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FAZ.NET-Anlagestrategie : Viele Argumente sprechen gegen den Dollar

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET/Bloomberg

Dollaroptimisten blicken auf das starke Wirtschaftswachstum und erwarten einen starken Dollar. Kurzfristig könnte er sich leicht erholen. Langfristig spricht jedoch vieles für eine weitere Abwertung.

          Die vergangenen zwei Jahre wurden mit Blick auf den Devisenmarkt vor allem von einem Trend geprägt: dem schwächelnden Dollar. Der Greenback stand nicht nur gegen den Euro, sondern vor allem auch gegen die so genannten „Commodity-Währungen“ wie dem kanadischen, dem australischen oder dem neuseeländischen Dollar und dem südafrikanischen Rand massiv unter Druck. Gegen den Rand hat die Währung in den vergangenen zwei Jahren etwas 50 Prozent ihres Wertes verloren, gegen den Euro rund 30 Prozent.

          Das hört sich dramatisch an, wird nicht selten dramatisch dargestellt - ist allerdings bisher alles andere als dramatisch. Das zeigt alleine schon die „coole“ Reaktion der Europäischen Zentralbank, die sich zumindest bisher nicht aus der Ruhe bringen läßt. Fakt ist, daß sich viele Währungen, die sich jetzt angeblich plötzlich so stark geben, ihrerseits von einer Schwächephase erholen. Dabei haben sie noch lange kein Niveau erreicht, das sie vorher nicht schon gesehen haben. Auch nicht der Euro. Denn verlängert man dessen Historie anhand einer „Vorgängerwährung“, der Mark, so kann die Einheitswährung noch bis auf knapp 1,43 Dollar je Euro steigen. Erst dann wäre wirklich ein neuer Rekord zu verzeichnen.

          „Dollarmythos“ ist verblasst

          In den 90er-Jahren war der Dollar gefragt, weil die Wirtschaft in Amerika scheinbar unbeschränkt wachsen konnte. Das zog nicht nur die Aktionäre an, sondern auch ausländische Unternehmen, die kräftig im Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten investierten. Diese Nachfrage trieb nicht nur den Dollar nach oben, sondern versorgte Amerika auch mit günstigem Geld.

          Auf Grund nachlassenden Wachstums, fallender Börsen, den Attentaten in New York und einer beinahe schon unendlichen Serie von Bilanz- und anderen Skandalen ging dieser Mythos verloren. Der Dollar war nicht nur nicht mehr so stark gefragt, sondern auf Grund rasch fallender Zinsen wurde er auch von dieser Seite relativ unattraktiv. Aus diesem Grund wurde und wird er schwächer und schwächer.

          Tiefe Zinsen und Skandale bleiben nicht ohne Wirkung

          Um die Wirtschaft anzukurbeln, senkte nicht nur die Notenbank die Zinsen, sondern die Regierung reduzierte auch die Steuern und erhöhte die Ausgaben. Damit steigt der Geldbedarf. Gleichzeitig sparen die amerikanischen Konsumenten zu wenig. Und diese Differenz - die negative Leistungsbilanz von etwas fünf Prozent des Sozialproduktes- wurde und wird bisher vom Ausland ausgeglichen. Allerdings nicht mehr so bereitwillig, wie in der Vergangenheit. Amerika muß auf Grund der relativen „Unattraktivität“ immer mehr bieten - und das schlägt sich im Wechselkurs in Form von Kursverlusten nieder.

          Kursfristig sieht es nun so aus, als ob die amerikanische Konjunktur auf Grund der externen Anreize schnell und kräftig in Fahrt kommen könnte. Die Börsen bauen zumindest darauf, nehmen das mit steigenden Kursen vorweg und bieten an sich für Anleger interessante Möglichkeiten. Und genau aus diesem Grund rechnen manche Marktteilnehmer damit, daß sich der Dollar in nächster Zeit wieder gegen den Rest der Welt erholen könnte. Das ist nicht völlig ausgeschlossen, denn nach einer raschen Abwertung kann es jederzeit zu einer Gegenbewegung kommen.

          Argumente für einen nachhaltigen Wirtschatsboom fehlen

          Nüchtern betrachtet gibt es allerdings einige Argumente, die nicht nur gegen eine nachhaltige Erholung, sondern sogar für eine weitere Abwertung sprechen. Denn die amerikanischen Konsumenten sind stark verschuldet und können den Konsum nicht mehr ausweiten. Auch ein nachhaltiger Investitionsboom ist kaum zu erwarten, denn ein Leitmotiv á la „Interneteuphorie“ fehlt. Dazu kommt die zunehmende Konkurrenz aus Asien, die die Gewinnmöglichkeiten der Unternehmen beschränkt. Aus diesem Grund werden sie äußerst vorsichtig sein mit der Beschäftigung zusätzlichen Personals.

          Gleichzeitig sind die amerikanischen Wertpapiere im internationalen Vergleich schon teuer. Anleger dürften eher in anderen Regionen der Welt investieren, untern anderem in Europa und Asien. Sollte es dort gelingen, die Wirtschaft über deutliche Reformen in Gang zu bringen, wäre das ein Zusatzargument. Selbst die asiatischen Zentralbanken, die ihre Währung bisher mit Interventionen gegen die Dollarschwäche schützen, werden sich überlegen, ob sie die Währungsrisiken nicht anders verteilen sollten. Auch das müßte den Dollar belasten.

          Auf dieser Basis ist es insgesamt zwar möglich, daß sich der Dollar kurzfristig gegen den Euro erholen wird. Langfristig sprechen jedoch viele Argumente für einen schwachen Greenback.

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