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Finanzmärkte : Der Devisenmarkt wird politisch

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Bild: FAZ.NET

Der interventionistische Einfluss am Devisenmarkt nimmt zu. Nachdem andere Staaten schon seit langem aller Möglichkeiten ausschöpfen, um ihre Währungen zu schwächem, nutzte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ein Gelegenheit um dasselbe zu tun.

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          Der politisch-interventionistische Einfluss auf den Devisenmarkt nimmt zu. Er zeigte sich schon immer daran, Länder wie China - und viele andere in Asien - ihre Währungen systematisch schwach halten und auf diese Weise gigantische Währungsreserven anhäufen.

          Oder daran, dass die Vereinigten Staaten ihre Geldpolitik extrem expansiv halten und in Form des „Quantitativ Easings“ sogar Geld drucken, um über eine schwäche Währung die Exporte ankurbeln zu können.

          Der Interventionsmus am Devisenmarkt nimmt zu

          Es wird auch an Maßnahmen deutlich, die Staaten wie Brasilien ergriffen haben, um die Aufwertung der eigenen Währung wegen dem Zufluss heißer Gelder auf der Suche nach attraktiven Renditen zu begrenzen. In jüngster Zeit haben jedoch auch die faktischen und verbalen Interventionen zugenommene. Die Schweiz warnt immer wieder, wenn der Franken zu stark werden droht. Und Japan hat eine Kehrtwende um 100 Prozent gemacht. Nachdem die erst vor kurzem neu gewählte Regierung des Landes zunächst erklärt hatte, der Markt bestimme die Entwicklung der Wechselkurse, sorgte der neue Finanzminister Naoto Kan vor wenigen Tagen für Schlagzeilen.

          Er werde zum Schutz der Exportwirtschaft werde er gemeinsam mit der japanischen Notenbank daran arbeiten, dass die Landeswährung auf ein angemessenes Niveau gedrückt werde, erklärte er. Mit Markt hat das wenig zu tun, sonder mit der Fortsetzung des Merkantilismus der vergangenen Jahrzehnte.

          Lief der Euro als Resultat der weit verbreiteten Abwertungsbemühungen in den vergangenen Jahren im Trend nach oben, so war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Europa dagegen halten würde, nachdem es sich lange Zeit in Geduld geübt hatte. Tatsächlich nutzte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch eine Präsentation, um auf informellem Wege entsprechende Äußerungen fallen zu lassen. Sie fragte rhetorisch, wie man Griechenland in Bezug auf seine schwierige Finanzlage zur Raison bringen könne und erklärte, das kleine Lande könne den Euro gefährden.

          Nun auch in Europa

          Auf diese Weise verstärkte sie die im Markt vorhandenen Sorgen über die Bonität Griechenlands einerseits und die Probleme eines „nicht optimalen Währungsraumes“. Auf der anderen Seite wurde sie sofort strikt, als zu abstruse Gerüchte in Umlauf gebracht und von Agenturen sowie manchen Medien sensationslüstern weiterverbreitet wurden. Gerüchte über einen angeblich geplanten Rücktritt wies sie als „abwegige Gedanken“ zurück. „Ich hoffe, dass die richtigen daran verdient haben und nicht die falschen“, sagte Merkel nach einer Klausurtagung des CDU-Bundesvorstandes über die Vorgänge an den fernöstlichen Devisenmärkten. Am Montagmorgen hatte bereits der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans erklärt, die Gerüchte seien „völlig frei erfunden“.

          Faktisch werden die Märkte jedoch in dem Sinne beeinflusst, dass die Aufwertungsphantasie des Euro deutlich gedämpft wird. immerhin ist der Kurs der europäischen Einheitswährung von 1,49 Dollar noch von zwei Tagen wieder zurückgefallen auf 1,4377 Dollar am reitag. Das wirkt für die europäische Wirtschaft erleichternd. Denn auf diese Weise wird der Wettbewerbsruck auf die Exportwirtschaft des Kontinents begrenzt.

          Auf diese Weise lässt sich den Währungsstrategien anderer Staaten begegnen, die unter anderem dazu geführt haben, dass die Währungsreserven Chinas nach Angaben der People's Bank of China zuletzt auf einen neuen Rekordwert von 2,399 Billionen Dollar zum Ende des vergangenen Jahres gestiegen sind. China besitzt aufgrund der ständigen Interventionen gegen die Aufwertung der eigenen Währung weltweit die höchsten Währungsreserven.

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