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Euro wertet auf : Anleger fürchten sich noch vor der Feuerkraft der EZB

Geht ihm jetzt die Luft aus? Der Dax hatte in drei Monaten so viel zugelegt, wie normalerweise in drei Jahren Bild: dpa

An den Märkten dreht die Richtung: Euro und Zinsen steigen, Aktienkurse fallen. Eine Korrektur, aber keine Wende sehen Fondsmanager und Banken.

          An den Finanzmärkten ist die Welt ins Schwanken geraten. Ausverkauf am Anleihemarkt, Korrektur am Aktienmarkt und der Euro erholt sich wieder. All dies ist vor Wochen undenkbar gewesen, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem Anleihekaufprogramm von mehr als 1 Billion Euro die Richtung vorgegeben hatte: Nullzinsen, schwacher Euro und steigende Aktienkurse.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mittlerweile hat der Dax so wie viele andere Indizes seit den Rekordständen Anfang April deutlich verloren. Gegenüber seinem Allzeithoch vom 10. April von 12.374 Punkten hat er mehr als 1000 Punkte oder fast 9 Prozent eingebüßt. Ähnlich hohe Verluste hat der Eurostoxx 50 verzeichnet.

          Der Kursrückgang wird vor allem auf die Erholung des Euros zurückgeführt. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,136 Dollar. Mitte März waren es noch 1,046 Dollar gewesen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf das Fünfmonatshoch von 0,629 Prozent. Mitte April hatte der Referenzzins für den Euroraum noch bei 0,049 Prozent gelegen.

          Doch Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege in Europa der Deutschen Asset & Wealth Management (DeAWM), des Vermögensverwalters der Deutschen Bank, will noch keine Trendwende ausrufen. „Dann müsste man gegen die EZB wetten“, teilte er dieser Zeitung mit. Er hält die EZB für den dominierenden Faktor am Anleihemarkt und betrachtet die steigenden Renditen, die verbunden sind mit fallenden Kursen der Anleihen, gegenwärtig eher als Bodenbildung.

          Der Chefvolkswirt von Goldman Sachs für Deutschland, Dirk Schumacher, betrachtet die höheren Renditen als eine Reaktion auf die zuvor überspannten Niveaus, die seiner Ansicht nach trotz des EZB-Kaufprogramms fundamental nicht zu rechtfertigen waren. Der Renditeanstieg signalisiere zudem auch ein größeres Zutrauen des Marktes in die konjunkturelle Erholung der Eurozone.

          Ist eine höhere Kreditvergabe für Südeuropa notwendig?

          Auf markttechnische Ursachen verweist Frank Engels, der das Portfoliomanagement Renten bei Union Investment - der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken - leitet. Die Staaten des Euroraums hätten in den vergangenen Wochen ungewöhnlich viele Anleihen mit speziell langen Laufzeiten begeben, um von den historisch niedrigen Zinsen profitieren zu können. Dies hat laut Engels zu einem „Verdauungsproblem“ am Anleihemarkt geführt, weil nicht genügend Investoren bereit gewesen waren, trotz der EZB-Käufen die neuen Anleihen zu extrem niedrigen Renditen aufzunehmen. Er begründet die höheren Anleiherenditen und den stärkeren Euro auch mit den im Vergleich zu den Vereinigten Staaten besseren Wirtschaftsdaten im Euroraum. „Sobald die Anleiherenditen etwas ansteigen, sorgt dies für Zuflüsse in den Euroraum“, fügt Engels hinzu.

          In anderen Ländern, zum Beispiel in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien, hatten die Anleihekäufe der Notenbanken den größten Effekt am Anfang. Das erklärt nach Ansicht von Holger Achnitz, der den Devisenhandel der Citigroup in Frankfurt leitet, warum die Marktteilnehmer die künftigen Aktionen der EZB vorwegnehmen. Am Devisenmarkt seien deshalb hohe Positionen für eine Dollar-Aufwertung aufgebaut worden, die aufgrund schwacher amerikanischer Konjunkturdaten nun reduziert würden.

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