https://www.faz.net/-gv6-6xms0

Finanzmärkte : Noch ein Endspiel in Athen

  • -Aktualisiert am

Fast alle Investoren rechnen mit einem weiteren Hilfspaket für Griechenland und mit einer Umschuldung Bild: dapd

Griechenlands Zahlungsunfähigkeit dürfte ein weiteres Mal aufgeschoben werden. Dennoch ist das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum wahrscheinlicher geworden.

          4 Min.

          Noch vor einem Jahr hätten die am Freitag erlebten gewalttätigen Tumulte auf Athens Straßen und verbale Ausfälle eines griechischen Regierungsmitglieds gegen die europäischen Geberländer wohl noch Angst und Schrecken auf den Kapitalmärkten ausgelöst. Doch inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Die Aktienmärkte reagierten zwar mit Kursverlusten. Doch die bewirkten gerade, dass die überwiegend freundliche Woche dann doch noch mit leichten Verlusten endete. Der Dax büßte im Wochenvergleich gut 1 Prozent auf 6.690 Punkte ein, der breiter angelegte F.A.Z.-Index verlor ebenfalls rund 1 Prozent auf 1.495 Punkte.

          Auch auf dem Markt für Staatsanleihen waren die Bewegungen moderat. Nach der abermalig verschobenen Entscheidung über das Hilfspaket - ein Ereignis, das noch vor wenigen Monaten die Furcht vor Ansteckung von anderen schwachen Euroländern genährt hätte - stiegen die Risikoprämien für italienische und spanische Titel nur moderat um einige Basispunkte. Dort hat sich die Lage in den vergangenen Wochen ohnehin entspannt. Für Titel mit dreijähriger Laufzeit haben sich für einige Peripherieländer die Finanzierungskosten seit November halbiert. Keine Anzeichen von Panik also.

          Rücktritt vom Euro ist wahrscheinlicher denn je

          Dabei ist die Lage in Griechenland schlechter denn je. Wenn die Finanzminister der Euro-Gruppe das nachgebesserte Ausgabenreduzierungspaket der griechischen Regierung an diesem Mittwoch nicht gutheißen, steht der Bankrott am 20. März bevor, wenn gut 14 Milliarden Euro für die nächste fällige Anleihe fehlen werden. Dazu wird es aber wohl nicht kommen. Die meisten Investoren rechnen mit einem weiteren Hilfspaket für Griechenland und auch mit einer Umschuldung. Doch zugleich wächst die Erwartung, dass dies erstens nicht reichen wird und über kurz oder lang ein weiterer Schuldenschnitt kommen wird und dass zweitens auch ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum wahrscheinlicher geworden ist. Willem Buiter, Chefvolkswirt der Citigroup, hat gerade seine Prognose, dass Griechenland in den nächsten 18 Monaten den Euro aufgibt, von 25 auf 50 Prozent erhöht.

          Nun ist die Angabe von Wahrscheinlichkeiten im Zusammenhang mit so einmaligen politischen Ereignissen etwas skurril. Aber Buiter zählt zu den profilierten Kennern der Schuldenkrise. Sowohl die zunehmenden Zweifel der Politiker in den Geberländern an Griechenlands Willen und Fähigkeit zu Reformen als auch die Erkenntnis, dass die Ansteckungsgefahren in den vergangenen zwei Jahren abgenommen haben, machten ein Ausscheiden Griechenlands zu einer akzeptablen Lösung, argumentiert Buiter.

          Ein Indiz für die verringerten Ansteckungsgefahren ist der abnehmende Bestand an Kreditrisiken in den Banken außerhalb Griechenlands. Dieser Wert ist seit Ende 2009 von gut 200 auf rund 80 Milliarden Dollar gesunken. Aber nicht nur deshalb ist nach Einschätzung der Citigroup die Furcht vor einem Übergreifen auf andere Länder gesunken. Die Bereitschaft, im Fall eines Ausscheidens Griechenlands andere Länder abzuschirmen, sei bei denen handelnden Politikern in den vergangen Monaten gestiegen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit der Bereitstellung riesiger Geldsummen für eine Laufzeit von drei Jahren gezeigt, dass sie im Extremfall zu extremen Maßnahmen bereit sei.

          Weitere Themen

          EZB hadert mit Inflationsziel

          Geldpolitik : EZB hadert mit Inflationsziel

          Die Geldmenge in der Eurozone wächst im August nicht mehr ganz so stark. Unterdessen diskutieren Mitglieder des EZB-Rats über das künftige Inflationsziel - und den digitalen Euro

          Topmeldungen

          Frauen demonstrieren kurz nach Donald Trumps Amtseinführung im Januar 2017 in Washington

          Entscheidende Wählergruppe : Trumps Frauen-Problem

          Frauen in den Vorstädten könnten über den Sieg bei der amerikanischen Präsidentenwahl entscheiden. Donald Trump umwirbt diese Wählergruppe intensiv. Nicht alle der Angesprochenen finden sein Vorgehen gut.
          Niemand weiß, was die Zukunft bringt – auch die Banker nicht.

          Kosten der Anlageverwaltung : Friede den Aktien, Krieg den Gebühren!

          In Sachen Geldanlage sind nur zwei Dinge sicher: die Vergangenheit und die Kosten. An den Gebühren verdienen Banken, die die Zukunft ebenso wenig kennen wie der Anleger. Ein Plädoyer für den Mut, das Vermögen selbst zu verwalten.
          Christian Lüth (Mitte) auf dem 8. Bundesparteitag der AfD im Congresszentrum in Hannover am 02. Dezember 2017.

          Pro-Sieben-Doku über Rechte : Das ist kein „Vogelschiss“

          Auf die Pro-Sieben-Doku „Rechts. Deutsch. Radikal“ reagiert die AfD schnell. Den einstigen Sprecher Christian Lüth, der meinte, man könne Migranten „erschießen“ oder „vergasen“, setzt sie vor die Tür. Der Reporter Thilo Mischke hat aber nicht nur deshalb Großes geleistet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.