu schaffen machen, suchen verstärkt Zuflucht in „harten“ Vermögenswerten, was zur Folge hat, dass die Preise für Rohstoffe - von Öl über Edelmetalle bis hin zu Getreide - in den Himmel wachsen. Während Spekulanten leuchtende Augen bekommen, sorgt der Preisanstieg bei Unternehmen für Verstimmung, wenn sie sehen müssen, wie die Beschaffungskosten ihrer wichtigsten Rohstoffe auf problematische Niveaus klettern.

          Von der Preishausse sind weite Teile des Rohstoffsektors betroffen. Am deutlichsten sichtbar ist die Entwicklung beim Erdöl, das am 5. März mit 104,46 Dollar je Barrel auf ein neues Rekordschlusshoch vorstieß. Doch für die vielleicht größte Überraschung sorgen die Edelmetallmärkte, wo Händler derzeit gespannt darauf warten, dass der Goldpreis die magische Schwelle von 1.000 Dollar je Feinunze überschreitet. Aber auch andere Metalle, deren industrielle Verwendungsmöglichkeiten über jene des Goldes hinausgehen, glänzen mit spektakulären Steigerungen. So erhöhten sich etwa die Preise für Aluminium seit Mitte Oktober 2007 um mehr als 22 Prozent auf 138,25 Dollar je Pfund, während Platin in den vergangenen viereinhalb Monaten um stolze 53,5 Prozent auf 2.267 Dollar je Unze zulegte.

          Unübersehbar ist auch der durch die Biokraftstoffproduktion vorangetriebene Boom bei Agrarrohstoffen. Weizen verteuerte sich in den zurückliegenden viereinhalb Monaten um 30,6 Prozent, Mais um 47 Prozent und Kaffee um 15 Prozent.

          Bild: FAZ.NET

          Sicherer Hafen für Anleger

          Rohstoffe haben sich zur Anlageklasse erster Wahl entwickelt und gelten als sicherer Hafen während einer eventuell länger andauernden Baisse bei Aktien und bei festverzinslichen Vermögenswerten (je nachdem, wie sich die Zinsen entwickeln). Ein Blick auf die Bewegungen maßgeblicher Rohstoffindizes genügt: Der Reuters-Commodity Research Bureau (CRB) Index kletterte am 5. März nach einem neuerlichen Sprung der Energiepreise um zwei Prozent nach oben. In den vergangenen Wochen markierte der Index eine Reihe neuer Allzeithochs. Im zurückliegenden Jahr legte der Index fast 40 Prozent zu, wobei der CRB-Teilindex Edelmetalle knapp 62 Prozent hinzugewann, während bei Getreide im gleichen Zeitraum sogar ein Plus von 77,7 Prozent verzeichnet wurde.

          Der Dow-Jones-AIG Commodities Index mit einem Korb aus Erdöl, Erdgas, Edelmetallen, Getreide, Vieh und anderen Gütern schloss am 4. März bei 213,86 Dollar, und liegt damit 15 Prozent über dem Niveau zu Jahresbeginn und fast 21 Prozent höher als während des Zenits der Aktienindizes Mitte Oktober 2007.

          Das CRB sieht Inflationsängste als Triebfeder für den Kauf von Rohstoff-Futures. Diese Ängste werden wahrscheinlich erst dann nachlassen, wenn die amerikanische Zentralbank (Fed) ihre expansive Geldpolitik beendet. Die Zinssenkungen der Fed treiben auch den amerikanischen Dollar auf immer neue Tiefststände, was wiederum die Preise für reale Vermögenswerte wie Rohstoffe anfeuert, teilte Gary Kamen, Vertriebs- und Marketingchef bei CRB, in einer E-Mail mit.

          Die Dollarschwäche und der Aufwärtsdruck auf die Rohstoffpreise werden nach Kamens Ansicht anhalten, solange der Häusermarkt und die Gesamtwirtschaft der Vereinigten Staaten keine Zeichen der Stabilisierung zeigen.

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