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Finanzmärkte : Konjunktursorgen drücken Rohstoffpreise

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Sorge der Anleger vor einer schwächeren Wirtschaftsentwicklung in China und den Vereinigten Staaten hat die Rohstoffpreise spürbar unter Druck gebracht. Nicht nur Öl verbilligt sich, auch Industriemetalle sind günstiger geworden.

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          Die Furcht der Investoren vor einer schwächeren Wirtschaftsentwicklung besonders in China und den Vereinigten Staaten hat die Rohstoffpreise spürbar unter Druck gebracht. Nicht nur Öl verbilligt sich, auch Industriemetalle wie Kupfer und Nickel verbuchen zurzeit erhebliche Preisrückgänge. Der chinesische Einkaufsmanagerindex ist im Juni stärker als erwartet gesunken. "Die Nachrichten aus China haben den Rohstoffmarkt verängstigt", sagt Rohstoffexpertin Sudakshina Unnikrishnan von Barclays Capital in London. "Es hat die Sorgen erhöht, wie nachhaltig der Aufschwung ist."

          Konjunkturdaten aus China sind für Rohstoffanleger von besonderer Bedeutung, ebenso die Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Denn diese Länder sind die größten Verbraucher von Rohstoffen auf der Welt: So benötigt kein Land so viel Öl wie Amerika, gefolgt von China. Bezüglich Kupfer gibt es keinen größeren Verbraucher als China. Das Land ist zudem ein wichtiger Kupferproduzent. Sollte das Wachstum dort geringer ausfallen, dürften weniger Rohwaren nötig sein - dieser Ausblick drückt die Preise.

          Dabei sind Rohstoffpreise nicht nur für Unternehmen wichtig, die diese Waren für ihre Produktion benötigen. An den Rohstoffmärkten mischen auch Investoren stark mit. So stehen Privatanlegern viele Rohstoff-Anlagemöglichkeiten zur Verfügung: Ein Beispiel sind Zertifikate, es gibt auch börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) sowie Exchange Traded Commodities (ETC). Das Interesse der Anleger für Rohstoff-Anlagen hat stark zugenommen. Mit Beginn der Griechenland-Krise sind die Rohstoffpreise schon unter Druck geraten. Die europäische Schuldenkrise mindert die Risikofreude der Investoren.

          Seit April hat sich zum Beispiel Rohöl um 17 Prozent verbilligt, Industriemetalle wie Blei und Zink verbilligten sich im vergangenen Quartal sogar um bis zu 25 Prozent. Anleger stoßen besonders die in der Industrie benötigten Rohstoffe ab. Ein Fass Rohöl der amerikanischen Sorte WTI verlor am Donnerstag 4,4 Prozent auf 72 Dollar. Nordseeöl der Sorte Brent kostete 71 Dollar je Barrel (159 Liter). Die amerikanischen Öllagerbestände waren zuletzt gesunken. Dies hatte die Preise noch etwas gestützt. Allerdings ist das zu Ende gegangene Quartal das erste Vierteljahr seit dem Schlussquartal 2008, in dem der Ölpreis gefallen ist. Öl ist weiterhin reichlich vorhanden, argumentieren Analysten. Mit einem starken Preisanstieg sei daher vorerst nicht zu rechnen.

          Die Furcht vor einer Abkühlung der Konjunktur belastet besonders die Metallmärkte. So hat der Kupferpreis seit Ende März 16 Prozent verloren. Der Zinkpreis sank um 25 Prozent, bei Blei waren es 20 Prozent. Für das vierte Quartal erwarten die Analysten von Barclays Capital mit weiter sinkenden Preisen. Im Jahr 2008, kurz vor dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers, kostete Kupfer bis zu 8940 Dollar je Tonne. Inzwischen liegt der Preis bei nur noch 6390 je Tonne. Viele Analysten behaupten, dass die Preise wieder anziehen sollten - vor allem wegen Chinas langfristigen Rohstoffbedarf. Andere Experten sagen hingegen, dass es eine Preisblase im Kupfermarkt gebe. Sie argumentieren dass ein ausreichendes Kupferangebot vorhanden sei.

          Der Goldpreis geriet am Donnerstag ebenfalls unter Druck. Dabei hat das Edelmetall im Rohstoffsektor eine Sonderrolle und sich dieses Jahr um 14 Prozent verteuert. Zwar wird Gold für Schmuck benötigt, doch ein hoher Industriebedarf wie etwa für Silber existiert nicht für das gelbe Edelmetall. Der Preis steigt nun schon im zehnten Jahr in Folge. Der Grund: Besonders Anleger, die sich vor hohen Staatsschulden und Geldentwertung fürchten, kaufen Gold. Die Feinunze (31,1 Gramm) kostete am Donnerstag 1240 Dollar. Im Juni hatte Gold mit 1266 Dollar den bisher höchsten Preis erreicht. In Euro gerechnet sank der Preis auf 986 Euro.

          Während Öl und Industriemetalle besonders unter den Konjunktursorgen leiden, können sich Agrarrohstoffe behaupten: "Diese Märkte zeigen eine hohe Widerstandsfähigkeit", sagt Analystin Unnikrishnan. Nicht nur Zucker bleibt teuer. Besonders gefragt ist auch Kaffee. "Der Preis war in der vergangenen Woche so hoch wie seit 12 Jahren nicht", sagt die Analystin. Sie rechnet allerdings damit, dass die Preise für die Bohnen wieder sinken sollten. (Kommentar, Seite 18)

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