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Exotische Optionen : Korridor-Scheine sind ein Widerspruch in sich

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Finanzingenieure denken sich immer wieder neue Instrumente für alle möglichen Situationen aus. Das Resultat sind oft undurchsichtige Konstruktionen. Ihre Widersprüche zeigen sich beispielsweise an den Korridorscheinen.

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          Nach einem fulminanten Abwertungstrend in den Jahren 2002 bis 2004 und einer deutlichen Gegenbewegung seit Jahresbeginn scheinen sich Dollar und Euro nun auf dem erreichten Niveau die Waage zu halten.

          Seit Wochen pendelt nun das Währungspaar zwischen 1,1870 und knapp 1,25 Dollar je Euro hin und her. Während trotz aller Dollar- und Zinseuphorie unter der Marke von 1,20 Dollar immer wieder Käufer in den Markt zu kommen scheinen, wird auf der anderen Seite für den Euro auf dem versuchten Weg nach oben die Luft regelmäßig relativ schnell dünn.

          Es läßt sich schlecht auf Situationen spekulieren, die schon eingetreten sind

          Das ist kein gutes Umfeld für Anleger, die gerne mit diesem Währungspaar Geld verdienen würden und beim Warten auf entsprechende Trends frustriert werden. Aber keine Sorge. Denn solche Situationen sind die Stunde der Finanzingenieure der Banken. Schnell werden Produkte auf den Markt geworfen, mit denen der Anleger angeblich ideal von der Seitwärtsbewegung der Märkte profitieren kann.

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          Mit solchen Argumenten werden nicht nur die Discount-Zertifikate beworben, sondern immer wieder auch die so genannten Range- und Hamster-Scheine - oder wie auch immer sie genannt werden. Bei all den gepriesenen Vorteilen sollten Anleger jedoch auch die Risiken solcher Produkte kennen.

          Bei den Discount-Zertifikaten oder Aktienanleihen liegen sie darin, daß der Anleger in Zeiten tiefer Volatilitäten zunächst einmal einen relativ geringen Gegenwert für die eingegangenen Risiken erhält. Sein maximaler Ertrag ist vergleichsweise gering im Vergleich mit der Tatsache, daß er sich mit solchen Papieren das volle Risiko auf Kursverluste des unterliegenden Finanzproduktes ins Depot legt.

          Bei Korridor-Scheinen sind die Risiken noch deutlich größer. Denn sie reagieren in Grenzbereichen nicht nur massiv auf Kursänderungen des Basiswertes, sondern ausgesprochen deutlich auf Änderungen der Volatilität. Dabei ist der Zusammenhang invers: Je tiefer die Volatilität ist, desto teurer ist das Produkt und desto geringer wird die Renditemöglichkeit - und umgekehrt.

          Korridorscheine - günstig bei hoher Volatilität und teuer, wenn sie interessant wären

          In diesem Sinne sind Korridor-Scheine preislich besonders dann interessant, wenn der Markt sehr unsicher ist. Genau das aber erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß das Underlying aus der Range ausbricht und der Schein im Extremfall wertlos verfällt. Wie schnell kann der Euro innerhalb kurzer Zeit ein paar Cent gewinnen oder verlieren! Auf der anderen Seite ist diese Wahrscheinlichkeit in ruhigen Märkten gering. Aber das wissen in dem Moment auch die Händler und machen das Produkt entsprechend teuer.

          Gleichzeitig lassen sie sich intuitiv so gut wie nicht erfassen. Genau das machen sich die Anbieter solcher Produkte zu Nutze und nehmen zum Teil gewaltige Margen - zulasten der Anleger. Das ist ein Grund mehr, die Finger von solchen Produkten zu lassen. Insgesamt sind Korridor-Scheine ein Widerspruch in sich und sicherlich keine idealen Anlageinstrumente. Das Fazit lautet wieder einmal: Einfache, leicht einschätzbare Produkte sollten komplexen vorgezogen werden. Denn selten steckt das `drin, was `draufsteht.

          Range Warrants orientieren sich sowohl an einer Kursunter- als auch eine Kursobergrenze, kurz an einer Range oder einem Korridor. Bei einfachen Range-Options wird eine bestimmte Summe investiert, die sich bis zum Ende der Laufzeit verdoppelt oder gar verdreifacht, wenn der Kurs des Basisobjektes während der Laufzeit immer innerhalb des Korridors bleibt. Wird er dagegen verlassen, so verfällt der Schein wertlos und das eingesetzte Kapital ist verloren.

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