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Finanzmärkte : Die Bedeutung des Yen für Japan wird überschätzt

  • Aktualisiert am

Bild: Mitsubishi UFJ Securities

Nach einem bereits enttäuschenden Vorjahr sind Japan Aktien auch 2008 mit deutlichen Verlusten gestartet. Inzwischen sind die Aktien jedoch vergleichsweise günstig geworden. Die Bedeutung des Yen für das Wachstum wird überschätzt.

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          Die Kursturbulenzen an den verschiedenen Finanzmärkten in den vergangenen Monaten dürfte viele Anleger überrascht haben. Vor allem auch jene in oder mit Bezug zu Japan.

          Mit Kursverlusten von bis zu 31 Prozent in Punkten und von etwas mehr als 20 Prozent in Euro gehörte der Nikkei-Index in dieser Periode zu den schwächsten Indizes unter den Hauptbörsen weltweit. Dagegen konnte der Yen phasenweise sowohl gegen den Dollar als auch gegen den Euro zum Teil deutlich aufwerten.

          Yen zeigt sich trotz des wieder auflebenden Risikoappetits relativ robust

          Nach den massiven Kursverlusten zu Jahresbeginn scheint sich die Situation kurzfristig an den Börsen unter anderem aufgrund der massiven Zinssenkung in den Vereinigten Staaten, einem angedeuteten Fiskalpaket und wegen der Hoffnung auf weitere Zinssenkungen zumindest kurzfristig etwas zu entspannen. Allerdings ist noch offen, ob sich in Amerika eine ernsthafte Wirtschaftskrise mit negativen Folgen für die Weltwirtschaft tatsächlich wird vermeiden lassen. Zweifel daran scheinen angebracht zu sein, auch wenn der Risikoappetit der Anleger zumindest in den vergangenen Stunden die altbekannten Carry-Trade-Strategien wiederbelebt hat.

          Immerhin hat der Schweizer Franken gegen den Euro wieder deutlich an Boden verloren von 1,5873 Franken auf zuletzt 1,6152 Franken je Euro und selbst der Yen scheint sich wieder etwas auf dem Rückzug zu befinden, wenn auch weniger ausgeprägt. Das dürfte kaum verwundern. Denn sollten die Turbulenzen aufgrund neuer negativer Nachrichten aus den Vereinigten Staaten wieder zunehmen, so dürfte der Yen - abgesehen von kurzfristigen Gegenbewegungen - noch weiteres Aufwertungspotential haben.

          Denn erstens dürften viele Anleger, die sich in Yen refinanziert haben, ihre Risiken weiter reduzieren und in diesem Rahmen die japanische Währung zurückkaufen. Zweitens könnten japanische Anleger dazu neigen, ihre Gelder heimzuholen, um sie an den heimischen Wertpapiermärkten zu investieren. Die japanischen Aktienmärkte gerieten zwar in den vergangenen Wochen unter anderem aufgrund der Rezessionsängste und des „starken Yen“ unter Druck.

          Eine starke Währung sei schlecht für die japanische Exportwirtschaft, die wiederum entscheidend für das Wachstum im Lande sei, heißt es immer wieder. Kurzfristig lässt sich tatsächlich so etwas wie ein Gleichlauf zwischen dem Dollar-Yen-Verhältnis und dem Nikkei sowie den amerikanischen Rentenmärkten und dem Nikkei zeigen. Mittel- und längerfristig müssen solche Argumente allerdings kritisch betrachtet werden. Immerhin tragen die japanischen Exporte gerade einmal 15 Prozent zum japanischen Bruttoinlandsprodukt bei. Das heißt, die Bedeutung der Exportindustrie wird bei weitem überschätzt.

          Japanische Wirtschaft vor allem vom Binnenkonsum abhängig

          Faktisch ist rund 85 Prozent der japanischen Wirtschaftsleistung auf die japanischen Konsumausgaben zurückzuführen. Und genau diese zeigten sich im Dezember des vergangenen Jahres vergleichsweise robust. Trotz stagnierender Realeinkommen war die Nachfrage nach modernen Fernsehgeräten und PCs relativ stark. Die Haushaltsausgaben legten auf Jahresbasis 2,2 Prozent zu, während der Markt einen Rückgang um 0,4 Prozent erwartet hatte. Gleichzeitig fiel die Arbeitslosenquote mit 3,8 Prozent etwas geringer aus als erwartet und der Einzelhandelsumsatz legte auf Jahresbasis 0,2 Prozent zu.

          Auf der anderen Seite sieht es so aus, als ob das Land die deflationäre Phase überwunden hätte. Immerhin hat die Inflationsrate in den vergangenen Monaten aufgrund der hohen Energie- und Nahrungsmittelpreise deutlich angezogen und lag im Dezember bei 0,7 Prozent auf Jahresbasis. Die Preise für industrielle Dienstleistungen legten im Dezember annualisiert sogar um 1,4 Prozent zu. Längst haben auch die Inflationserwartungen zugenommen. 63 Prozent der japanischen Konsumenten gehen inzwischen davon aus, dass die Inflationsrate auf Sicht eines Jahres über zwei Prozent liegen wird. Die Konsumentenstimmung befindet sich auf dem tiefsten Stand seit vier Jahren.

          Trotz der schlechten Stimmung dürfte die japanische Zentralbank eher zu Zinserhöhungen als zu Zinssenkungen tendieren wollen. Denn erstens trüge eine aufwertende Währung zur Dämpfung der inflationären Effekte bei. Zweitens sind die Ersparnisse der Japaner sehr hoch. Steigende Zinsen würden die Erträge steigern und auf diese Weise den Binnenkonsum beflügeln können, der wiederum für 85 Prozent der Wirtschaftsleistung steht.

          In diesem Sinne scheint Japan den internationalen Anlegern gewisse Reize zu bieten, zumal die Aktien des Landes in den vergangenen Tagen im Vergleich zur robusten Gewinnentwicklung der japanischen Unternehmen vergleichsweise günstig geworden sind. Lediglich das Chartbild sieht desaströs aus.

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